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Im Kreis Bautzen fehlen Rettungsschwimmer

Manche Freibäder finden keine Rettungsschwimmer als Unterstützung für die Badeaufsicht. Woran das liegt und wie sich das auswirkt.

Von David Berndt
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Keine Rettungsschwimmer in Sicht? Im Kreis Bautzen gibt es nicht genug ausgebildete Rettungsschwimmer, deshalb hat mancher Freibad-Betreiber ein Problem.
Keine Rettungsschwimmer in Sicht? Im Kreis Bautzen gibt es nicht genug ausgebildete Rettungsschwimmer, deshalb hat mancher Freibad-Betreiber ein Problem. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Bautzen. Spätestens wenn es wieder so heiß wird wie am vergangenen Wochenende, werden die Menschen im Landkreis Bautzen erneut die Freibäder entern. Allein im Burkauer Freibad seien es jetzt 1.300 bis 1.600 Badegäste gewesen, sagt Schwimmmeister Ingolf Anders.

Normalerweise werden er und sein Kollege ab 1.000 Besuchern durch Rettungsschwimmer unterstützt, doch dieses Jahr sei das schwieriger als bisher. „Am Wochenende haben wir keinen Rettungsschwimmer bekommen.“

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Zwar sei sicheres Baden in Burkau wegen des guten Überblicks auch mit zwei Mitarbeitern möglich, aber ein bis zwei Rettungsschwimmer mehr würden die Lage noch deutlich verbessern. „Bei Temperaturen über 30 Grad haben wir auch Menschen mit Kreislaufproblemen“, beschreibt der Schwimmmeister, dass es noch mehr zu tun gibt, als die Badenden in den Wasserbecken im Auge zu behalten.

Weniger Kurse wegen der Corona-Einschränkungen

Dass die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hier und in anderen Fällen nicht helfen kann, sei kein böser Wille, sagt Robert Hänsel. Er ist DLRG-Vorstandsvorsitzender des Bezirks Bautzen. Dass an einigen Orten Rettungsschwimmer fehlen, habe mehrere Gründe.

So war es der DLRG wegen der Corona-Beschränkungen zeitweise nicht gestattet, ihre Kurse in den Schwimmhallen durchzuführen, da dies als Vereinssport zählt. Pro Kurs werden 30 Teilnehmer zu Rettungsschwimmern ausgebildet. Allerdings konnten seit Beginn der Corona-Pandemie zwei von vier Kursen nicht stattfinden. Die Nachfrage sei aber deutlich größer, vor allem da viele Teilnehmer den Rettungsschwimmer für ihren Beruf bräuchten.

Dazu komme, dass jeder Rettungsschwimmer seine Prüfung alle zwei Jahre wiederholen muss. Coronabedingt gab es zwar einen Aufschub für alle, die 2020 und 2021 an der Reihe gewesen wären, aber 2022 muss die Prüfung absolviert werden. Anfang des Jahres betraf das noch 240 Menschen. „Mittlerweile haben es 80 bis 100 geschafft“, sagt Robert Hänsel. Ab August gehe es weiter.

Viele Rettungsschwimmer sind an Ost- und Nordsee

Viele Rettungsschwimmer seien im Sommer aber auch einfach nicht vor Ort. Die DLRG besitzt für viele Strände an Ost- und Nordsee Wachaufträge. Und jedes Jahr sind auch Mitglieder aus dem Bezirk Bautzen dort im Einsatz, sie würden ihre Saison meist frühzeitig planen. „Gerade junge Schwimmer gehen oft als ganzer Zug aus zehn bis elf Mitgliedern an die Küsten“, sagt Robert Hänsel. Er selbst ist da keine Ausnahme.

Andere Rettungsschwimmer suchen sich möglichst wohnortnahe Freibäder als Einsatzorte aus. Hänsel appelliert an die Freibäder, ihren Bedarf bereits zum Ende einer Saison für die nächste anzumelden. „Wir haben eine Auswahl an Rettungsschwimmern, die spontan angefragt werden können, aber da gibt es keine Garantie.“

Kürzere Öffnungszeiten im Massenei-Bad Großröhrsdorf

Die Stadt Großröhrsdorf sucht für das Massenei-Bad bislang vergeblich. Im Stadtrat Ende Mai wurde mitgeteilt, dass deshalb die Öffnungszeiten um je eine Stunde morgens und abends gekürzt werden. Das Massenei-Bad hat jetzt bei schönem Wetter von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Stadtsprecherin Anja Kurze erklärt auf Anfrage, dass es im Massenei-Bad drei Fachangestellte für Bäderbetriebe geben sollte. Allerdings sei eine Kollegin in Elternzeit und die Stelle deshalb nicht besetzt. In den vergangenen Jahren habe die Unterstützung durch die Wasserwacht gut funktioniert, aber das sei diesmal schwieriger. „Im Moment können wir den Badbetrieb noch absichern, aber es wäre gut, wenn wir das auf mehrere Schultern verteilen könnten.“

Man bewege sich an der Grenze. „Eventuell wird es weitere Einschränkungen bei den Öffnungszeiten oder eine Besuchergrenze geben, wenn es heiß und dementsprechend voll werden sollte. Die Sicherheit der Badegäste geht vor.“

Bautzener Spreebad war zeitweise geschlossen

Das Bautzener Spreebad musste zuletzt für mehrere Tage schließen, weil drei Mitarbeiter krank waren. Da diese auch im Bautzener Hallenbad tätig sind und es dort vertragliche Bindungen unter anderem fürs Schulschwimmen gibt, sei die Schließung des Freibades an der Spree unumgänglich gewesen, hatte die Beteiligungs- und Betriebsgesellschaft Bautzen (BBB), die die Bäder betreibt, mitgeteilt. Zwei von drei Stellen sind derzeit unbesetzt. Das ändert sich laut BBB allerdings zum Juli, wenn die jetzigen Azubis ihre Ausbildung zu Fachangestellten für Bäderbetriebe abschließen und übernommen werden.

Einige Freibäder kommen aber meist auch ohne zusätzliche Rettungsschwimmer aus, wie eine Umfrage von Sächsische.de zeigt. Das Freibad in Bischofswerda etwa wird mit den Angestellten abgesichert. Zu bestimmten Veranstaltungen wie dem Sport- und Gesundheitstag im Juli werden zusätzliche Mitarbeiter aus der Verwaltung engagiert, die Rettungsschwimmer sind, oder ein Sportverein um Unterstützung gebeten.

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Ähnlich ist die Situation im Wilthener Stadtbad und dem Walkmühlenbad in Pulsnitz. Dort arbeiten zwei Fachangestellte für Bäderbetriebe und ein Rettungsschwimmer. Damit sind alle drei Stellen besetzt. Im Freibad Cunewalde arbeiten drei Fachangestellte für Bäderbetriebe. Teil der dreijährigen Ausbildung ist auch die Prüfung zum Rettungsschwimmer. Damit sei der Betrieb des Bades gewährleistet. Externe Rettungsschwimmer helfen hier so gut wie nie aus.

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