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Bautz'ner: Neuer Name für Zigeunersoße

Das Senfwerk in Kleinwelka bringt immer wieder neue Kreationen auf den Markt. Manche bleiben aber nicht dauerhaft im Sortiment - oder werden umbenannt.

Bei Bautz'ner wird künftig neben dem beliebten Senf und vielen weiteren Produkten eins produziert, das schon lange im Sortiment ist, nun aber einen neuen Namen bekommt.
Bei Bautz'ner wird künftig neben dem beliebten Senf und vielen weiteren Produkten eins produziert, das schon lange im Sortiment ist, nun aber einen neuen Namen bekommt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Michael Raab aus Radebeul ärgert sich. Er liebt Salate, und jahrelang krönte er diese mit Dressing der Marke Bautz'ner. Als er unlängst das Salatdressing im Radebeuler Kaufland nicht bekam, dachte er sich noch nichts dabei - schließlich stand die Salatsoße ja weiter bei Rewe und Netto in den Regalen. Aber auch dort ist sie mittlerweile verschwunden. Michael Raab fragte daraufhin bei der Firmenmutter von Bautz'ner in Unterhaching bei München nach - und erhielt eine Antwort, die ihm gar nicht mundet: "Leider müssen wir Dir mitteilen, dass wir unsere Produktion der Salatdressings eingestellt haben."

Mal abgesehen davon, dass Michael Raab mit den Bayern noch nicht Brüderschaft getrunken hat, stößt ihm etwas Grundsätzliches auf: Im Westen werde entschieden, was im Osten schmecken dürfe. Doch Develey in Unterhaching sieht keinen Ost-West-Konflikt, sondern eher den zwischen Angebot und Nachfrage, erklärt Unternehmenssprecherin Stella Macri: "Da sich die Händler an den Kundenwünschen vor Ort orientieren, variiert die Verfügbarkeit unserer Produkte in den Supermärkten."

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Keine Sweet-Chili-Grillsoße mehr

Und deshalb bringe Bautz'ner auf Kundenwunsch auch immer mal etwas Neues in die Regale, während andere Artikel, die sich auf Dauer nicht als "Renner" an den Kassen erwiesen, wieder verschwinden. "Wir entwickeln unser Bautz’ner Sortiment stetig weiter, um auf sich verändernde Kundenbedürfnisse sowie Trends einzugehen und Platz für Neues zu schaffen", sagt Stella Macri.

So mixt Bautz'ner zum Beispiel auch keinen Senf mehr mit Speck und Röstzwiebeln. Die Sorte kam erst vor zwei Jahren auf den Markt, verkaufte sich aber offenbar nicht so gut wie erhofft. Die Sweet-Chili-Grillsoße ereilte das gleiche Schicksal.

Wie andere Unternehmen auch macht Develey kein großes Aufheben, wenn es ein Produkt aus den Regalen nimmt. Umso lieber weisen Hersteller auf Neuigkeiten hin. So bekommen die Bautz'ner Fix Soßen und Brutzel Saucen in diesem Jahr ein neues, modernes Design - sprich ein aufgehübschtes Etikett. "Mit der Bautz’ner Fix Soße Süß-Sauer kommt im März ein ganz neues Produkt in den Handel", kündigt die Sprecherin außerdem an. Die asiatische Küche lässt grüßen.

Brotaufstrich mit Senf kannten West-Chefs nicht

Damit gibt es dann vier Fix Soßen: Senfsoße, Tomatensoße, Bolognese und eben Süß-Sauer. Brutzel Saucen produziert Bautz'ner in sechs Geschmacksrichtungen. Eine ist allerdings vor einigen Wochen aus dem Sortiment verschwunden: Zigeunersauce. Wie andere Hersteller auch hat Develey angesichts der Rassismus-Debatte, in der es auch immer wieder um Bezeichnungen für Lebensmittel wie Mohrenkopf oder eben Zigeunersauce geht, das Produkt vom Markt genommen. Was nicht ausschließt, dass hier und da noch Restbestände in den Regalen stehen. Ab April kommt die Sauce dann unter der Bezeichnung „Paprika“ auf den Markt, kündigt eine Sprecherin an. Die erste Charge sei Anfang dieses Monats produziert worden.

Bei neuen Angeboten lässt sich der Betrieb am Bautzener Stadtrand gern von Anregungen aus der Kundschaft leiten. So wurden vor einigen Jahren Brotaufstriche mit Bautz'ner entwickelt - weil die Chefs aus Unterhaching gesehen hatten, dass im Osten gern Senf auf Brot gegessen wird. Das kannten sie noch nicht - aber die Aufstriche mit Gartenkräutern, Gemüse oder Ei sind inzwischen aus dem Sortiment nicht mehr wegzudenken.

Besondere Sorten zu den jährlichen Senfwochen

Einige Sorten, erklärt Stella Macri, sind von vornherein nur für einen bestimmten Aktionszeitraum bestimmt. Als Beispiel nennt sie Bautz’ner Fix Gratin Soßen oder süßen Senf. Und dann gibt es jedes Jahr eine Geschmacksrichtung, die es in keinen Supermarkt schafft. Diese Würze mischt das Werk im Ortsteil Kleinwelka extra für die jährlichen Bautz'ner Senfwochen. Da kam in den vergangenen Jahren schon mal Tomate-Basilikum- oder Maulbeersenf in die teilnehmenden Gaststätten. Außer dort ist der besondere Senf immer nur eine Zeitlang im Senfladen am Bautzener Rathaus zu haben.

Wechseln mitunter auch die Sorten, bleibt eines immer gleich: das Original, der Bautz'ner Senf. Davon füllen die rund 50 Mitarbeiter der Senf und Feinkost GmbH jährlich etwa 36 Millionen Becher ab, die dann von der Spreestadt aus zu Kunden in ganz Deutschland ausgeliefert werden.

Betrieb vor fast 70 Jahren mitten in Bautzen gegründet

Die Geschichte des Betriebes begann vor mittlerweile 68 Jahren mitten in Bautzen. Weil es dort bald zu eng wurde und die Rund-um-die-Uhr-Düfte nach Senf und Essig nicht in die Innenstadt passten, zog der VEB Lebensmittelbetriebe in den 1970er-Jahren nach Kleinwelka um.

Nach 1990 interessierte sich das Familienunternehmen Develey Senf & Feinkost GmbH aus Unterhaching für das Werk, das es zwei Jahre später kaufte. Nicht für eine symbolische Mark, für die damals viele Treuhand-Betriebe verscherbelt wurden, sondern zum regulären Buchpreis.

Und die Bayern griffen gleich noch mal tief in die Tasche. Für rund 20 Millionen Mark baute Develey in Kleinwelka ein neues Werk nach dem neuesten Stand der Technik. Die bisherige Produktionshalle blieb erhalten und wurde zum Lager umfunktioniert. Weil das mit der Zeit zu klein geriet, entstand vor mittlerweile zwölf Jahren ein großes Lager- und Versandgebäude.

Hier starten die Lieferungen auch nach Radebeul, wo Michael Raab seinem Lieblingssenf treubleiben will. Der stille Abschied vom Salatdressing ärgert ihn trotzdem. Auch wenn davon die Welt nicht untergeht: "Es gibt so viele wichtigere Themen, aber es sind eben manchmal die kleinen Dinge, die uns Sorge bereiten."

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