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Bei Heliatek wird es eng

Bis zum Sommer 2019 soll die neue Anlage für Solarfolie in Dresden stehen. Noch fehlen die Mitarbeiter, die sie bedienen sollen.

© PR

Von Jana Mundus

Die Zukunft ist hauchdünn. Sie schimmert in Blau- oder Grüntönen. Nur einen Millimeter dick ist die organische Solarfolie, die die Dresdner Firma Heliatek herstellt. Und superleicht. Während herkömmliche Solarzellen aus Silizium hergestellt werden, besteht die transparente Folie aus Kohlenwasserstoffverbindungen. Schon bald sollen damit weltweit Fassaden von Gebäuden verkleidet werden. Hochhäuser werden so zu effizienten Energiesammlern. Die Nachfrage nach der Innovation aus Sachsen ist groß, doch bisher war einfach zu wenig da von der Folie. Nur 50 000 Quadratmeter pro Jahr kann Heliatek derzeit auf einer Pilotanlage im Firmensitz in Mickten produzieren, in gut einem Jahr sollen es eine Million sein. Derzeit wird dafür eine neue Produktionslinie aufgebaut. Doch noch fehlen die Mitarbeiter, die dort arbeiten sollen.

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Immer alles Schritt für Schritt. In den Augen von Heliatek-Chef Thibaud Le Séguillon ist genau das die richtige Strategie. Bereits 2006 wurde das Unternehmen gegründet, die Grundlagen dafür wurden an der TU Dresden gelegt. Vor sechs Jahren begann die Produktion. 30 Zentimeter breite Folien laufen durch die jetzige Anlage. „An ihr konnten wir in den vergangenen Jahren lernen, Probleme erkennen und Lösungen finden“, sagt er. Nun soll alles viel größer werden. 1,20 Meter breite Folien werden in Zukunft hergestellt. Von Rolle zu Rolle zieht es die riesigen PET-Bahnen dann durch den Maschinenkoloss. Die riesige Vakuumkammer, in der sie bedampft werden, steht schon. Für das Schwergewicht musste extra der Hallenboden verstärkt werden.

Für die nächste Ausbaustufe braucht Heliatek neue Mitarbeiter. Insgesamt 45 Stellen müssen besetzt werden, 120 Mitarbeiter gibt es bereits. Gesucht wird vom Ingenieur für Laminationstechnik über Instandhalter bis zum Kundendienstmitarbeiter fast alles. Le Séguillon weiß, dass die Suche nicht einfach werden wird. Fachkräfte sind in Dresden hart umworben, auch durch Neuansiedlungen wie etwa von Bosch. „Wenn wir die Stellen besetzen können, wird es eng bei uns“, erklärt er. Auch deshalb sucht Heliatek schon nach neuen räumlichen Möglichkeiten. Mit der Stadt Dresden steht die Firma in Verhandlungen über neue Flächen. „Wir werden hierbleiben“, sagt der Heliatek-Chef. Nur in Dresden könnte die Firma auf ein eng gewebtes Netz aus Forschungs- und Industriepartnern zugreifen.

Schritt für Schritt soll es weitergehen. Läuft die neue Anlage, sind die nächsten Ausbaustufen geplant. Für mehr Folien, um mehr Nachfrage bedienen zu können. Für die jetzt im Bau befindliche Produktionslinie gaben Investoren 57 Millionen Euro, darunter die RWE-Tochtergesellschaft Innogy, BASF oder der französische Energiekonzern Engie. 20 Millionen Euro stellt die staatliche Europäische Investitionsbank als Kredit bereit, bis zu 20 Millionen Euro erwartet Heliatek an Subventionen.

Will Heliatek weiter wachsen, muss das Unternehmen auch weiterhin auf spendable Geldgeber hoffen. Noch schreibt die Firma rote Zahlen. Im Jahr 2015 waren es 7,7 Millionen Euro Verlust bei 204 000 Euro Umsatz. 2016 konnte das Geschäft auf 600 000 Euro verdreifacht werden, lag aber unter der geplanten Million. Doch kann die Solarfolie endlich im großen Stil produziert werden, ergeben sich neue Einsatzmöglichkeiten. Dann könnten die flexiblen Folien nicht nur an Häusern Energie sammeln, sondern auch auf Autodächern oder Handys. Eine Anfrage von Amazon, dessen E-Book-Reader Kindle damit zu versehen, hatte Heliatek auf dem Tisch. „Dafür reicht die momentane Produktionskapazität aber nicht aus“, sagt Le Séguillon. Noch nicht.