Merken

Bei Anruf Abzocke

Die Polizei meldet auch in der Sächsischen Schweiz vermehrt Betrugsversuche am Telefon – und vermutet die Täter in der Türkei.

Teilen
Folgen
© dpa

Von Linda Barthel

Sebnitz/Neustadt. Ein neues Auto, fast geschenkt, von heute auf morgen. Klingt gut, oder? Aber irgendwie auch suspekt. Zumal eine Gebühr von 2 600 Euro fällig ist, bevor der schicke Wagen vor der Haustür steht. Eine 65-Jährige aus dem Bannewitzer Ortsteil Hänichen erhielt dieses Angebot kürzlich am Telefon, lehnte jedoch ab. Die richtige Entscheidung, denn laut der Polizei sind in Dresden und Umgebung wieder vermehrt Telefonbetrüger aktiv. Innerhalb weniger Tage wurden den Beamten zahlreiche Fälle gemeldet. Mitte Februar gab die Polizei dann eine Warnung heraus.

Den einen versprechen die Trickbetrüger das große Geld, bei den anderen wollen sie die altersbedingte Gutmütigkeit ausnutzen. Für die Polizei ist es schwierig, den Tätern auf die Spur zu kommen. „Mit derartigen Betrügereien haben wir es fortlaufend zu tun“, sagt Marko Laske von der Polizeidirektion Dresden. Die Trickbetrüger würden innerhalb von ein bis zwei Tagen versuchen, in einem bestimmten Gebiet so viele Leute wie möglich zu erreichen. Denn nach kurzer Zeit werden die Beamten auf die Anrufe aufmerksam und warnen davor. „Das Gebiet ist dann ,verbrannt’ und die Täter suchen sich das nächste. Deshalb kann man von einer Wellenbewegung sprechen“, sagt Laske. Zahlen, wie viele Anrufe pro Tag getätigt werden und wie viele davon erfolgreich sind, gebe es nicht. „Man kann aber sagen, dass es glücklicherweise kaum noch gravierende Schäden gibt“, so der Polizeisprecher. Er erinnere sich an Fälle, in denen Trickopfern unglaubliche Summen verloren gegangen sind.

Senioren als häufigste Opfer

Die Zielgruppe seien überwiegend Senioren. Die Telefonbetrüger setzen vor allem auf zwei Maschen: den Enkeltrick und das Gewinnversprechen. Bei Letzterem wird ein großer Gewinn gegen eine kleine Gebühr versprochen. Die Gebühr soll entweder über Internetbezahlscheine oder per Überweisung ins Ausland verrichtet werden. „Hier kann man nur darauf hinweisen, dass ein Geldgewinn in der Regel nicht mit Kosten verbunden ist“, sagt Marko Laske.

Beim Enkeltrick setzen die Trickbetrüger dagegen auf das gutmütige Herz ihrer Opfer. Sie beginnen das Gespräch mit: „Rate mal, wer dran ist?“ Sobald ein Name fällt, geben sie vor, derjenige zu sein. Ob Johannes, Michael oder Florian ist dabei egal. „Die Gesprächsführung ist wirklich sehr geschickt. Es wird zunächst immer ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und nach den finanziellen Möglichkeiten gefragt, bevor eine Notsituation angesprochen wird“, sagt Laske. Das könnte zum Beispiel ein kaputtes Auto sein, für dessen Reparatur dringend Geld benötigt wird oder ein geplanter Hauskauf.

Ein Bote soll das Geld abholen. Spätestens bei diesem Satz müssen die Alarmglocken klingeln. Doch auch die Frage „Rate mal, wer dran ist?“ und das Hinterfragen der Finanzen sollten stutzig machen. „Dazu darf man keine Informationen preisgeben und man sollte natürlich auch keiner fremden Person Geld in die Hand geben oder welches ins Ausland überweisen“, sagt Laske. Er rät jedem, der einen Betrüger am anderen Ende der Leitung vermutet, sofort aufzulegen und gegebenenfalls die Polizei zu informieren.

Auch Janine Hartmann von der Verbraucherzentrale Sachsen empfiehlt, sich im Zweifelsfall auf kein Gespräch einzulassen und sofort aufzulegen. „Wenn eine Nummer angezeigt wird, könnte man diese nebst Uhrzeit und Name oder Firma des Anrufers notieren und bei der Bundesnetzagentur melden“, sagt die Expertin. Entsprechende Formulare gibt es im Internet. Die Bundesnetzagentur kann Rufnummern gegebenenfalls abschalten sowie Ordnungsgelder verhängen.

Skeptisch sollten Angerufene laut Janine Hartmann zudem sein, wenn sie nach Adresse und Bankverbindung gefragt werden. „Manchmal liegen diese Daten dem Anrufer auch schon vor. In so einem Fall sollte man keinesfalls die Richtigkeit der Angaben bestätigen, sondern auflegen und seine Kontobewegungen beobachten.“

Für die Polizei sei es schwer, die Telefonbetrüger zu ermitteln. Vor allem an die Hintermänner lässt sich kaum herankommen, sagt Laske. „Wenn die Polizei vom Betrug erfährt, sind die Messen meist schon gesungen.“ In jedem Fall handle es sich um organisierte Taten. „Es gibt Hinweise, dass die Anrufe aus Call-Centern in der Türkei kommen. Es ist aber fraglich, ob diese alleine dort betrieben werden oder es vielleicht auch innerhalb des Landes Tätergruppen gibt“, sagt der Polizeisprecher.