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Bei der „Kamenzer“ geht‘s um die Wurst

Die Wurstspezialität ist seit Kurzem offiziell geschützt. Nur Fleischer aus Kamenz dürfen sie herstellen. Doch die Kollegen in Bautzen halten sich nicht daran.

Von Heiko Engel

Kamenzer Würste sollen nur noch aus Kamenz kommen. Das jedenfalls wollen Kamenzer Fleischer erreichen. Sie haben sich die Wurstspezialität deshalb schützen lassen. Doch andere Betriebe im Landkreis Bautzen kümmert das wenig, vor allem Großhersteller zeigen sich unbeeindruckt.

Karlheinz Schlenkrich, Geschäftsführer von Meister’s in Bautzen, glaubt nicht, dass die Rezeptur für Kamenzer patentierbar ist. Das Unternehmen gehört mit über 100Beschäftigten zu den größten Fleischverarbeitern in der Region. Aus Sicht von Schlenkrich könnte sein Unternehmen nur dann Schwierigkeiten bekommen, wenn das Würstchen als Spezialität einer klar umrissenen Region geschützt wäre. Schlenkrich nannte als Beispiel die Thüringer Bratwurst. Wer bei diesem Produkt nicht aufpasse, könne rechtlich Ärger bekommen. Bei der Kamenzer sieht er dies aber anders. „Wir ändern deshalb erst einmal gar nichts. Solange wir nicht gerichtlich belangt werden, produzieren wir weiter.“

Richtig ärgerlich wird ein Bautzener Fleischermeister, der anonym bleiben möchte. Er bezeichnet die Initiative seiner Kamenzer Kollegen als „völlig überflüssig“. Aus seiner Sicht sei es fragwürdig, das Produkt aus einer bestimmten Stadt schützen zu wollen. Nach seiner Auffassung ist die Kamenzer eine regionale Spezialität, weil Fleischergesellen aus Kamenz für die Verbreitung der Rezeptur in der gesamten Oberlausitz sorgten.

Ganz offen über seine Haltung spricht Michael Korch, Geschäftsführer von Radeberger Fleisch- und Wurstwaren. „Wir produzieren wie bisher nach original Kamenzer Rezeptur weiter.“ Wie Meister’s in Bautzen ist Korchs Unternehmen ein Großbetrieb. Der Wurstproduzent verarbeitet nach eigenen Angaben täglich 80Tonnen Fleisch. Aktuell arbeiten rund 250 Mitarbeiter am Standort Radeberg, weitere 200 sind in den Verkaufsfilialen beschäftigt. Korch sieht sich zwar nach einer rechtlichen Prüfung auf der sicheren Seite. Doch der Unternehmer würde auf einen Streit um die Wurst gerne verzichten. „Wir streben eine einvernehmliche Lösung an. Niemand will anderen das Wasser abgraben“, sagt Korch.

Ob sich ein Rechtsstreit vermeiden lässt, ist allerdings offen. Der Kamenzer Fleischerverein jedenfalls ist entschlossen, seine Ansprüche unbedingt durchzusetzen. Der Verein hat sich die „Kamenzer“ als „Wort- und Bildmarke“ eintragen lassen und leitet daraus den Anspruch ab, gegen andere Hersteller vorzugehen. „Wir haben einen Vertrag mit einem Rechtsanwalt abgeschlossen“, sagt Fleischermeister Rudolf Minkwitz.

Herstellung nur gegen Gebühr

Den Fleischern ist es also ernst, sie gaben bereits mehrere Tausend Euro für die Unterschutzstellung der Kamenzer aus. Noch haben Minkwitz und seine Mitstreiter keine Verfahren eingeleitet. Dem Verein fehle der endgültige Bescheid vom Patentamt. Er rechne in wenigen Wochen damit, so Minkwitz. „Dann reagieren wir.“ Gegen eine Gebühr von 1000Euro aufwärts könnten natürlich auch andere Fleischer Kamenzer herstellen.