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„Bundesregierung lässt die Bäcker hängen“

Die Bäcker im Landkreis Bautzen sind empört: Wegen Corona müssen sie ihre Cafés schließen. Doch eine Entschädigung bekommen sie voraussichtlich nicht.

André Fehrmann aus Göda befürchtet, für die Umsatzeinbußen in seinen im Lockdown geschlossenen Bäckercafés keine Entschädigung zu bekommen.
André Fehrmann aus Göda befürchtet, für die Umsatzeinbußen in seinen im Lockdown geschlossenen Bäckercafés keine Entschädigung zu bekommen. © Archivfoto: SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Bäckermeister André Fehrmann aus Göda ist in Sorge: „Die Bundesregierung lässt uns Bäcker hängen“, schreibt er in einem offenen Brief, den er kürzlich auf Facebook veröffentlichte. Durch den erneuten Lockdown musste er in seinen Bäcker-Cafés in Göda, Bautzen und Dresden die Vor-Ort-Gastronomie einstellen – so wie alle Restaurants, Pizzerien und Imbisse. Allerdings befürchtet er, von den Entschädigungen der Novemberhilfe des Wirtschaftsministeriums ausgeschlossen zu werden.

Der Bäckermeister beruft sich auf eine Information vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Dieser hat diese Information aus einem Telefonat mit dem Wirtschaftsministerium, wie er auf Anfrage mitteilte. „Das ist leider mehr als eine bloße Vermutung“, so Pressesprecherin Susan Hasse.

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Den Informationen aus dem Telefonat zufolge zählen Bäckerei-Cafés zu Mischunternehmen, die von den Entschädigungen ausgeschlossen werden. Laut dem Zentralverband habe das Ministerium in einer Anfrage der Fachpresse bestätigt, dass Bäckereien eher nicht antragsberechtigt sind, da ihr Thekengeschäft weiterlaufe.

Bis zu 30 Prozent Umsatzverlust

Wenn es um die Schließung geht, werden die Bäckerimbisse zur Gastronomie gezählt, bei den Entschädigungszahlungen jedoch betrachtet man sie als Mischunternehmen - kritisiert auch Roland Ermer aus Bernsdorf, Landesobermeister des Landesinnungsverbandes Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen: „Wenn Bäckercafés genau wie Restaurants, Pizzerien, Dönerbuden geschlossen werden, müssen sie auch wie diese entschädigt werden. Bei der Schließung werden Äpfel mit Äpfeln verglichen – bei der Entschädigung werden aus den Äpfeln plötzlich Birnen.“

Die Novemberhilfe unterstützt Unternehmen, die ihren Geschäftsbetrieb wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie einstellen mussten. Ihnen werden Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen Wochenumsatzes im November 2019 gewährt.

„Ich erwarte keinen vollständigen Ersatz des Café-Umsatzes, aber ich möchte, dass wir Bäcker genauso wie die Restaurants für die Umsatzeinbußen entschädigt werden“, so André Fehrmann, der den Umsatzverlust durch die Schließung des Imbissbetriebs auf etwa 20 bis 30 Prozent schätzt.

Fast-Food-Ketten erhalten Ausgleich

Roland Ermer vermutet, dass einige Bäckereien sogar 60 bis 80 Prozent ihres Umsatzes in der Vor-Ort-Gastronomie machen. „Viele Bäcker, wie beispielsweise Fehrmann, haben einen großen Gastronomiebereich und unterliegen dem Gaststättengesetz“, sagt er. Diese Bäcker-Cafés und -Imbisse würden damit Fastfoodketten ähneln, die nach Informationen des Zentralverbands für Deutsches Bäckerhandwerk nicht als Mischunternehmen, sondern als Gastronomie betrachtet werden. Obwohl diese ebenso Gastronomie und Thekenverkauf betreiben. Dennoch können sie, anders als die Bäcker, von der Novemberhilfe Gebrauch machen.

„Wir mittelständischen Bäcker bleiben also auf dem wirtschaftlichen Schaden des aktuellen Lockdowns sitzen“, heißt es im offenen Brief der Bäckerei Fehrmann an den sächsischen Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst (FDP).

Schriftlich gibt es eine entsprechende Information noch nicht. Die Pressestelle des Bundeswirtschaftsministeriums teilte auf Anfrage mit: „Es ist davon auszugehen, dass Bäckereien und Konditoreien – anders als Cafés oder Restaurants – regelmäßig nicht aufgrund von einer Schließungsanordnung den Geschäftsbetrieb einstellen müssen. Sie können den Thekenverkauf fortsetzen.“

Bäckerverband empfiehlt zu klagen

Damit wird die Information des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks bestätigt. Das Ministerium verweist auf andere Hilfestellungen der Regierung wie die Überbrückungshilfe II oder Kurzarbeitergeld, sofern Betroffene im Rahmen der Novemberhilfe nicht antragsberechtigt sind.

André Fehrmann, der neben seinen Bäckereien drei Bäcker-Cafés betreibt, hält davon nichts. „Ich könnte nur Kredite aufnehmen. Das möchte ich vermeiden“, sagt er. „Gerade größere Bäcker haben viel in den Imbissbetrieb investiert. Und in den letzten Monaten haben sie, wie die Gastronomen, ihre Lokalitäten so eingerichtet, dass die Hygienevorschriften eingehalten werden können.“ Auch vom Kurzarbeitergeld mache er keinen Gebrauch. „Da hängen inzwischen 160 Familien dran. Und der Betrieb geht auch ohne Café weiter, ich brauche also alle Mitarbeiter“, sagt er.

Der Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks empfiehlt zu klagen, sollten die Bäcker tatsächlich nicht antragsberechtigt sein. Der Verband hat sich inzwischen mit einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewandt und die Bäcker wie André Fehrmann aufgerufen, mit einem offenen Brief auf die Situation aufmerksam zu machen.

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