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Döbeln

"Bei Luftnot den Arzt aufsuchen"

Dr. Andreas Plath spricht beim Gesundheitsforum über verschiedene Infekte. Die können sogar tödlich enden.

Dr. Andreas Plath ist Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie und Kardiologie.
Dr. Andreas Plath ist Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie und Kardiologie. © Archivfoto: Jens Hoyer

Döbeln. Seit mehr als einem Jahr ist Dr. Andreas Plath leitender Oberarzt am Klinikum Döbeln. Der Facharzt für Innere Medizin ist Spezialist für Lungenkrankheiten. Im Vorfeld des Gesundheitsforums sprach der Döbelner Anzeiger mit dem 62-Jährigen.

Herr Dr. Plath, das Gesundheitsforum ist mit „Vorbeugen von Infekten“ überschrieben. Davon gibt es viele. Um welche geht es in Ihrem Fachvortrag?

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Infekte sind Erkrankungen durch parasitäre Mikroorganismen, Viren, Bakterien, Pilze, Würmer, Einzeller bis hin zu infektiösen Eiweißen. Wenn man die Todesfälle durch Infektionen weltweit betrachtet, stehen die Atemwegsinfekte mit 3,9 Millionen jährlich an erster Stelle. Ich beschäftige mich im Vortrag speziell mit der Grippe und grippalen Infekten.

Worin besteht der Unterschied zwischen der Grippe und grippalen Infekten?

Die beiden werden oft verwechselt. Die Symptome beim Infekt sind Husten, Schnupfen, Heiserkeit. Sie können bei Erwachsenen drei bis vier Mal pro Jahr und bei Kindern bis zu zwölf Mal pro Jahr auftreten. Von der richtigen Grippe oder Influenza gibt es drei Typen. A und B sind die Häufigsten, C eher selten. Typisch dafür sind eine ausgeprägte Abgeschlagenheit, Husten ohne Auswurf, Fieber und ein allgemeines schweres Krankheitsgefühl. Je nach Aggressivität führt die Grippe jährlich zu 3 000 bis 30 000 Krankenhauseinweisungen und Null bis 20 000 Toten.

Es gibt auch die Vogelgrippe. Wie gefährlich ist die für den Menschen?

Der Hype um die Vogelgrippe war nicht unbegründet. Es gibt verschiedene Typen. Die H1N1-Grippe, die hier ausgebrochen war, hatte als Vorläufer die Spanische Grippe. Die hat im Jahr 1919 rund 50 Millionen Tote gefordert. Die Grippe ist weltweit verbreitet und die Sorge bleibt, dass sie wieder auftritt. Deshalb ist es wichtig, die Grippeschutzimpfung wahrzunehmen, um die tödliche Wirkung abzumildern. An Grippe sterben weltweit mehr Menschen als zum Beispiel an Tetanus.

Wie viele Grippefälle gibt es denn durchschnittlich in der Region Döbeln?

Die Anzahl ändert sich deutlich von Jahr zu Jahr. Aber Ende 2018, Anfang 2019 gab es sehr viele grippale Infekte, die auch besonders hartnäckig waren. Manche hat es sogar zweimal erwischt. Die Grippe ist auch aufgetreten. Im Vergleich zu den letzten beiden Jahren gab es aber nur relativ wenige Fälle.

Bei welchen Symptomen sollte ein Patient zum Arzt gehen und was kann er selbst tun, um sie zu lindern?

Der Arzt sollte aufgesucht werden, wenn der Husten über drei Wochen anhält, Luftnot besteht und die Abgeschlagenheit sehr groß ist. Für die klassischen Halsschmerzen und den Reizhusten gibt es gute Produkte. Da können wir auch auf Omas Wissen zurückgreifen. Bei Fieber helfen Brust- und Wadenwickel. Dabei sollte sich der Patient maximal mit einem Laken, nicht mit einer dicken Decke zudecken. Kräuter-Tees haben auch eine heilende Wirkung. Dabei ist alles erlaubt, was schmeckt, egal ob Pfefferminze, Kräutermischung, Kamille oder Salbei. Allerdings sollte nicht so viel Zucker drin sein.

Welche Möglichkeiten gibt es, der Grippe und dem Infekt vorzubeugen?

Wichtig ist es, das Immunsystem zu stärken. Dazu gehört eine gesunde Ernährung mit Obst und Gemüse und klassischer deutscher Küche, ohne Superfood. Wenn man den heimischen Kräutergarten plündert, hat man genügend Superfood. Hilfreich ist auch ausreichend Schlaf. Beim Erwachsenen sind das im Schnitt sieben bis acht Stunden. Das ist jedoch sehr individuell. Einstein brauchte zum Beispiel zwölf Stunden Schlaf und Napoleon nur vier. Zur Vorbeugung zählt außerdem die Stressbewältigung, das heißt, die Entschleunigung des Alltags. Dazu sollte man der Reizüberflutung bewusst entgehen.

Und wie sieht es mit Sport aus?

Ja, auch körperliche Betätigung gehört zur Vorbeugung. Die Form ist dabei egal. Den etwas Fitteren würde ich Laufen, Rad fahren sowie Schwimmen empfehlen und Menschen mit körperlichen Einschränkungen ein Fitness-Studio oder die Physiotherapie für schwer kranke Patienten. Dort werden die Bewegungsabläufe so angepasst, dass sie der Gesundheit förderlich sind. Es gibt auch spezielle Sport- und Ernährungsprogramme für Patienten mit COPD, einer chronischen Verengung der Atemwege.

Das Gesundheitsforum, das von der Sparkasse Döbeln und dem Döbelner Anzeiger unterstützt wird, beginnt am Donnerstag, 16. Mai, um 17 Uhr in der Sparkasse Döbeln am Erich-Heckel-Platz 1. Der Eintritt ist frei und der Zugang ist barrierefrei möglich.