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Bautzen: Rückschlag für Jobticket

Lieber mit Bus und Bahn statt mit dem Auto zur Arbeit. Das war das Ziel einer Initiative aus dem Landratsamt. Aber der Kreistag trat jetzt auf die Bremse.

Mit dem Bus zur Arbeit ins Landratsamt: Mitarbeiter der Behörde können für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auch künftig kein Jobticket nutzen. Der Bautzener Kreistag stimmte dagegen.
Mit dem Bus zur Arbeit ins Landratsamt: Mitarbeiter der Behörde können für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auch künftig kein Jobticket nutzen. Der Bautzener Kreistag stimmte dagegen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Angenommen, jemand wohnt in Bischofswerda und arbeitet in Bautzen. Für den täglichen Arbeitsweg will sie oder er Bus oder Bahn nutzen - das schont, außer bei Verspätungen, die Nerven und in jedem Fall die Umwelt. Die Abo-Monatskarte für die Strecke Bischofswerda-Bautzen gibt es für 83 Euro.

Das gleiche Ticket ist aber auch schon für 66,40 Euro zu bekommen, also 20 Prozent günstiger. Vorausgesetzt, der Arbeitgeber bietet das Jobticket an. Dazu muss die Firma oder Behörde einen Vertrag mit einem Verkehrsunternehmen abschließen. Für die Strecke Bischofswerda-Bautzen kommen da die Länderbahn oder Regiobus infrage.

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Der Verkehrsbetrieb verkauft dem Arbeitgeber die Jobtickets zehn Prozent günstiger als zum Normalpreis. Weitere zehn Prozent legt die Firma oder Behörde selbst drauf, wenn sie die Tickets an ihre Beschäftigten weitergibt. Damit reduziert sich der Preis für eine Monatskarte zwischen Bischofswerda und Bautzen auf 66,40 Euro. Womit der Arbeitnehmer im Monat 16,60 Euro einspart.

Beschäftigte können beim Weg zum Job sparen

Im Stadtverkehr von Bautzen und anderen Städten im Zvon-Gebiet kostet ein Jobticket den Arbeitnehmer 25,76 Euro. Das ist eine Ersparnis von 6,44 Euro gegenüber dem Normalpreis von 32,20 Euro.

Um Jobtickets zu bekommen, muss ein Arbeitgeber im Gebiet des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) mindestens 20 davon kaufen. Im benachbarten Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) liegt die Mindestzahl bei 30.

Im Zvon-Revier machen davon bisher zehn Firmen oder Behörden Gebrauch. Insgesamt 280 Mitarbeiter kommen so in den Genuss einer vergünstigten Abo-Monatskarte, berichtet Zvon-Sprecherin Sandra Trebesius. Zu den Nutzern dieses Angebotes gehört unter anderem die Krankenkasse AOK Plus in Bautzen. Beim großen Arbeitgeber Bombardier gibt es hingegen keine Jobtickets, sagt Konzernsprecherin Janet Olthof, ohne eine Begründung dafür zu nennen.

Ganz anders die Zahl im VVO-Gebiet: Hier nutzen etwa 25.000 Arbeitnehmer das Jobticket, informiert Verbandssprecher Christian Schlemper. Im VVO, zu dem neben der Landeshauptstadt Dresden auch die Ballungsräume Meißen und Pirna gehören, gibt es mehr große Arbeitgeber als im eher ländlichen Zvon-Revier. Und im Stadtgebiet von Dresden, wo praktisch an jeder Ecke entweder ein Stadtbus oder eine Straßenbahn hält, wird ohnehin mehr der öffentliche Nahverkehr genutzt als in Dörfern, wo dreimal am Tag ein Bus  rollt - wenn überhaupt.

Keine Vergünstigungen für Amtsmitarbeiter

In der Landeshauptstadt bieten unter anderem der Energiekonzern Enso, die Elbe-Flugzeugwerke, das Universitätsklinikum und die Stadtverwaltung Dresden für ihre Beschäftigten das Jobticket an. Aber auch die Daimler-Tochter Accumotive in Kamenz hat für Jobtickets einen Vertrag mit Regiobus geschlossen. Der westliche Teil des Landkreises Bautzen mit dem Raum Kamenz gehört zum VVO-Gebiet.

Im Zvon-Gebiet sind es vor allem Firmen und Behörden im Landkreis Görlitz, die auf diese Weise etwas für ihre Mitarbeiter tun. Die Verbandssprecherin nennt als Beispiele das Städtische Klinikum Görlitz, die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien und das Görlitzer Landratsamt.

Das Landratsamt Bautzen kann seinen rund 1.800 Mitarbeitern zumindest vorerst kein Jobticket anbieten. Das verhindert einen Entscheidung des Kreistages auf seiner jüngsten Sitzung. Vor allem Abgeordnete von AfD und CDU sprachen sich gegen das Jobticket aus.

Abgeordnete sorgen sich um die Kreis-Finanzen

Die Beschlussvorlage kam von der Beigeordneten Birgit Weber (parteilos). Sie wollte mit dem Jobticket einen Anreiz für die Mitarbeiter des Amtes schaffen, mehr öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Etwa jeder fünfte Beschäftigte des Landratsamtes nutzt derzeit für den Weg zur Arbeit den öffentlichen Nahverkehr, wusste die Vize-Landrätin aus einer Vorab-Befragung. Hier sah sie noch Luft nach oben. Das Jobticket würde die Kreiskasse jährlich etwa 140 Euro pro Nutzer kosten.

Zu viel, befand Vincenz Baberschke von der CDU-Fraktion. "Die Idee ist gut gemeint, aber wir haben heute hier schon einige Beschlüsse gefasst, die viel Geld kosten", sagte der ehemalige Bürgermeister von Radibor mit Blick auf außerplanmäßige Zuschüsse des Kreises für Pflege, Jugendhilfe und Busunternehmen. AfD-Frau Heike Lotze argumentierte, viele Mitarbeiter des Landratsamtes wohnten auf Dörfern und seien aufs Auto angewiesen. Für diese Beschäftigten sei der öffentliche Nahverkehr überhaupt keine Option, so die Pulsnitzer Rechtsanwältin.

Zwar sprachen sich die Fraktionen Freie Wähler, Linke, SPD, FDP und Grüne für Jobtickets im Landratsamt aus. Doch am Ende stand 50 Nein-Stimmen gegen 35 Ja-Stimmen.

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