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Bedarf groß – Bereitschaft gering?

Nach einer Aktionswoche zur ambulanten Pflege soll sich nun der Kreistag dem Thema widmen. Die Gemeinde Ebersbach machte eine ernüchternde Erfahrung.

© Klaus-Dieter Brühl/Archiv

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Rödern/Landkreis. Im April hatte die Linkspartei im Landkreis eine Aktionswoche zur ambulanten Pflege veranstaltet. Auch in Großenhain gab es einen Infostand. „Das war eine lehrreiche Woche mit vielfältigen Eindrücken“, bilanziert Kreisrätin Bärbel Heym. Viele Ältere hätten „große Ängste“ geäußert, pflegebedürftig zu werden. In manchen ländlichen Gegenden mangelt es an Infrastruktur. „Das hängt auch damit zusammen, dass die Pflege nicht zur Gesundheitsvorsorge dazugerechnet wird“, so Bärbel Heym. Deshalb habe man Lob gehört, das Thema anzupacken.

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Die Linkspartei hat nun einen Beschlussantrag an den Landrat geschickt. Nach der Pflegekonferenz im September soll sich der Kreistag mal speziell dem Thema widmen. Bärbel Heym: „Es geht um eine genaue Analyse der demografischen Entwicklung und eine Prüfung der nötigen Infrastruktur, vor allem auf dem Lande.“ Außerdem solle der Fokus auf kleinteilige Strukturen gelegt werden, wie die Große Emma in Zabeltitz, wo es eine Diakonie-Beratung gibt. Die Kommunen müssten das in die Hand nehmen und die Sparkasse müsste finanziell unter die Arme greifen. So könnten die Pflegekassen eine territoriale Neustrukturierung steuern.

Parteiübergreifend gäbe es laut den Linken im Landkreis einen Konsens, „dass etwas passieren muss“, so Bärbel Heym. Zwar werde der Pflegebedarf auch jetzt schon im Kreis geprüft, doch die Analyse konzentriere sich vor allem auf die Städte. Im dritten Quartal will die Linke ihre nächste Aktionswoche zur Armut veranstalten. Auch das stehe mit Pflegeleistungen in Verbindung.

Eine ernüchternde Erfahrung musste man allerdings jetzt in der Gemeinde Ebersbach dazu machen. Dort bemüht man sich auch bereits seit Jahren, das Angebot für ältere Menschen, die Pflege brauchen, zu verbessern. Bürgermeister Falk Hentschel, der selbst Sozialrecht studierte, initiierte nun mit dem AWO-Pflegeheim Rödern einen Informationsabend dazu. Es sollte um Pflegekurse für Angehörige und um einen Kurs zur Nachbarschaftshilfe gehen. „Das sind Möglichkeiten zur Inanspruchnahme des Entlastungsbeitrages, der jedem Bürger mit Pflegegrad zusteht“, informierte Falk Hentschel im Amtsblatt. Der Infoabend fand im Heim Rödern statt.

„Doch es waren leider nur sehr wenige Leute da“, beklagt Bürgermeister Hentschel. Und das, obwohl die absolute Zahl der pflegebedürftigen, insbesondere älteren, Menschen steigt. Pflegekurse für Angehörige werden von der Pflegekasse finanziert. Bei der Nachbarschaftshilfe gibt es laut Hentschel sogar einen Obolus von bis zu zehn Euro pro Stunde. „Ich sehe die Entschädigung ehrenamtlicher Nachbarschafts-Helfer als eine gelungene Maßnahme an, um dem guten Miteinander bei uns im ländlichen Raum eine neue Form der Anerkennung zu verleihen“, meint Hentschel.

Wer als Helfer Pflegebedürftiger tätig werden will, sollte so einen sechsstündigen Kurs besuchen, ohne dass er eine Prüfung ablegen muss. Auch wenn die Bereitschaft bei der Infoveranstaltung gering war, kommt Ende Juni im Heim in Rödern ein solcher Kurs zustande. Interessenten melden sich bitte unter Telefon 03520 839890.