merken

Beim Sachsenbad bahnt sich was an

Seit Jahren verfällt die Ruine. Eine Sanierung ist der Stadt zu teuer. Nun gibt es einen Rettungsversuch.

© Visualisierung: Frank Helms

Von Sarah Grundmann

Die Becken im Sachsenbad sind wieder gefüllt, die mit Graffiti beschmierten, bröckelnden Wände erstrahlen in frischem Weiß. Durch die Halle an der Ecke Wurzener/Rehefelder Straße hallt Kinderlachen, in den Gesundheitsbädern plauschen Senioren. Für die Bürgerinitiative des Vereins Pro Pieschen ist dieses Szenario förmlich greifbar. Trotzdem ist es derzeit nichts weiter als eine Vision. Eine Vision, für die die Initiative bereits seit zehn Jahren kämpft. Nun gibt es eine neue Rettungsaktion.

Familie
Vater, Mutter und Kinder
Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Seit Kurzem ist eine Petition online, in der die Sanierung des einstigen Gesundheitsbades gefordert wird. 1994 war es wegen bautechnischer Mängel geschlossen worden. Damals noch mit der Absicht, die Badeanstalt nach einer umfassenden Sanierung wieder zu eröffnen. Passiert ist das bislang nicht. Und die Stadt gibt wenig Anlass zur Hoffnung. Zwar investiert sie jährlich rund 15 400 Euro in den Erhalt und die Sicherung des Denkmals. Eine Sanierung ist der Verwaltung allerdings zu teuer. Nach letzten Schätzungen würde der Umbau rund 20 Millionen Euro kosten. Zum Vergleich: Der Neubau der Bühlauer Schwimmhalle war nur halb so teuer. Vor allem die Auflagen des Denkmalschutzes treiben die Baukosten in die Höhe. Genau das will die Initiative aber nutzen.

„Wir sagen: Zum Glück ist es ein Denkmal“, sagt Architektin Dorothea Becker. „Nur so ist es möglich, Fördermittel zu bekommen – und das auf Landes- und Bundesebene.“ So sei eine Finanzierung über städtebauliche Denkmalschutzmittel oder das Förderprogramm „Soziale Stadt“ möglich. In Gesprächen mit diversen Ämtern sei bereits signalisiert worden, dass es gute Chancen gibt. Nun fordert die Initiative, dass die Stadt handelt: Sie soll die nötigen Fördermittel besorgen und noch in den Haushalt für die Jahre 2017 und 2018 einstellen, heißt es in der Petition.

Fast 800 Unterschriften sind in den ersten eineinhalb Wochen zusammengekommen – einige davon am Dienstagnachmittag. Denn bei dem Anblick, der sich auf der Oschatzer Straße bot, blieb der eine oder andere Pieschener neugierig stehen. Das Schaufenster des Ateliers von Stadträtin Kati Bischoffberger (Grüne) war mit einem riesigen Poster verhängt: Das zeigte, wie es im Sachsenbad aussehen könnte. Bischoffberger unterstützt die Petition.

„In den Haushaltsberatungen werde ich für eine konkrete Machbarkeitsstudie die nötigen Haushaltsmittel einfordern“, so die Stadträtin. Eine solche Studie hatte die Stesad 2010 angefertigt. „Die muss unbedingt überarbeitet werden. Und dabei sollte auch die Initiative eingebunden werden. Denn sie hat gute Ideen, um zu sparen.“

So soll das Sachsenbad nicht einfach nur eine Schwimmhalle werden. Vielmehr plant die Initiative, dem Bad seinen ursprünglichen Gesundheitscharakter zurückzugeben. So könnten Arztpraxen, ein Friseur oder eine Physiotherapie in dem Gebäude unterkommen. Genug Platz wäre in dem zweistöckigen Komplex vorhanden. Mit der Miete kämen feste Einnahmen in den Stadthaushalt. Das Micktener Ärztehaus hat schon jetzt Interesse bekundet.

„Die Dresdner und Dresdnerinnen wollen den Aufbau des Sachsenbades als Bad. Gefühlt hat jeder dritte Dresdner hier schwimmen gelernt“, sagt Bischoffberger. So auch die Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke), die in den 80er-Jahren aus der Altstadt zum Schwimmunterricht nach Pieschen musste. Sie unterstützte die Aktion am Dienstag: „Dresden wächst, und Pieschen wächst auch. Es ist wichtig, dass die Anwohner ein Bad haben, das sie auch zu Fuß erreichen können.“ Derzeit ist die Situation anders: Die nächst gelegenen Bäder sind die Schwimmhalle in Klotzsche, die dringend saniert werden muss, sowie das Nordbad in der Neustadt. Deshalb hatte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) bereits 2015 angekündigt, dass der nächste Neubau im Nordwesten errichtet wird. Bei einer Sanierung des Sachsenbads wäre das nicht notwendig.

Die Petition läuft noch bis zum 6. Oktober online.

www.sachsenbad.propieschen.de