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Bautzen: Preise für Altpapier im Sinkflug

Mit alten Zeitungen lässt sich kaum noch Geld verdienen. Der erste Großhändler ist pleite, seine Filiale in Bautzen zu. Das liegt nicht an Corona, sondern an China.

Von diesen Altpapiercontainern stehen etwa 650 im Landkreis Bautzen. Hier gibt es nichts für die Entsorgung - im Gegensatz zu den Annahmestellen. Aber der Preis für Altpapier befindet sich im Sinkflug.
Von diesen Altpapiercontainern stehen etwa 650 im Landkreis Bautzen. Hier gibt es nichts für die Entsorgung - im Gegensatz zu den Annahmestellen. Aber der Preis für Altpapier befindet sich im Sinkflug. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Es ist nie viel Geld, aber immer ein kleiner Zuschuss für die Haushaltskasse: Diana Schneider aus dem Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen wirft ihre alten Zeitungen, Kataloge und ähnliches nicht in die dafür vorgesehene blaue Tonne oder in einen Container. Sondern sie bringt sie zur nächsten Annahmestelle.

Vor zwei Jahren bekam sie noch acht Cent für ein Kilogramm Altpapier, dann sieben, zuletzt sechs. Dieser Tage wollte Diana Schneider wieder Papier abgeben - doch an der  Tür des Bürocontainers hinter dem Aldi-Markt in Gesundbrunnen klebt ein Schild: Die Filiale ist "aus technischen Gründen geschlossen".

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Zukunftsmodell ist keins mehr

Doch die Gründe sind weniger technischer als viel mehr finanzieller Art. Die Papierannahme gehört zum Wertstoffhändler Saxero mit Sitz in Brandis bei Leipzig. Doch Saxero ist pleite und hat alle Annahmestellen geschlossen, das Insolvenzverfahren läuft.

Als das Unternehmen vor 20 Jahren startete, galt der Handel mit Altpapier als Zukunftsmodell. Und bei vielen ehemaligen DDR-Bürgern kam die Erinnerung wieder an Zeiten, als sie mit dem Leiterwagen voller Flaschen, Gläser und Papier zur Annahmestelle gingen und dafür gar nicht mal wenig Geld bekamen.

Ihre Mutter hat davon erzählt, ging Diana Schneider durch den Kopf, als sie mit ihrem Papier vor dem geschlossenen Container stand. Sie fuhr dann zum Wertstoffhof des Entsorgers Veolia an der Bautzener Zeppelinstraße und bekam auch dort sechs Cent für jedes Kilogramm. Damit ist sie noch gut bedient. Würde sie im Westen des Landkreises Bautzen wohnen und ihr Papier etwa zum Neru-Wertstoffhof in Kamenz oder Radeberg bringen, bekäme sie dort nur fünf Cent pro Kilo.

Etwa 650 Container im Kreis Bautzen

Neru gehört zum Entsorger Nehlsen mit Sitz in Bremen, eines von drei Unternehmen, die der Landkreis mit dem Sammeln und Weiterverkauf von Altpapier und Pappe beauftragt hat. Die Firmen leeren im Kreis die rund 650 Container für Papier und Pappe. Außerdem stehen dafür neben den meisten Restmüll-, Bio- und Gelben Tonnen auch Blaue Tonnen.

Die quollen in den jüngsten Monaten vielfach über. Das lag vor allem an Corona und der  Freizeit, die viele Menschen dadurch auf einmal hatten. Die nutzten sie, um Schränke und Keller aufzuräumen - und da kam neben ausrangierter Bekleidung auch eine Menge altes Papier zusammen.

Papier und Pappe darf nicht neben die Blaue Tonne

Papier oder Pappe einfach neben die Blaue Tonne zu legen, davon rät das Landratsamt  jedoch dringend ab. Die Tonne dürfe auch nur so weit befüllt werden, "dass sich der Deckel noch schließen lässt", erklärt Amtssprecherin Cynthia Thor. "Überfüllung der Abfallbehälter, dazu zählt auch die Bereitstellung von Abfällen neben den Behältern, stellt sogar eine Ordnungswidrigkeit dar." Die Entsorger seien nur verpflichtet, den Inhalt der Tonnen mitzunehmen.

Private Haushalte haben seit Corona wesentlich mehr Altpapier weggeworfen als zuvor, bestätigt Pressereferentin Nadine Schaer vom Entsorger Veolia in Hamburg. Von 20 Prozent mehr als sonst berichtet Nehlsen-Sprecherin Marcia Kantoks. Gleichzeitig sei aber weniger Papier und Pappe von Firmen gekommen, da viele von ihnen eine Zwangspause einlegen mussten. Unterm Strich blieb die Gesamtmenge an Altpapier und Pappe gleich, nur verschob sich die Herkunft in Richtung Privathaushalte.

Absatzprobleme in Fernost

Trotzdem herrscht auf dem deutschen Altpapiermarkt ein Überangebot, das die Preise drückt. Und das hat nichts mit Corona zu tun, sondern mit China. Die mittlerweile fast 1,5 Milliarden Einwohner brauchen Unmengen an Papier, produzieren dieses aber zunehmend selbst. 2015 kaufte China noch rund 30 Millionen Tonnen Altpapier in aller Welt, zuletzt waren es nur noch zehn Millionen, Tendenz sinkend. Ab 2021 vergibt das asiatische Land überhaupt keine Lizenzen mehr für die Einfuhr von Altpapier.

Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung, spricht schon heute von einer "Altpapierkrise“. Demnach gab es Mitte 2017 für eine Tonne Altpapier auf dem Weltmarkt noch rund 150 Euro. Ende 2019 lag der Preis bei fast 50 Euro, jetzt sind es nicht mal mehr 40 Euro.

Diana Schneider kann also nicht darauf hoffen, bald wieder mehr Geld für ihr Altpapier zu bekommen. Sie will es trotzdem weiter zur Annahmestelle bringen. Es gibt dort immerhin mehr als gar nichts.

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