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Beim Barte des Teammanagers

Die deutschen Handballer werden bei der EM mit jedem Spiel besser. Das steigert den Respekt bei den Gegnern in Polen, hat aber auch Konsequenzen für Oliver Roggisch.

© WORBSER-Sportfotografie

Von Christoph Stukenbrock

Die kleine Feier der deutschen Handballer beim Italiener „La Scala“ am Rynek von Breslau fiel bescheiden aus, den grenzenlosen Hunger konnten auch Fleischberge und eine Portion Tiramisu zum Nachtisch nicht stillen. „Wir wollen mehr“, sagte Kreisläufer Jannik Kohlbacher, einer der deutschen Senkrechtstarter bei der EM in Polen: „Die Mannschaft brennt und ist hungrig nach weiteren Siegen.“

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Nach dem eindrucksvollen, weil souveränen 25:21-Erfolg gegen Slowenien hat die mit 14 EM-Debütanten gespickte Rasselbande das Halbfinale ins Visier genommen, auch wenn das der Teammanager weder bestätigen noch dementieren will. „Wir haben uns nach dem Essen neue Ziele gesetzt, aber die bleiben wie immer intern“, erklärte Oliver Roggisch mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht – und einem immer länger werdenden Bart. Wann er sich wieder rasiert, meinte der Ex-Profi, „liegt an der Mannschaft“.

Im Idealfall wächst Roggischs Turnierbart also noch bis zum 31. Januar, wenn in Krakau das Finale stattfindet, mindestens aber noch bis kommenden Mittwoch. Die drei Hauptrundenspiele haben die Deutschen jedenfalls sicher, sodass sich selbst der eigentlich eher zurückhaltende Bundestrainer Dagur Sigurdsson zu einer kleinen Kampfansage hinreißen ließ. „Wir haben junge, frische Spieler. Sie regenerieren schneller als alte Leute“, sagte der Isländer und blickte dabei kampfeslustig wie selten.

Top-Favorit Dänemark zum Schluss

Sigurdsson spürt: Der Spielplan meint es gut mit seiner Mannschaft. Ungarn ist am Freitag erster Hauptrundengegner, dann geht es am Sonntag gegen Russland und erst zum Gruppenabschluss am Mittwoch gegen Top-Favorit Dänemark, jeweils 18.15 Uhr live im ZDF oder in der ARD.

Auch die Verbandsspitze legte ihre Zurückhaltung nach der erfreulichen Vorrunde ab. „Wenn die Mannschaft von innen heraus brennt und die nächsten beiden Spiele tatsächlich positiv gestaltet, dann wird vermutlich rein rechnerisch dieser ganz, ganz große Traum möglich sein“, sagte Vizepräsident Bob Hanning. Von den vielen Verletzten spricht im deutschen Lager schon längst keiner mehr.

An der Tatsache, dass die Mannschaft brennt, ließen die Spieler um Torwart Andreas Wolff auch am Donnerstag keinen Zweifel. „Jetzt ist auf jeden Fall alles möglich“, sagte er. Und der bullige Kohlbacher ergänzte: „Wir träumen von einer Medaille. Wenn wir weiterhin so knallhart Abwehr spielen, können wir viel erreichen.“

Die drei Vorrundenspiele waren zwar hart umkämpft, bis zum Schluss eng und glichen über weite Strecken einer Achterbahnfahrt. Doch der unbändige Wille und der herausragende Teamgeist war jederzeit spürbar. Auch ihre Klasse ließ die Mannschaft immer wieder aufblitzen. Und so trauen sich die Experten allmählich aus der Deckung. „Die Chance ist da, eine Medaille zu holen“, sagte der frühere Welthandballer Daniel Stephan. In der Hauptrunde sei „einiges möglich“, meinte der 42-Jährige, der beim bis dato letzten deutschen EM-Titel 2004 als Spielmacher glänzte.

Vor allem in der Abwehr, jener Zone des Spielfeldes, wo bekanntlich große Spiele und später auch Meisterschaften gewonnen werden, präsentierte sich die DHB-Auswahl von Spiel zu Spiel besser und entnervte den Gegner dort mit großer Aggressivität und einem überragenden Abwehrchef, dem Magdeburger Finn Lemke. Im Schnitt 3,83 Millionen TV-Zuschauer sahen den Erfolg im letzten Gruppenspiel. Der Marktanteil betrug 18,3 Prozent. „Die Zahlen zeigen, dass Handball funktioniert. Wir sind über die Maße glücklich“, sagte Hanning.

Dem Trainer waren diese Zahlen indes herzlich egal. Seine volle Konzentration galt schnell dem Ungarn-Spiel. „Sie werden um jeden Zentimeter kämpfen“, warnte Sigurdsson und fügte an, „aber wir sind auch nicht so schlecht.“ Fürs ungarische Team von Trainer Talant Dujschebajew geht es am Freitag immerhin noch um das Ticket für ein Olympia-Qualifikationsturnier, für die deutsche Mannschaft um die Chance auf das Halbfinale. (sid/mit SZ/-yer)