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Trotz Corona zum Wunschberuf

Die Suche nach der passenden Lehrstelle ist in Corona-Zeiten schwieriger als sonst. In diesen Branchen im Kreis Bautzen haben junge Leute jetzt gute Chancen.

Mit Großplakaten werben IHK und Kreishandwerkerschaft für den neuen Ausbildungsguide für den Landkreis Bautzen, im Bild: Jeanette Schneider (l.) von der IHK und Sabine Gotscha-Schock von der Kreishandwerkerschaft.
Mit Großplakaten werben IHK und Kreishandwerkerschaft für den neuen Ausbildungsguide für den Landkreis Bautzen, im Bild: Jeanette Schneider (l.) von der IHK und Sabine Gotscha-Schock von der Kreishandwerkerschaft. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Viele Berufe, viele freie Lehrstellen – doch welche Ausbildung ist die richtige für mich? Mit dieser Frage tun sich junge Leute schon unter normalen Umständen schwer. Durch Corona kommt nun noch eine zusätzliche Schwierigkeit hinzu: Fast alle Veranstaltungen, die normalerweise bei der Berufsorientierung helfen, mussten ausfallen. Außerdem planen die Betriebe vorsichtiger. Denn noch ist nicht klar, wie sich die Pandemie auf einzelne Branchen und Unternehmen auswirkt.

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Die gute Nachricht lautet: Wer noch keine Lehrstelle gefunden hat, hat auch jetzt noch gute Chancen. In vielen Branchen im Landkreis Bautzen gibt es freie Ausbildungsplätze. Welche das sind und wie sich Schüler und Eltern informieren können, darüber hat Sächsische.de mit Jeanette Schneider, der Geschäftsstellenleiterin der Industrie- und Handelskammer in Bautzen, und mit Sabine Gotscha-Schock, der Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, gesprochen.

Corona macht auch vor der Ausbildung nicht halt. Wie haben Sie diese Zeit empfunden?

Gotscha-Schock: Das größte Problem ist, dass wir im Prinzip seit anderthalb Jahren keine richtige Berufsorientierung mehr geben konnten. Wir können zwar über das Internet informieren, aber das Zusammentreffen mit Berufsberatern, die Ausgestaltung von berufsorientierenden Messen oder die Schul-Praktika in den Betrieben sind ja weggefallen.

Schneider: Und die Erfahrung besagt, dass es sehr wichtig ist, mit denen, die eine Ausbildung anbieten, zu sprechen. Bei den Praktika in den Betrieben lernen die zukünftigen Azubis ja auch das Klima ihres Ausbildungsbetriebes kennen. Das ist alles weggefallen.

Wie ist denn die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Kreis Bautzen?

Gotscha-Schock: Es gibt noch in allen Branchen Ausbildungsstellen. Wer sich jetzt noch entscheidet, hat auch Chancen, seinen Berufswunsch zu erfüllen und vor allem auch hier im Kreis zu bleiben. Bis Ende Mai gibt es im Handwerk 132 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge – bei etwa 4.500 Handwerksbetrieben im Kreis, von denen nicht alle ausbilden. Das liegt sogar über der Zahl von 2019. Weit vorn liegt der Beruf Kfz-Mechatroniker, die Zahl der Lehrverträge zum Anlagenmechaniker Heizung/Sanitär/Klima und im Baubereich haben sich zum vergangenen Jahr sehr gut entwickelt, teilweise fast verdoppelt. Sorgen gibt es dagegen bei den Metallbauern und den Elektronikern. In 110 Handwerksbetrieben gibt es derzeit noch 182 freie Ausbildungsstellen.

„Hiergeblieben! Deine berufliche Zukunft hier“ heißt die Aktion im Schaufenster des Hauses Goschwitzstraße 40 in Bautzen. Hier berät Sylvia Wolf, Teamleiterin Berufsberatung bei der Arbeitsagentur Bautzen, Chris Glawion.
„Hiergeblieben! Deine berufliche Zukunft hier“ heißt die Aktion im Schaufenster des Hauses Goschwitzstraße 40 in Bautzen. Hier berät Sylvia Wolf, Teamleiterin Berufsberatung bei der Arbeitsagentur Bautzen, Chris Glawion. © SZ/Uwe Soeder

Schneider: Die IHK Dresden hat für das kommende Ausbildungsjahr 14 Prozent weniger Ausbildungsverträge registriert. In absoluten Zahlen sind das 30 Lehrstellen weniger im Vergleich zum vorherigen Ausbildungsjahr, aber wenn dadurch bei einem Beruf keine Ausbildungsklasse zustande kommt, fällt die Ausbildung im Kreis flach. Im Industriebereich wurden bisher 177 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen – bei allerdings 16.000 Industriebetrieben. Es gibt noch 170 freie Stellen in 90 Betrieben in allen Branchen.

Größter Einbruch in der Gastronomie

In welchem Bereich gibt es die größten Probleme?

Schneider: Während erstaunlicherweise der Handel etwas zugelegt hat, gibt es den größten Einbruch in der Gastronomie. Viele Gaststätten haben zwar die Zeit genutzt, um zu renovieren, wobei sie auch die Lehrlinge mit eingebunden haben. Aber in der Zeit, in der Mitarbeiter in Kurzarbeit waren, haben sich viele einen neuen Job gesucht. Die Gaststätten werden nicht insolvent gehen, weil die Gäste ausbleiben, sondern weil es keinen mehr gibt, der in der Gastronomie lernen und arbeiten möchte.

Gotscha-Schock: Im Handwerk war es nicht ganz so prekär, weil die Betriebe meist weiterarbeiten konnten. Aber die theoretische Ausbildung im Klassenverband fiel ja oft aus. Dennoch sind die Prüfungsergebnisse nicht schlechter als im vorigen Jahr. Das ist wirklich bemerkenswert.

Wie unterstützen Sie jetzt Schüler und Ausbildungsbetriebe, damit diese zueinander finden?

Schneider: Da wir wissen, dass Eltern der größte Entscheidungsträger für ihre Kinder sind, wollen wir jetzt verstärkt die Eltern über Möglichkeiten und Chancen der Ausbildung informieren. Ein Anfang wird der am 10. Juli stattfindende Open-Air-Berufemarkt auf dem Flugplatz Kamenz sein. Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir uns bewusst für einen Sonnabend entschieden, um möglichst viele Schüler mit ihren Eltern ansprechen zu können.

Gotscha-Schock: Mit dem neu gestalteten Schaufenster in der Bautzener Goschwitzstraße, bei dem wir auf Ausbildungsberufe und -plätze aufmerksam machen, hoffen wir außerdem, Schüler und Eltern zu erreichen. Das Schaufenster ergänzt den Berufemarkt-Ausbildungsguide, weil er farblich genauso gestaltet ist. Zudem haben wir im Internet Stellen für Ferienarbeit oder Ferienpraktika zusammengestellt.

Per Klick zum Wunschberuf: Im Berufemarkt-Ausbildungsguide für den Landkreis Bautzen stellen sich sich 115 Betriebe, Unternehmen und Bildungseinrichtungen mit mehr als 120 Ausbildungsberufen vor. Hier gibt es die gesamte Broschüre online.

Im Berufemarkt-Ausbildungsguide für den Landkreis Bautzen stellen sich sich 115 Betriebe, Unternehmen und Bildungseinrichtungen mit mehr als 120 Ausbildungsberufen vor.
Im Berufemarkt-Ausbildungsguide für den Landkreis Bautzen stellen sich sich 115 Betriebe, Unternehmen und Bildungseinrichtungen mit mehr als 120 Ausbildungsberufen vor. © IHK

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