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Wegen Corona: Hunderte Kredite gestundet

Plötzlich arbeitslos oder in Kurzarbeit, kein Geld für die Tilgung - die Sparkassen und die Volksbank im Kreis Bautzen halfen schnell. Aber die Krise hat Konsequenzen.

Kommt weniger Geld aufs Konto als gewohnt, kann das schnell ins Minus führen. Vielen Kreditnehmern im Landkreis Bautzen ging das so seit dem Corona-Ausbruch. Sparkassen und Volksbank stundeten daraufhin Kredite.
Kommt weniger Geld aufs Konto als gewohnt, kann das schnell ins Minus führen. Vielen Kreditnehmern im Landkreis Bautzen ging das so seit dem Corona-Ausbruch. Sparkassen und Volksbank stundeten daraufhin Kredite. © Symbolfoto: Claudia Hübschmann

Bautzen. Die Corona-Krise machte sich im Frühjahr sofort auch auf den Bankkonten bemerkbar. Im März ging bei fast 16.000 Oberlausitzern statt des üblichen Gehalts nur noch Kurzarbeitergeld ein, im April schon bei mehr als 33.000. Die Zahl der Arbeitslosen, die sonst im Frühjahr immer sinkt, stieg diesmal von März bis April um über 1.000 auf mehr als 18.500 und sank seitdem noch nicht wieder unter 18.000.

Wer in so einer Situation einen oder mehrere Kredite laufen hat, kann schnell an die Grenze zur Zahlungsunfähigkeit geraten. Denn schließlich fallen ja auch alle normalen Lebenshaltungskosten weiter an. Deshalb verfügte die Bundesregierung Ende März einen gesetzlichen Anspruch auf die zeitweise Aussetzung von Darlehen. Das heißt, wer wegen Corona in finanzielle Schieflage geraten war, konnte mit seiner Bank eine Tilgungspause vereinbaren. Das heißt aber auch: Die gestundeten Beträge wurden nicht erlassen, sondern verlängern die eigentlich vereinbarte Laufzeit des Kredits.

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Jetzt werden individuelle Lösungen gefunden

Der Anspruch darauf galt bis zum 30. Juni, und allein die Ostsächsische Sparkasse Dresden hat in dieser Zeit mehr als 2.500 Darlehen gestundet, teilt ihr Sprecher Andreas Rieger mit. Diese Sparkasse hat rund 600.000 Kunden in der Landeshauptstadt, im Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und im Westen des Landkreises Bautzen.

"Auffallend war, dass sehr viele Unternehmen und private Kreditnehmer dieses Mittel erst einmal vorsichtshalber eingesetzt hatten, weil keiner so recht wusste, wie es weitergeht", erklärt Rieger. "Mit den Lockerungen des Lockdowns in Sachsen ging auch die Nachfrage deutlich zurück." Aber auch jetzt würden immer noch individuelle Lösungen gefunden, wenn sich Kunden der Ostsächsischen Sparkasse Dresden mit Tilgungsproblemen melden.

Nach wie vor melden sich Kunden mit Sorgen

Bei der Kreissparkasse Bautzen nutzten 50 Kreditnehmer den gesetzlichen Anspruch, ihre Zins- und Tilgungszahlung vorübergehend ruhen zu lassen, berichtet Simone Wagner vom Vorstandssekretariat. "Darüber hinaus wurden wegen Corona mit 331 Kreditnehmern individuelle Vereinbarungen zur Aussetzung der Tilgung getroffen." Insgesamt betreut die Kreissparkasse Bautzen fast 120.000 Kunden im östlichen Teil des Landkreises.

Etwa 110.000 Kunden betreut die Volksbank Dresden-Bautzen. Für fast 200 von ihnen wurden in diesem Frühjahr Kredite gestundet. Pressesprecher Thomas Lohse nennt diesen Anteil "überschaubar". Noch immer gingen vereinzelt Anträge auf vorübergehende Aussetzung von Darlehen ein, hier werde mit den Kunden eine Lösung gefunden.

Krise beflügelt Trend zu Online-Bankgeschäften

Vollständige Kreditausfälle verzeichnet keine der beiden Sparkassen und auch nicht die Volksbank. Das wäre der Fall, wenn eine Bank vollkommen auf den Außenständen sitzen bliebe. Wie auch schon vor Corona üblich, würden durch die Banken vereinzelt Kredite gekündigt, wenn zum Beispiel vereinbarte Raten trotz Mahnung ausbleiben - aber da gebe es jetzt keine Häufung, berichten die Sprecher.

Was aber alle drei sagen: Mehr Kunden als je zuvor wickeln ihre Bankgeschäfte jetzt online ab. "Dieser Trend hat sich in den vergangenen sechs Monaten rasant beschleunigt", bestätigt Andreas Rieger von der Ostsächsischen Sparkasse Dresden. Mehr als die Hälfte der Kunden – quer durch alle Altersgruppen – nutzte heute die Online-Angebote der Sparkasse. "Mit anhaltend stark steigender Tendenz", sagt Rieger.

Ostsächsische Sparkasse: Abschied von kleinen Filialen

Bei der Kreissparkasse Bautzen werden etwa 45 Prozent aller Privatkonten ausschließlich online geführt. Und die Volksbank Bautzen-Kamenz berichtete im vergangenen Jahr, dass mehr als die Hälfte aller Überweisungen per Mausklick vom heimischen Computer aus erledigt werden.

Die Ostsächsische Sparkasse reagiert auf diesen von Corona befeuerten Trend und schließt mehrere Filialen in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet, die von den Kunden nicht mehr so stark besucht würden. Das gilt vor allem für die Landeshauptstadt. Im Landkreis Bautzen betrifft das die Filiale in Schwepnitz. Hier hält künftig regelmäßig das Sparkassenmobil, in dem die Kunden auch persönliche Ansprechpartner finden.

Kreissparkasse und Volksbank planen keine Schließungen

Bei der Kreissparkasse Bautzen und der Volksbank Dresden-Bautzen sind ähnliche Schritte derzeit nicht geplant. Bei der Kreissparkasse blieben trotz Corona immer alle Filialen geöffnet. Die Volksbank hatte mehrere kleine Geschäftsstellen im März vorübergehend geschlossen, ab 2. Juni aber wieder geöffnet.

Dass am 1. April einige Filialen der Volksbank dicht machten - wie etwa in Bretnig-Hauswalde -, hatte nichts mit dem Virus zu tun. Das war schon vorher geplant und 2019 angekündigt worden. Die Kreissparkasse Bautzen hatte sich in den vergangenen Jahren bereits von mehreren kleinen  Filialen getrennt, unter anderem in Baruth, Doberschau, Hochkirch und Wehrsdorf. 

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