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Bautzen

Bautzens Spree ist ausgezeichnet

Nach dem Hochwasser vor neun Jahren ist der Fluss in der Stadt für 1,8 Millionen Euro renaturiert worden. Dafür gab es jetzt einen besonderen Preis.

Birgit Holfeld hat bei der Landestalsperrenverwaltung den Umbau der Spree in Bautzen geleitet. Für das Projekt gab’s jetzt einen Preis.
Birgit Holfeld hat bei der Landestalsperrenverwaltung den Umbau der Spree in Bautzen geleitet. Für das Projekt gab’s jetzt einen Preis. © Steffen Unger

Bautzen. Idylle mitten in der Stadt. Nur wenige Schritte abseits des Zentrums hat Bautzen mit der Spree ein kleines Naturparadies zu bieten. Der einst im Zuge der Bebauung und Industrialisierung immer stärker eingezwängte Fluss hat in den vergangenen Jahren wieder mehr Raum bekommen. Das hat mehrere Vorteile – und jetzt bundesweit Anerkennung bekommen.

Für den naturnahen Umbau der Spree wurde die Landestalsperrenverwaltung (LTV) Sachsen mit dem Gewässerentwicklungspreis ausgezeichnet. Am Mittwoch wurde dazu im neuen Spreepark am Spreebogen in Bautzen ein Findling mit einer Plakette enthüllt. Daneben informiert eine Tafel über das Projekt, in das 1,8 Millionen Euro geflossen sind. In drei Teilabschnitten wurden seit 2012 insgesamt 1,5 Kilometer Flussabschnitt neu gestaltet. Auf 770 Metern verschwanden alte Ufermauern, an ihre Stelle kamen begrünte Böschungen. Im Bereich des Spreebogens zwischen Spreegasse und Frankfurt wurden drei alte Wehre abgerissen. Das dient nicht nur dem Hochwasserschutz, sondern macht die Spree an diesen Stellen auch für Fische passierbar. Im Gewässer wurden Stromschnellen und beruhigte Bereiche angelegt, Fische können nun in Kiesbänken laichen.

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Das größte Projekt, das zugleich das Stadtbild von Bautzen am deutlichsten verändert hat, war der Abriss der alten Tuchfabrik. Das mehrstöckige Gebäude unterhalb der Alten Wasserkunst engte die Spree sehr stark ein. Mit dem Abriss, bei dem 7 500 Tonnen Bauschutt anfielen, wurden dem Fluss 1 200 Quadratmeter Fläche zurückgegeben. Somit kann an dieser Stelle das Wasser besser abfließen, die Hochwassergefahr wurde deutlich reduziert. Schöner Nebeneffekt: An der Stelle entstand mit Sitzgruppen und einer Treppe zum Wasser ein einladender Platz zum Verweilen.

Hochwasser hat viele Schäden hinterlassen

Auslöser für all die Arbeiten war das Hochwasser im Jahr 2010. In der Spitze seien damals 260 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durchgerauscht, erinnert Betriebsleiter Sebastian Fritze an die Naturgewalt, die viele Schäden hinterlassen hatte. Kreative Ideen seien gefragt gewesen, um einerseits Schäden zu beseitigen, andererseits den Hochwasserschutz auf ein neues Niveau zu bringen und den Fluss eben auch naturnaher zu gestalten, so LTV-Geschäftsführer Heinz Gräfe. „Das ist hier gut gelungen“, zeigt sich der Chef des sächsischen Staatsbetriebs zufrieden. Dass hier quasi mehrere Fliegen mit einer Klappe – vom Hochwasser- bis hin zum Denkmalschutz – geschlagen wurden, lobt auch die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, die den Gewässerentwicklungspreis seit 2007 aller drei Jahre vergibt. Bisher ging er unter anderem nach München und Dortmund und einmal schon an die LTV nach Sachsen für ein Projekt in Schwarzenberg.

Abriss und Rückbau habe ja oft den negativen Beigeschmack des Schrumpfens, so Landkreis-Beigeordnete Birgit Weber. Aber hier hätten Abriss und Rückbau geholfen, ein Gewässer schrittweise zum Besseren zu entwickeln. Solch ein gelungenes Beispiel könne Menschen von der Notwendigkeit überzeugen, Gewässer naturnaher gestalten. „Nur mit Anordnungen werden wir das nicht erreichen.“ – Allzu lange auf den Lorbeeren ausruhen werden sich die Wasserbauer jedoch nicht. Denn an der Spree in Bautzen warten noch weitere Aufgaben. So läuft laut Fritze bereits die Planung für den Abriss von zwei weiteren Wehren, unter anderem das am Lindenberg.