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Die Bayern nehmen Barcelona auseinander

So spielen Champions-League-Sieger. Die Münchner lassen den Katalanen keine Chance. Im Halbfinale könnten sie auf einen alten Bekannten treffen.

Der Mann des Abends: Thomas Müller (Mitte rechts) ist zweifacher Torschütze und nach seinem 113. Einsatz alleiniger deutscher Champions-League-Rekordspieler.
Der Mann des Abends: Thomas Müller (Mitte rechts) ist zweifacher Torschütze und nach seinem 113. Einsatz alleiniger deutscher Champions-League-Rekordspieler. © dpa/Manu Fernandez

Von Klaus Bergmann und Jan Mies

Lissabon. Das war Triple-reif! Angeführt von Rekordspieler Thomas Müller hat der FC Bayern in einem irren Torfestival den ruhmreichen FC Barcelona überrollt und sich beim Finalturnier der Champions League endgültig in die Favoritenrolle katapultiert. Beim sagenhaften 8:2 (4:1) im Viertelfinale gegen die Katalanen mit einem entzauberten Weltfußballer Lionel Messi spielten die Münchner am Freitagabend besonders in der ersten halben Stunde so auf, dass Erinnerungen an das 7:1 der Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Brasilien bei der Weltmeisterschaft 2014 aufkamen.

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Bayern-Coach Hansi Flick war damals der Assistent von Bundestrainer Joachim Löw. Jetzt steht er in Lissabon vor seiner Triple-Krönung. Thomas Müller (4. und 31. Minute), Ivan Perisic (22.) und Serge Gnabry (28.) überwanden Nationaltorhüter Marc-André ter Stegen im Barca-Tor im ersten Spieldrittel beinahe nach Belieben. Joshua Kimmich (63.), Robert Lewandowski (82.) mit seinem 14. Königsklassen-Tor in dieser Saison und Barca-Leihgabe Philippe Coutinho (85. und 89.) legten in der zweiten Hälfte nach.

"Es ist schwierig so kurz nach dem Spiel, aber wir sind natürlich sehr euphorisch. So richtig klar wird einem das erst in den nächsten Tagen", sagte Leon Goretzka. "Wir haben sehr gut ins Spiel gefunden. Das 1:1 war ein kleiner Dämpfer. Aber dann die Moral zu zeigen und sich nicht beirren zu lassen", sei das Erfolgsrezept gewesen. "Das Selbstvertrauen ist da, keine Frage. Das wird auch nicht weniger. Aber das war erst ein Schritt von dreien."

Für Barcelona, das eine Rekordniederlage im Europapokal kassierte, trafen Münchens Abwehrchef David Alaba, der in der 7. Minute ein Eigentor zum 1:1 fabrizierte, und Luis Suárez (57.). In ihrem zwölften Königsklassen-Halbfinale treffen die Bayern am Mittwochabend auf Manchester City mit ihrem ehemaligen Coach Pep Guardiola oder Olympique Lyon. Ein deutsches Finale am 23. August gegen RB Leipzig, das am Dienstagabend gegen Paris Saint-Germain spielt, ist in Portugal nicht mehr illusorisch.

Die Bayern waren nach einem Kurztrainingslager an der Algarve mit gigantischem Selbstbewusstsein angereist. Doch der Rekordmeister musste eine dramatische Anfangsphase überstehen. Vom üblichen Taktieren in einem K.-o.-Spiel war im fast menschenleeren Estádio da Luz nichts zu sehen. Müller erzielte in seinem 113. Einsatz, der ihn zum neuen deutschen Rekordspieler der Königsklasse machte, nach schönem Doppelpass mit Lewandowski die frühe Führung. Anschließend kam erst mal Barcelona.

Marc-André ter Stegen erlebt einen bitteren Abend

Über die linke Seite zwang Jordi Alba mit einer Flanke Alaba zu dessen verunglückter Rettungstat ins eigene Tor vor dem einschussbereiten Suarez. Dessen nächsten Versuch parierte Nationaltorwart Manuel Neuer glänzend (9.). Anschließend prallte eine Messi-Hereingabe an den Pfosten (10.). Danach bekamen die Bayern die Partie vollends in den Griff. Messi wirkte dagegen mit zunehmender Spieldauer immer lustloser.

Kurz nach dem ersten, aber wirkungslosen Solo des Argentiniers (20.) eroberte Gnabry, der mit seiner Schnelligkeit und Aggressivität immer wieder für Gefahr sorgte, den Ball und leitete auf Perisic weiter. Der Kroate, schon im Achtelfinale gegen den FC Chelsea Torschütze, entschied sich statt für die Hereingabe für einen starken Schuss, den ter Stegen nicht entscheidend ablenken konnte.

Der 28-Jährige, der im Privatduell mit Neuer um das deutsche Tor eigentlich Punkte sammeln wollte, erlebte bittere Minuten. Erst Gnabry mit seinem siebenten Königsklassen-Tor der Saison nach einem Lupfer des sehr präsenten Goretzka und dann erneut Rekordmann Müller, der 2013 im Halbfinale auf dem Weg zum Triple dreimal gegen Barcelona getroffen hatte, sorgten für den Pausenstand. "Was für eine erste Halbzeit", twitterte Bayern-Neuzugang Leroy Sané, der in Portugal nicht mitspielen darf.

Die Katalanen, bei denen der französische Weltmeister Antoine Griezmann erst zur zweiten Hälfte eingewechselt wurde, hatten immer wieder Probleme mit der Wucht der Münchner, die ihr Tempo zwischenzeitlich drosseln konnten. Messi, häufig vom jungen Alphonso Davies wachsam verfolgt, probierte zwar immer wieder, sich in die eigene Hälfte fallen zu lassen, um den Ball vor das Bayern-Tor zu bringen, aber es half nichts.

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In der Phase, in der sich das Spiel zu beruhigen schien, traf zwar Suarez. Dann aber startete Davies zum Weltklasse-Dribbling auf der linken Seite bis in den Strafraum und passte perfekt auf Kimmich zum fünften Bayern-Tor. Barcelona zeigte Auflösungserscheinungen. Es wurde eine Demontage. (dpa)

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