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Behörden schließen drei Kölner Apotheken

Eine schwangere Frau nimmt eine vergiftete Glukose-Mischung zu sich und stirbt - ebenso wie ihr Neugeborenes. Nun müssen drei Apotheken schließen.

Die Heilig-Geist Apotheke in Köln-Longerich. Bei der Untersuchung zweier Todesfälle, die auf ein Glukosemittel aus der Heilig-Geist Apotheke zurückgehen sollen, sind die Ermittler auf einen toxischen Stoff gestoßen.
Die Heilig-Geist Apotheke in Köln-Longerich. Bei der Untersuchung zweier Todesfälle, die auf ein Glukosemittel aus der Heilig-Geist Apotheke zurückgehen sollen, sind die Ermittler auf einen toxischen Stoff gestoßen. © Marcel Kusch/dpa

Köln. Nach zwei Todesfällen durch eine vergiftete Arznei haben die Behörden die sofortige Schließung von drei Apotheken in Köln angeordnet. Es gehe um den vorbeugenden Gesundheitsschutz während der laufenden Ermittlungen, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Gesundheitsministeriums am Donnerstag. Der Tod einer Mutter und ihres Babys war am Montag öffentlich geworden.

"Da eine Gefährdung weiterer Kunden durch von der Apotheke abgegebene Arzneimittel nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, ist die vorübergehende Schließung des gesamten Apothekenbetriebs erforderlich", teilte die Kölner Bezirksregierung mit.

Es handelt sich um die Apotheke, aus der die vergiftete Arznei stammte, sowie um zwei weitere Filialen desselben Verbundes. Am Morgen war jedoch mindestens eine der Apotheken noch geöffnet, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Die Schließung sei nicht durch die Staatsanwaltschaft veranlasst worden, sagte Staatsanwältin Natalie Traut am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren gegen unbekannt eingeleitet; eine Mordkommission ermittelt in alle Richtungen. "Wir prüfen weiterhin alles von Fahrlässigkeit bis Vorsatz", sagte Traut.

Dass man die Schließung erst am Donnerstag veranlasst habe, sei nicht durch einen neuen Sachstand begründet, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums der dpa. "Wir mussten uns den Sachverhalt erst einmal anschauen und prüfen, was juristisch möglich und geboten ist."

Nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien soll es sich bei dem giftigen Stoff um ein Betäubungsmittel handeln. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Stadt Köln wollten das allerdings zunächst nicht kommentieren.

Polizei und Stadt hatten ausdrücklich davor gewarnt, Glukose-Präparate aus der betroffenen Apotheke einzunehmen. Diese sollten stattdessen bei der Polizei abgegeben werden - was am Dienstag auch passierte. Eine Frau, die von ihrer Frauenarztpraxis informiert worden sei, habe ein Glukose-Präparat aus der Apotheke bei der Polizei abgegeben, bestätigte die Staatsanwaltschaft. Zuvor hatte darüber der Kölner "Express" berichtet. Das Präparat wird nun von der Rechtsmedizin untersucht. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) wollte sich am Donnerstagmittag zu den Vorfällen äußern.

Obduktionen hatten ergeben, dass die Mutter und ihr Baby an multiplem Organversagen starben, wie die Staatsanwaltschaft mitgeteilt hatte. Die 28-jährige Kölnerin war in der vergangenen Woche nach Angaben der Polizei gestorben, nachdem sie eine Glukose-Mischung aus der Kölner Apotheke zu sich genommen hatte. Das Präparat sei Teil eines Routinetests auf Diabetes in der Schwangerschaft gewesen. Das Baby, das man noch durch einen Kaiserschnitt zu retten versuchte, kam nach der Geburt ums Leben. (dpa)