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Oberlausitz: Kunststoffbranche sucht Nachwuchs

Um die Fachkräfte der Zukunft zu gewinnen, ergreift das Kunststoff-Netzwerk Polysax die Initiative. Mit einem kleinen Anreiz locken die Betriebe junge Besucher.

Im Bautzener Polysax-Ausbildungszentrum setzt Emily Hoffmann ein Werkzeug in eine Spritzgussmaschine ein. Sie absolviert eine Ausbildung zur Verfahrensmechanikerin und befindet sich im zweiten Lehrjahr.
Im Bautzener Polysax-Ausbildungszentrum setzt Emily Hoffmann ein Werkzeug in eine Spritzgussmaschine ein. Sie absolviert eine Ausbildung zur Verfahrensmechanikerin und befindet sich im zweiten Lehrjahr. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Steckdosen für elektrische Geräte kommen von der Firma Schoplast in Bischofswerda und Wölkau. Das Unternehmen Jokey in Sohland liefert Eimer für Bautz'ner Senf. Glasfaserkabel für schnelles Internet liegen in Kunststoffhüllen von den DRS Rohrwerken in Bautzen.

Drei von vielen Beispielen für Kunststoff-Produkte, die aus dem Alltag nicht wegzudenken sind. Der sächsische Osten ist eine Hochburg der Branche: Etwa 90 meist mittelständische Betriebe beschäftigen insgesamt rund 3.500 Mitarbeiter. Allerdings haben die meisten Unternehmen ein Problem, das sie mit vielen anderen teilen: In den nächsten Jahren gehen fast ganze Belegschaften in Rente, aber Fachkräfte-Nachwuchs ist rar.

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Die meisten Firmen suchen Auszubildende

Bei den DRS Rohrwerken beispielsweise sind in diesem Jahr fünf Lehrlinge mit ihrer Ausbildung fertig geworden. Alle wurden übernommen, berichtet Geschäftsführer Andreas Seibel. Aber für das neue Lehrjahr hat bisher erst ein Interessent einen Vertrag unterschrieben. "Wir würden gerne noch zwei bis drei Auszubildende nehmen", sagt der Chef.

Der Automobil- und Maschinenbauzulieferer Zeibina in Puschwitz konnte seine Lehrstellen bisher immer besetzen, sagt Geschäftsführer Steffen Zeibig. In diesem Jahr ist das erstmals anders, für September werden noch junge Leute gesucht.

Ähnliches berichtet Jokey-Personalchef Armin Schönfeld. Zur Sohlander Mannschaft gehören aktuell 14 Auszubildende oder Studenten. Die diesjährigen Absolventen bekommen alle einen festen Arbeitsvertrag, wie in den Vorjahren auch. Aber für das neue Lehrjahr konnte Jokey erst einen Auszubildenden als Fachkraft für Lagerlogistik unter Vertrag nehmen.

Der Stifte-Hersteller Edding in Bautzen hat für das neue Lehrjahr alle ausgeschriebenen Stellen besetzen können, freut sich Geschäftsführer Detlef Wloka. Drei junge Leute beginnen im September ihre Ausbildung als Verfahrensmechaniker, Werkzeugmechaniker und Mechatroniker, außerdem ist wieder ein Student der Berufsakademie Bautzen mit an Bord.

Auch wenn Edding im eigenen Hause alle Lehrstellen vergeben konnte, sieht sich das Unternehmen als Teil der Branche - und damit auch als Teil der ostsächsischen Kunststoff-Initiative Polysax, die sich 2009 gründete.

Es könnten doppelt so viele Lehrlinge sein

Zwei Jahre später baute Polysax mit dem Landkreis Bautzen im Süden der Kreisstadt ein modernes Technikum. Hier bilden seitdem die Kunststofffirmen aus der Region gemeinsam ihre künftigen Fachkräfte aus - sofern vorhanden. Außerdem gibt es im Technikum Plätze für Umschüler. Das Polysax-Bildungszentrum entwickelt auch speziell auf aktuelle Trends der Kunststofftechnik zugeschnittene Bildungsangebote für Brancheneinsteiger sowie Fachseminare für Arbeitnehmer.

Im Technikum betreuen derzeit drei Ausbilder zehn bis 20 Auszubildende pro Lehrjahr, berichtet Axel Mantey. "Es könnten gerne doppelt so viele sein", sagt der 48-Jährige. Er ist Polysax-Vorsitzender und Geschäftsführer des kunststoffverarbeitenden Unternehmens Gerodur in Neustadt bei Sebnitz. "Aber Schüler interessieren sich nicht oder nur sehr selten für Kunststoffberufe."

Um das zu ändern, geht die Branche jetzt in die Offensive. "Schon seit über einem Jahr gibt es keine Ausbildungsveranstaltungen mehr. Wenn wir nicht in die Oberschulen kommen können, laden wir die Fachkräfte von morgen zu uns ein“, sagt Mantey. Dazu soll es künftig regelmäßig einen sogenannten Ausbildungsdienstag geben. Dabei bietet jedes Unternehmen aus dem Branchenverbund immer dienstags um 14.30 Uhr einen Praxisnachmittag an. Der Kontakt kann direkt über die Betriebe oder das Polysax-Kunststoff-Zentrum in Bautzen hergestellt werden. „Als kleinen Anreiz erhalten Teilnehmer unter anderem einen 15-Euro-Gutschein“, sagt Axel Mantey.

Unternehmer treffen sich am Stammtisch

Ebenfalls an einem Dienstag, am 20. Juli, gibt es von 14.30 bis 18 Uhr im Polysax-Technikum für Interessenten einen Praxisnachmittag. Auch einzelne Unternehmen planen Veranstaltungen, so steht bei Jokey in Sohland am 11. September ab 10 Uhr ein Tag der offenen Tür im Kalender.

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Beim Unternehmerstammtisch wollen sich die Chefs der Kunststoff-Betriebe künftig drei- bis viermal im Jahr über die aktuelle Entwicklung austauschen. Aber auch Lehrer und andere Interessenten sind gern gesehen. "Wir wollen so dafür sorgen, dass wir als Kunststoffbranche in der Region besser wahrgenommen werden“, sagt Mantey.

Kontakt zum Ausbildungsdienstag für Schüler und Schulen: Telefon 03591 5322270; E-Mail [email protected]

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