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Behördengänge auf der Couch

Ob das Auto abgemeldet oder ein Leichenpass beantragt wird – der Bürgeraccount spart viele Wege zum Amt.

© Sven Ellger

Von Kay Haufe

Frisch gebackene Eltern kämpfen nicht nur mit schlaflosen Nächten, ihnen stehen nach der Geburt des Kindes auch viele Ämtergänge bevor. Das beginnt mit der Geburtsurkunde, geht weiter über die Beantragung von Eltern-, Landeserziehungs- und Kindergeld, und reicht im Einzelfall bis hin zur Festlegung der Vaterschaft, der Klärung des Sorgerechts und des Unterhaltsanspruches. Während die Eltern für einen Teil dieser Leistungen persönlich vorsprechen müssen, können sie andere digital beantragen. „Doch leider wissen das offenbar nur wenige Dresdner, denn das digitale Angebot der Stadt wird noch nicht besonders gut genutzt“, sagt Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD). Jährlich werden nur 31 000 Leistungen online beantragt, ein Bruchteil der Gesamtzahl. Dabei ist Dresdens Angebot im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten vorbildlich.

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Fensterwechsel ohne Schmutz und Stress
Fensterwechsel ohne Schmutz und Stress

Fenster oder Türen handwerklich hoch professionell austauschen, ohne dass das Haus zur Baustelle wird? Ja, das geht. Und zwar so:

Der Service: Vom Kitaplatz bis zum Bewohnerparkausweis

Dinge, die für das tägliche Leben eine große Rolle spielen, erledigen inzwischen viele schon online. Denn statt im Amt eine Nummer zu ziehen und darauf zu warten, aufgerufen zu werden, geht das bequem von der heimischen Couch aus. Besonders nachgefragt sind nach Angaben der Stadtverwaltung Anträge auf Erteilung eines Wohnberechtigungsscheines, für die eKita, auf die Erstattung der Schülerbeförderungskosten oder auch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe. Beliebt sind auch Anträge auf einen Bewohnerparkausweis, eine Online-Petition, die Sperrmüll-Abholung oder die An- und Abmeldung der Hundesteuer. Selbst die Todesbescheinigung wird inzwischen oft vom Computer aus beantragt. Die Online-Terminvergabe für Bürgerbüros wurde bisher schon 24 000-mal genutzt.

Die Außergewöhnlichen: Anträge auf Namensänderung

Die Online-Palette enthält noch viele weitere Leistungen. Darunter auch sehr ungewöhnliche. Wer mit seinem Vor- oder Nachnamen hadert, muss das nicht mit einem städtischen Bearbeiter diskutieren, sondern stellt einfach einen Antrag auf Änderung des Namens. Auch an Vogelliebhaber wurde gedacht. Sie können einen Antrag auf Handel, Zucht und das Halten von Papageien und Sittichen vom heimischen Computer losschicken. Ganz anderes Thema: Auch der Gartenbrunnen kann hier angezeigt werden.

Die Umfragen: Bürger können digital mitentscheiden

Doch nicht allein Anträge auf Dienstleistungen vieler Art sind online erhältlich, mithilfe des städtischen Bürgeraccounts können die Dresdner auch ihre Meinung kundtun. So gibt es eine Umfrage zu Mehrwegbechern oder den Wettbewerb zur schönsten Kleingartenanlage Dresdens.

Die Hürde: Nutzung des Bürgeraccounts ist kompliziert

Der Fairness halber ist zu sagen, dass die Registrierung beim Bürgeraccount relativ kompliziert ist. Zur Anmeldung mit eID-Funktion wird ein neuer Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion sowie ein geeignetes Kartenlesegerät und die AusweisApp benötigt. Das haben die wenigsten zu Hause. So ist zumindest ein Gang ins Bürgerbüro nötig, um sich dort auszuweisen und anmelden zu können. Daher ist es einigermaßen nachvollziehbar, dass seit 2015 nur 5 000 Anträge über den Bürgeraccount eingereicht wurden.

Ein weiteres Digital-Angebot der Stadt ist die BürgerApp für das Smartphone, die es seit letztem Jahr gibt. Auch darüber sind ePetitionen einreichbar und können Termine in Bürgerbüros vereinbart werden. Darüber hinaus können Bürger damit verschmutzte Straßen, Containerstellplätze und Grundstücke sowie überfüllte Papierkörbe anzeigen. Für Straßenkünstler ist damit gewünschter Standort und die Spielzeit auswählbar. Neben einem Stadtplan hat die App auch eine besondere Dienstleistung: einen WC-Finder.

Der Stadtplan: Geo-Informationen aus allen Bereich abrufbar

Unabhängig von Anträgen und Personaldienstleistungen bietet die Stadt bereits seit mehreren Jahren umfassende Geo-Informationen in ihrem Themenstadtplan an, die für jedermann abrufbar sind. Die Palette ist riesig und reicht von Höhenlinien über Denkmalschutzgebiete und einen Stadtplan für Menschen mit Behinderungen bis zu Grundwassermessstellen und der Verkehrsbelastung einzelner Straßen. Selbst die Abfuhrzeiten von Mülltonnen sind dort nach Adresseingabe nachzulesen, genau wie Lärmbelastungen.