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Bayern verlieren höher als Dynamo

Das Münchner 2:5 beim 1. FC Nürnberg ist ein weiteres Warnsignal vor dem brisanten Duell mit Klinsmanns Hertha. Der Trainer hat es kommen sehen.

Der Nürnberger Trainer Jens Keller gestikuliert am Spielfeldrand, während auf der Anzeigetafel das zwischenzeitliche 5:1 gegen die Bayern zu sehen ist.
Der Nürnberger Trainer Jens Keller gestikuliert am Spielfeldrand, während auf der Anzeigetafel das zwischenzeitliche 5:1 gegen die Bayern zu sehen ist. © dpa/Daniel Karmann

Nürnberg. 2:5! In Nürnberg! Gegen den Drittletzten der 2. Liga! Die SG Dynamo Dresden hatte am 20. Dezember dort mit 0:2 verloren. Ein solches Testspiel-Ergebnis bringt einen Trainer des FC Bayern eine Woche vor dem Ernstfall in der Fußball-Bundesliga unter normalen Umständen in Erklärungsnot. Hansi Flick aber hatte gute Gründe für die verpatzte Generalprobe parat, und den Notruf zum aktuell alarmierenden Rumpfkader des deutschen Rekordmeisters hatte er schon Tage zuvor während des Trainingslagers in Katar abgesetzt.

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Im Max-Morlock-Stadion folgte im Grunde nur die Bestätigung. Als Flick nach einer schon mäßigen ersten Hälfte der aktuellen A-Elf komplett wechselte, ging der Nachwuchs gegen motivierte Nürnberger hilflos unter. "Das Spiel hatte andere Vorzeichen", sagte Flick. "Aber klar: Mit dem Ergebnis kann ich nicht zufrieden sein."

Neu-Vorstand Oliver Kahn räumte mit Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge vorzeitig den Tribünenplatz. Flick stellte in den Katakomben eher fatalistisch fest: "Wichtig war für mich, dass sich kein Spieler verletzt hat." Besser gesagt, kein weiterer.

"Es gibt keinen Grund, jetzt in Hektik zu verfallen", mahnte der Coach trotz allem. "Wir haben eventuell zwei, drei Wochen, die wir überstehen müssen, bis der nächste Spieler wieder da ist." Das kraftraubende Trainingslager, der lange Flug am Vortag, die große Rotation zur Pause - für die verpatzte Generalprobe gab es Gründe.

"Es war noch unrund", sagte Nationalspieler Joshua Kimmich zur ersten Hälfte, in der es mit einer namhaften Formation auch nur zu einem 1:1 reichte. Alphonso Davies glich das Nürnberger 1:0 von Michael Frey aus. Defensiv traten wieder die bekannten Münchner Probleme auf. Besonders Jerome Boateng geriet bei dem von Flick gewünschten hohen Verteidigen aufgrund von Tempodefiziten wieder mal in Schwierigkeiten.

Neue Spieler sind nicht in Sicht

Die Bayern wagen ein gefährliches Spiel zum Start der Titel- und Leipzig-Jagd 2020. In der Abwehr fallen Süle, Hernandez und Martinez verletzt aus. Auf den offensiven Flügeln fehlen Coman und Gnabry. Dazu ist Kimmich in Berlin gesperrt. Flick will darum wegen Transfers noch mal bei Sportdirektor Hasan Salihamidzic vorstellig werden. "Gemeinsam analysieren Hasan und ich, was machbar ist und was nicht", kündigte er an. Neue Spieler sind aber nicht in Sicht.

Der Wintertransfermarkt ist schwierig. Flick fordert. Salihamidzic bremst als Vereinsvertreter. Die Meinungsverschiedenheit der beiden aus dem Trainingslager sieht Letzterer aber immerhin als beendet an. "Das Thema ist für mich durch. Und für Hansi meinem Eindruck nach auch", sagte Salihamidzic. Die Zeit zur personellen Nachbesserung verrinnt. "Der Transfermarkt ist im Winter dünn", bekräftigte Salihamidzic erneut. Die sportlichen Ziele sieht der 43-Jährige nicht in Gefahr.

Diese Einschätzung kommt beim knackigen Liga-Programm gegen Hertha (A), Schalke (H), Mainz (A) und Spitzenreiter RB Leipzig (H) sofort auf den Prüfstand. Nicht nur Flick spricht die lauernden Gefahren an. "Wenn du wirklich bis zum Ende auf drei Hochzeiten tanzen möchtest, dann sind wir auf mehr fitte Spieler angewiesen. Fakt ist, dass wir momentan dünn besetzt sind", sagte Kimmich.

Flick bleibt - auch wegen der berechtigten Hoffnung auf die pünktliche Rückkehr von Torjäger Robert Lewandowski in Berlin - ein "Optimist" mit Blick auf das brisante Duell mit Jürgen Klinsmanns Herthanern. "Wir haben eine gute Mannschaft, auch wenn es aktuell weniger Spieler sind. Wir haben immer noch enorme Qualität, um in Berlin gewinnen zu können." Bundesliga sei am Ende doch etwas anderes als ein Testspiel nach einem strapaziösen Trainingslager, hofft auch Kimmich: "Vielleicht ist man mental schon nochmal anders da, wenn man weiß, es geht um Punkte. Das war nur ein Freundschaftsspiel." (dpa)