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Bayerische Presse will türkischen Medien helfen

Noch immer wird um die Presseplätze beim NSU-Prozess gestritten. Eine Klage könnte den Prozessbeginn verschieben.

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München. Angesichts der harten Haltung des Gerichts bei der Vergabe der Presseplätze im NSU-Prozess haben sich nun mehrere Medien aktiv in die Suche nach einer Lösung eingeschaltet. Sie wollen jetzt in Eigenregie türkischen Journalisten zu einem Platz im Gerichtssaal verhelfen. „Augsburger Allgemeine“, „Main-Post“, „Nordbayerischer Kurier“ und „Radio Arabella“ schließen sich zu einem Pool zusammen und lassen drei ihrer vier Plätze frei — in der Hoffnung, dass türkische Journalisten davon profitieren.

In einem Rundschreiben appellierte die Landtagspresse an alle zugelassenen Journalisten, die keinen reservierten Platz haben und sich in die Warteschlange um freiwerdende Plätze einreihen, drei türkische Kollegen vorzulassen. Nach der Regelung des Oberlandesgerichts gehen freiwerdende Presseplätze „an weitere wartende akkreditierte Medienvertreter in der Reihenfolge ihrer Ankunft vor dem Sitzungssaal“.

Zugleich gibt es Medienberichte über zusätzliche Plätze im Gerichtssaal. Nach Angaben der „Stuttgarter Zeitung“ teilte die Ombudsfrau der Bundesregierung für Angehörige der Neonazi-Opfer, Barbara John, dem Gericht mit, dass nun 15 der 71 Nebenkläger nicht zum Prozessauftakt am 17. April kommen. Das Gericht habe nun die Möglichkeit, die Plätze türkischen Prozessbeobachtern zuzusprechen.

„Wenn absehbar ist, dass Plätze frei bleiben, weil Nebenkläger gegenüber dem Senat verbindlich erklären, dass sie nicht kommen werden, dann wird der Senat überlegen, wie die dann eventuell freien Plätze belegt werden können“, sagte Gerichtssprecherin Margarete Nötzel.

Die türkische Zeitung „Sabah“ will unterdessen gegen die Vergabe der Plätze klagen. Auch die Zeitung „Hürriyet“ denkt über einen solchen Schritt nach. Die Klage könne den Prozessbeginn verzögern. Der frühere Bundesverfassungsrichter Winfried Hassemer hält eine Video-Übertragung des Prozesses in einen zweiten Saal weiterhin für die gangbarste Lösung des Konflikts. (dpa)