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Wo Architekten mit einem Baukasten "spielen"

Die Bautzener Firma Hentschke Bau ist beim digitalen Bauen deutschlandweit vorn dabei. Wie das funktioniert und warum sie jetzt einen Preis bekam.

Architektin Sandy Klemm und Arbeitsvorbereiter Christian Barth nutzen bei der Firma Hentschke Bau in Bautzen die Vorteile der digitalen Arbeit.
Architektin Sandy Klemm und Arbeitsvorbereiter Christian Barth nutzen bei der Firma Hentschke Bau in Bautzen die Vorteile der digitalen Arbeit. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Durch das breite Fenster fällt viel Licht in den Raum, so soll es ja auch sein. Die Bettdecke ist etwas zurückgeschlagen - so, als käme der Bewohner des Zimmers jeden Moment zurück und würde sich hinlegen. Der Wandschrank ist geschlossen. In der Ecke des Zimmers befindet sich die Tür zum Bad, zeigt Sandy Klemm. Sie spaziert weiter, in die Küche, durch Gänge, in weitere Zimmer. Die junge Frau sieht alles, nur eines nicht: wer in den Zimmern wohnt.

Das kann sie auch noch gar nicht. Denn das Zimmer gibt es erst im Rohbau, so wie das ganze Haus - ein Pflegeheim am Stadtrand von Radeburg nördlich von Dresden. Es wird noch ein bisschen dauern, bis die ersten Bewohner einziehen können. Dass Sandy Klemm trotzdem jetzt schon jedes Detail zeigen kann, ist kein Wunder. Denn sie hat das Gebäude entworfen, am Computer auf ihrem Schreibtisch. Der steht in Bautzen, bei der Baufirma Hentschke Bau. Die 31-jährige Diplom-Ingenieurin gehört zu den mehr als 700 Mitarbeitern des Unternehmens, dessen Firmenlogo auf Baustellen in ganz Deutschland zu sehen ist.

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Per Mausklick durch ein entstehendes Haus

Seit  2016 arbeitet Sandy Klemm bei Hentschke Bau im Schlüsselfertigbau, Bereich Sozialimmobilien. Das Rüstzeug dazu holte sie sich beim Architekturstudium an der Technischen Universität Dresden. In der Landeshauptstadt gefiel es ihr, aus dem Chemnitzer Umland stammend, so gut, dass sie da wohnen blieb. Zur Arbeit kommt sie nach Bautzen. Hier ist sie im Hause Hentschke gefragte Ansprechpartnerin zu einem Thema, das alle nur BIM nennen.

BIM? Ihre Augen leuchten vor Begeisterung, als sie davon erzählt. Die drei Buchstaben stehen für Building Information Modling, was sich am ehesten mit Bauwerksdaten-Modellierung übersetzen lässt. "Ich habe einen digitalen Baukasten", erklärt die junge Architektin. "Aus diesem Baukasten nehme ich Wände, Fußböden, Türen, Möbel, Dachziegel und alles andere und setze daraus ein Haus zusammen." Dreidimensional, als wäre ihr Computer-Bildschirm gar nicht flach.

Durch dieses Haus kann sie sich per Mausklick bewegen, als wäre sie selbst dort, so wie der Bauleiter, der auf ihre digitale Vorarbeit mit seinem Notebook oder Tablet vor Ort zugreifen kann. Die junge Frau schwärmt von dem Computerprogramm, das so etwas möglich macht: "Es ist unglaublich genial." Zumal das Programm beim digitalen Hausbau auch gleich ausrechnet, wie viele Quadratmeter Fußbodenbelag, wie viele Meter Stromkabel und Wasserrohre, wie viele Dachziegel und weitere Materialien gebraucht werden. Ein Kalkulationsprogramm rechnet aus, was das alles kostet. "Früher hätte da einer stundenlang dran gesessen", beschreibt Sandy Klemm die neuen Möglichkeiten.

Im Mai war Richtfest für das neue Radeburger Pflegeheim, und Thomas Schiller als Assistent der Hentschke-Geschäftsführung hat sich den Neubau genau angeschaut. "Es sieht alles ganz genau so aus wie der Entwurf", sagt Schiller. Architektin Klemm holt sich beides auf den Monitor: Ihre Arbeit und eine Ansicht des Rohbaus, der fertig einmal genau so aussehen wird wie das Bild daneben.

Computer berechnet neue Eisenbahnbrücke

An einem anderen Bauprojekt, das jeder Bautzener kennt, hat Christian Barth gearbeitet: Er war maßgeblich an den Vorarbeiten für den Neubau der Bahnbrücke über die Zeppelinstraße beteiligt. Seit Ende 2018 rollt hier der Verkehr, und der Bau war seinerzeit ein Pilotprojekt für digitale Arbeitsvorbereitung.

Der 36-Jährige hat in Dresden an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Bauingenieurwesen studiert , seit 2012 ist er bei der Hentschke Bau GmbH als Arbeitsvorbereiter im Brückenbau tätig. "Ich mache aus dem Vorhaben des jeweiligen Bauherrn die Ausschreibungen für die Arbeiten", beschreibt er seine Tätigkeit. Auch dabei hilft BIM: Auf Knopfdruck wusste Barth genau, wie viel Beton er für die neue Bahnbrücke beim Lieferanten bestellen musste. 

Mit BIM zu arbeiten, das wird in Zukunft ganz normaler Teil von Ausschreibungen für Bauprojekte werden, ist Geschäftsführungs-Assistent Thomas Schiller überzeugt. Er ahnt, dass in gar nicht ferner Zeit Baubesprechungen mit dem neuen 5G-Mobilfunkstandard stattfinden können. Alle Beteiligten wären dann mit einer mobilen Kamera auf der Baustelle verbunden - persönlich vor Ort sein müsste niemand von ihnen.

Höchste Punktzahl bei bundesweitem Wettbewerb

Aber auch schon ohne 5G hat Hentschke beim digitalen Bauen die Nase vorn. Das bleibt auch Fachleuten nicht verborgen. Das IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung in Hamburg nahm zwischen April 2019 und März 2020 etwa 5.100 Unternehmen unter die Lupe und schaute sich genau an, wie sie es denn mit Digitalisierung, Wirtschaftlichkeit und Technologie halten.

1.238 Unternehmen wurden anschließend vom FAZ-Institut der Verlagsgruppe Frankfurter Allgemeine Zeitung als "Deutschlands digitale Hidden Champions“ ausgezeichnet. Unter diesen 1.238 Firmen waren nur sieben Bauunternehmen, und ein einziges davon erreichte die mögliche Höchstpunktzahl: die Firma Hentschke Bau in Bautzen.

Geschäftsführer Thomas Alscher freut sich im Namen der ganzen Firma: „Diese Auszeichnung zeigt ein weiteres Mal die Fortschrittlichkeit unseres Unternehmens, würdigt unser Bemühen um Nachhaltigkeit und untermauert unseren Anspruch, Technologieführer rund um das Thema Bauen mit Beton zu sein.“

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