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„Beißen ist eine krasse Geschichte“

Ein Rentner stahl Lebensmittel für zwei Euro – und biss dabei den Detektiv in die Hand: So kommt er auf ein Jahr Haft.

Von Alexander Schneider

Samstag, kurz vor acht. Während die Einen noch Schlange stehen, um beim Bäcker ihre Brötchen zu holen, durchstreift ein 74-jähriger Rentner schon in eigener Mission den Netto in der Blasewitzer Straße. Er kauft zwei Zeitungen – und versucht Joghurt, Quark und Frischkäse für gerade 2,07 Euro in seiner Jackentasche aus dem Laden zu schmuggeln. Er rechnet wohl nicht mit einem Ladendetektiv. Doch auch Andrej W. (27) hat längst gefrühstückt. Auf der Videokamera beobachtet er, wie der Rentner sich im Markt umsieht und die Sachen verschwinden lässt. Am Ausgang stellt er den Dieb zur Rede – und erlebt eine unerwartete Eskalation. Erst gibt sich der Rentner ahnungslos und schimpft: „Lassen Sie mich gehen, ich habe keine Zeit!“ Dann wird er auch noch handgreiflich, schubst den 27-Jährigen und beißt ihn den Handrücken blutig. Zu guter Letzt erklärt der Dieb dem Detektiv, er sei selbst schuld, dass es so weit gekommen sei.

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Das war erst Mitte Oktober. Gestern fand sich der renitente Greis im Amtsgericht Dresden wieder – vor dem Schöffengericht. Mehrere frühere Ladendiebstähle des nicht vorbestraften Mannes hatte die Staatsanwaltschaft schon eingestellt – doch ein Biss, das war zu viel. „Die Mindeststrafe für räuberischen Diebstahl beträgt ein Jahr Haft“, sagte die Staatsanwältin.

Wie ernst es um ihn stand, war dem Rentner auch gestern nicht klar. Er wiegelte ab, spielte herunter, verniedlichte. Er habe die Sachen in der Jacke vergessen. „Es war ja im Prinzip nichts weiter“, sagte er.

„Für ,nichts weiter‘ ist das aber viel. Der Biss eines Menschen ist gefährlicher als der eines Hundes“, sagte Richterin Karin Fahlberg. Sie verurteilte den 74-Jährigen zur Mindeststrafe von einem Jahr Haft und setzte sie zur Bewährung aus. Außerdem muss der Mann 200 Euro an die Opferhilfe Sachsen zahlen. „Beißen ist schon eine krasse Geschichte“, sagte die Richterin.