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Das bietet der neue Trilex

Neue Sitze, Tische, USB-Anschlüsse: Die Länderbahn modernisiert alle 26 Triebwagen, die durch Ostsachsen fahren. Ein Wunsch bleibt allerdings offen.

Der erste modernisierte Trilex-Triebwagen stand am Mittwochvormittag auf dem Bautzener Bahnhof. Bis 2022 erhalten 25 weitere Fahrzeuge ein neues Außen- und Innenleben.
Der erste modernisierte Trilex-Triebwagen stand am Mittwochvormittag auf dem Bautzener Bahnhof. Bis 2022 erhalten 25 weitere Fahrzeuge ein neues Außen- und Innenleben. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Um 9.57 Uhr wird der Unterschied augenscheinlich. Auf Gleis 2 des Bautzener Bahnhofs fährt wie jeden Tag der Trilex des Bahnbetreibers Länderbahn nach Görlitz ein, weiß-grün lackiert mit einem orangenem Streifen. Bei dem Triebwagen, der an diesem Mittwochvormittag auf Nachbargleis 3 steht, fehlt das Grün. Dafür rahmt Orange das Weiß komplett ein. Was in der Fachsprache der Eisenbahner übrigens gar nicht weiß heißt, sondern lichtgrau. In der gleichen Farbe rollen die Intercity-Expresszüge (ICE) der Deutschen Bahn AG durchs Land.

Auch bei der Innenausstattung nähert sich der Trilex den ICE-Zügen an. Fast alle Sitzgruppen haben jetzt einen Tisch, einige davon groß genug für die Arbeit am Laptop oder für Brettspiele mit der ganzen Familie. Unter den Tischen befinden sich USB-Anschlüsse, um während der Zugfahrt Handys aufzuladen. Alle Sitzplätze bekamen neue Polster und Bezüge sowie Kopflehnen aus abwischbarem Kunstleder. Mehr Monitore als bisher informieren unterwegs über die nächsten Stationen und Anschlüsse.

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Mobiles Internet und eine große Radwanderkarte

Was nicht zu sehen ist: das im gesamten Wagen verfügbare mobile Internet. Das Äußere der Toilette zeigt jetzt eine große Radwanderkarte der Oberlausitz mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Und der Fußboden wurde komplett imprägniert und lässt sich nun leichter reinigen.

Der Diesel-Triebwagen vom Tyo Desiro sieht aus wie neu,  ist er aber nicht. 2002 verließ das Fahrzeug die Werkhallen des Siemens-Konzerns. In den jüngsten Jahren rollte er für die Länderbahn auf den Strecken Dresden-Görlitz und Dresden-Zittau - bis zum 11. Februar 2019. Da kollidierte der Zug bei Wilthen mit einem Baumstamm. Der Fahrer konnte sich mit einem Sprung nach hinten retten, der Triebkopf des Fahrzeugs aber erlitt Totalschaden.

Präsentations-Tour von Liberec bis Dresden

Der Wagen wurde damals in die Länderbahn-Werkstatt im vogtländischen Neumark geschleppt, wo er zunächst einige Monate auf einen neuen Triebkopf von Siemens warten musste. Anschließend verpassten ihm Handwerker und Techniker sein neues Außen- und Innenleben.

Am Mittwochmorgen rollte der modernisierte Trilex-Wagen von Neumark nach Bautzen, wo er sich gut zwei Stunden lang bestaunen ließ. Von da aus ging die Präsentations-Tour nach Görlitz, am Donnerstag zeigt sich der Zug in Zittau, Liberec und auf dem Dresdener Hauptbahnhof. Danach rollt er ab sofort auf den Strecken der Länderbahn zwischen Dresden, Görlitz und Zittau.

Länderbahn will alle Fahrzeuge umrüsten

Nach und nach kommen jetzt alle anderen 25 Desiros des sogenannten Ostsachsen-Netzes in die Werkstatt in Neumark. Bis Mitte 2022 will die Länderbahn alle Fahrzeuge mit dem gleichen Standard ausrüsten. Jeder Umbau dauert vier bis sechs Wochen. Dafür nimmt das Unternehmen insgesamt rund vier Millionen Euro in die Hand, verkündete in Bautzen Geschäftsführer Wolfgang Pollety: "Wir bringen hier Verbesserungen, welche die Reisenden heute zu Recht erwarten."

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) sprach noch mehr nötige Verbesserungen an, die aber nicht in den Händen der Länderbahn liegen. "Die Bürger erwarten, dass diese Bahnstrecke elektrifiziert wird. Und sie erwarten schnellere Verbindungen." Mit den dieselgetriebenen Desiros lassen sich ein paar Minuten schinden, aber deutlich kürzer werden die Fahrzeiten nicht.

Wann folgt die Elektrifizierung?

Vielleicht sind alle, die auf Bahnstrom zwischen Dresden und Görlitz warten, schon an diesem Donnerstag klüger. In Cottbus will die Deutsche Bahn AG als Inhaberin der Bahnstrecken ihren Fahrplan zur Elektrifizierung vorstellen. Bei einem früheren Termin nannte ein DB-Sprecher das Jahr 2029 als Ziel. Länderbahn-Chef Pollety ahnt dagegen, dass vor 2035 keine elektrischen Züge zwischen Dresden, Görlitz und Zittau rollen können.

Und falls doch? Der Vertrag, den die Verkehrsverbünde Oberelbe (VVO) und Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) sowie die tschechischen Landkreise Liberec und Usti nad Labem mit der Länderbahn vereinbarten, endet im Dezember 2031. Zur gleichen Zeit erreichen auch mehrere Desiros ihr "Rentenalter". Bahnexperten geben einem Triebwagen dieses Typs eine durchschnittliche Betriebszeit von 25 bis 30 Jahren. 

Sollte schon vor Ende 2031 Bahnstrom anliegen, gibt es für Zvon-Geschäftsführer Hans-Jürgen Pfeiffer mehrere Denkrichtungen. Eine Option wäre, schon vor dem neuen Verkehrsvertrag ab 2032 Elektrozüge zu beschaffen. Aber so weit mochte Länderbahn-Chef am Mittwoch nicht in die Zukunft schauen. Er freute sich erst einmal über das rundum modernisierte Fahrzeug, dem 25 weitere folgen: "Alles in allem sind das gute Voraussetzungen, um mehr Fahrgäste zu gewinnen."

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