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Warum E-Bikes im Kreis Bautzen so beliebt sind

Die Nachfrage nach Fahrrädern mit Elektrounterstützung nimmt immer mehr zu. Woran das liegt und womit Käufer derzeit rechnen müssen.

Axel Koller betreibt den einzigen Fahrradladen in Bischofswerda. Besonders gefragt sind bei ihm und auch bei anderen Händlern im Landkreis Bautzen E-Bikes.
Axel Koller betreibt den einzigen Fahrradladen in Bischofswerda. Besonders gefragt sind bei ihm und auch bei anderen Händlern im Landkreis Bautzen E-Bikes. © Steffen Unger

Bautzen. Axel Koller betreibt schon seit vielen Jahren das einzige Fahrradgeschäft in Bischofswerda - und stellt seit einiger Zeit fest: E-Bikes sind nicht nur ein kurzzeitiger Trend, sondern werden immer beliebter. "Die Entwicklung vom Verkauf her geht weiterhin nach oben, die Nachfrage steigt", sagt er im Gespräch mit Sächsische.de.

Immer mehr Menschen würden beim Radfahren nicht mehr nur ihrer eigenen Muskelkraft vertrauen, sondern auf die Unterstützung durch einen Motor zurückgreifen wollen. Und das betreffe nicht nur betagte Senioren. "Auch Jüngere kaufen E-Bikes im sportlichen Segment, gerade Mountainbikes. Bei Trecking- und City-Rädern sind es aber schon eher ältere Personen", sagt Koller.

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E-Bikes werden zwar in ganz Deutschland immer beliebter, aber der Landkreis Bautzen ist quasi eine Art Vorzeigeregion. Denn hier gibt es so Einiges, wobei ein Fahrrad mit Elektrounterstützung besonders hilfreich sein kann.

Wegen Corona lange Lieferfristen

"Der Landkreis Bautzen hat alles, was das E-Bike lukrativ macht", ist sich Martin Ritscher vom Bautzener Standort des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) sicher. Vorrangig sind es kleine und große Anstiege, besonders im Süden, denn dort befindet sich das Oberlausitzer Bergland mit dem Valtenberg als seine höchste Erhebung.

Vom Frühling bis zum Herbst kann man sich am Fuße des Valtenbergs in Neukirch E-Bikes ausborgen und mit ihnen den Gipfel erklimmen.
Vom Frühling bis zum Herbst kann man sich am Fuße des Valtenbergs in Neukirch E-Bikes ausborgen und mit ihnen den Gipfel erklimmen. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Am Fuße dieses Berges gibt es neben den bekannten Monsterrollern auch einen E-Bike-Verleih. Für eine Tages-, Wochenend- oder Wochenpauschale kann man dort vorübergehend stolzer E-Bike-Fahrer werden - und das ausgeliehene Rad gleich auf dem Weg zur Valtenbergbaude testen.

Im Geschäft sind Fahrräder mit Elektrounterstützung aktuell jedoch gar nicht so leicht zu haben. "Wer dieses Jahr sein Traum-Bike kaufen wollte, brauchte entweder Glück oder viel Geduld", sagt Koller. Denn es gebe aufgrund der Corona-Pandemie aktuell noch Lieferzeiten von bis zu anderthalb Jahren. "Es haben sich leider Liefertermine so stark verschoben, dass Kunden, die ihr Rad im Herbst bestellt haben, das eigentlich im Frühjahr da sein sollte, jetzt teilweise bis Januar 2022 warten müssen", fügt Axel Koller an.

Hoher Altersdurchschnitt ein Grund für E-Bike-Beliebtheit

Wer bereits ein E-Bike besitzt, kann damit quasi überall hin. "Steigungen oder Gegenwind sind kein Grund mehr, lieber das Auto oder den Bus zu nehmen", sagt Christina Schneider von der Kaufmännischen Krankenkasse in Bautzen. Und mit dieser Ansicht ist sie nicht allein. "Die Leichtigkeit des Fahrens ist viel größer, denn ich muss vorher nicht überlegen, ob die Berge vielleicht zu steil sind", nennt Axel Koller einen Vorteil.

"E-Bikes und Pedelecs sind bei uns total das Thema", betont auch Tobias Hildebrand, der ein Fahrradgeschäft in Schirgiswalde betreibt. Einen Grund dafür sieht er in der immer älter werdenden Bevölkerung und der Gewohnheit, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. "Wer bisher Fahrrad gefahren ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterfahren, allerdings ab einem gewissen Alter elektrisch", sagt Hildebrand.

Mit einem Durchschnittsalter von 48,4 Jahren gehörte der Landkreis Bautzen Ende 2019 deutschlandweit zu den Regionen mit der ältesten Bevölkerung, er lag auf dem 29. Platz. Beim Spitzenreiter, im thüringischen Suhl, sind die Menschen allerdings noch 2,4 Jahre älter - und in Bautzens Nachbarkreis Görlitz immerhin noch rund 1,1 Jahre älter. In Heidelberg oder Freiburg im Breisgau liegt das Durchschnittsalter dagegen bei knapp über 40 Jahren.

Bis zu 150 Kilometer Reichweite sind gängig

"Die vorherrschende Altersstruktur passt sehr gut zu diesem Produkt", stellt Robert Peschke, Geschäftsführer von Little John Bikes, mit Blick auf E-Bikes fest. In der Filiale in Neukirch, wo das Unternehmen einst gegründet wurde, würden sich diese Räder besonders gut verkaufen.

Und noch etwas spricht für die Beliebtheit von E-Bikes: Im Landkreis Bautzen sind oft längere Strecken zu bewältigen. Denn hier leben die Menschen nicht nur in Städten wie Bautzen, Bischofswerda oder Kamenz, sondern auch in vielen kleineren Dörfern. "Das E-Bike wird auch gern für Arbeitswege genommen und da ist ausreichend Kapazität des Akkus vorhanden", erklärt Axel Koller.

Alleine an den Straßen, für die der Landkreis zuständig ist, gibt es rund 76 Kilometer Radwege. Was im ersten Moment viel klingt, ist für ein E-Bike keine Entfernung. "Aktuell sind bis zu 100 oder 150 Kilometer Reichweite gängig", sagt Koller. So könne man selbst größere Runden problemlos schaffen.

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Um mehr Menschen zum Radfahren zu motivieren, nimmt der Landkreis Bautzen an der Aktion "Stadtradeln" teil. Dabei geht es darum, so viele Kilometer wie möglich zu sammeln und sich mit anderen Teilnehmern weltweit zu konkurrieren. "Im besten Fall bleiben die Teilnehmer dabei, öfter das Rad zu nutzen", sagt Frances Lein vom Landratsamt Bautzen.

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