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Kinderfest in Gefahr

Seit 2010 wird zum Kindertag im Gesundbrunnen gefeiert. Doch nun steht das Fest auf der Kippe. Die SZ sprach mit Diethold Tietz vom Verein Leuchtturm-Majak.

© Carmen Schumann

Herr Tietz, als Vorstandsmitglied des Vereins Leuchtturm-Majak gehörten Sie zu den Mitorganisatoren des Kinderfestes in Gesundbrunnen. Jetzt haben Sie das Handtuch geworfen, warum?

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Wir sind Meister. Wir können das. 

33 Frauen und 242 Männer sind unter den frisch gebackenen Meisterabsolventen der Handwerkskammer Dresden und damit Aushängeschild der „Wirtschaftsmacht von nebenan“.

Der organisatorische Aufwand, um dieses Fest vorzubereiten, ist immens. Nachdem das Kinderfest seit 2010 von verschiedenen Verantwortungsträgern und an wechselnden Orten organisiert worden war, hatte sich das Festgeschehen seit 2015 unter Federführung des Vereins Leuchtturm-Majak auf dem Parkplatz an der Max-Planck-Straße etabliert. Zusammen mit einigen sehr aktiven Stadträten, Helfern und Sponsoren habe ich die Aufgabe, mich um die organisatorischen Belange zu kümmern, sehr gerne übernommen. Doch nun befürchte ich, dass uns die Zeit davonläuft. Der Stand der Vorbereitungen ist nicht so, wie er zum gegenwärtigen Zeitpunkt sein sollte.

Aber woran liegt das?

Einer der wichtigsten Mitorganisatoren, der CDU-Stadtrat Patrick Höhne, kann sich aus beruflichen Gründen nicht mehr an den Vorbereitungen beteiligen. Das ist ein herber Schlag. Ich hatte zum Ende des vergangenen Jahres die Truppen zusammengetrommelt, aber es zeichnete sich ab, dass viele aus Zeitgründen abwinkten. Auch eine Beratungsrunde Anfang des Jahres brachte kein befriedigendes Ergebnis.

Was haben Sie unternommen, um das Problem in den Griff zu kriegen?

Bei der letzten Stadtratssitzung hatte ich meine Bedenken dem Ältestenrat des Stadtparlamentes vorgetragen. Oberbürgermeister Alexander Ahrens hatte sich daraufhin für den Erhalt des Kinderfestes ausgesprochen. Doch ich glaube nicht mehr daran. Auch finanzielle Zuwendungen nützen nichts, wenn sich niemand an der Vorbereitung beteiligt.

Sehen Sie Alternativen?

Bei unseren Beratungen wurde auch die Idee in den Raum geworfen, das Kinderfest künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. Sollte sich kurzfristig doch noch jemand finden, der sich den Hut aufsetzt, würde ich ihm auf alle Fälle meine Hilfe zusichern. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, das Fest professionell organisieren zu lassen. Doch ich befürchte, dass das dann keiner bezahlen kann.

Dann müssten eben Eintrittsgelder genommen werden. . .

Nein. Genau das ist es, was wir auf keinen Fall wollen. Es würde auch das Ende des Kinderfestes Gesundbrunnen in seiner bisherigen Form bedeuten. Denn wir sind sehr stolz darauf, dass es uns bisher immer gelungen war, das Fest ohne größere finanzielle Belastungen für die Kinder und ihre Eltern zu gestalten. Ein solches Fest dient schließlich vor allem dem Zusammenhalt in unserem Stadtviertel.

Worin sehen Sie denn den Vorteil, wenn das Kinderfest weiterhin von einem Verein organisiert wird?

Wir als Verein können zum Beispiel allen Beteiligten eine Spendenquittung ausstellen. Das ist für viele ein großer Vorteil. Die meisten, die sich am Kinderfest Gesundbrunnen bisher beteiligten, taten es uneigennützig. Ich denke da beispielsweise an den Kraftsportklub, der im früheren Jugendklub Max ansässig ist und uns Tische und Stühle sowie das WC für unser Kinderfest zur Verfügung stellte. Leider wurde der Verein voriges Jahr bitter enttäuscht, weil die Toiletten in einem schlimmen Zustand hinterlassen wurden.

Gespräch: Carmen Schumann