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Beitragsfreies Kita-Jahr ist umstritten

In Thüringen ist das letzte Jahr im Kindergarten kostenfrei. Im Osterzgebirge kann man der Idee nicht viel abgewinnen.

© dpa

Von Maik Brückner

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Das Schlittschuhlaufen im FEZ “Hains“ ist ein herrlicher Spaß – egal ob als Eisprinzessin oder -prinz, mit Pirouetten drehen oder als blutiger Anfänger.

Freital. Bildung ist wichtig und beginnt schon im Kindergarten. Deshalb gibt es seit Längerem Bestrebungen, die Kitas aufzuwerten. Den jüngsten Versuch hat die SPD unternommen. Sie möchte, dass Eltern für die Betreuung der Kinder in den Kindertagesstätten nichts mehr zahlen müssen. Im Gespräch ist, dass zumindest das letzte Jahr im Kindergarten kostenfrei sein sollte. Im Osterzgebirge hält man nicht viel von diesem Vorstoß. Glashüttes Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) ist der Ansicht, dass sich die Eltern auch künftig an den Kosten der Kinderbetreuung beteiligen sollten. „Ich bin kein Verfechter für ein kostenfreies letztes Kindergartenjahr“, sagt er. Er wünsche sich vielmehr eine Stärkung der Familien über das Elterngeld hinaus. Eltern sollte es ermöglicht werden, dass es für sie einfacher ist, in Teilzeit zu arbeiten, damit sie mehr Zeit für ihre Kinder haben.

Auch in Altenberg ist man vom kostenfreien Kita-Jahr nicht begeistert – allerdings aus anderen Gründen. „Ein kostenfreies letztes Jahr bereitet uns Bauchschmerzen, da die Eltern und vielfach auch Erzieher sowieso schon den Druck auf dieses Jahr legen, somit würde dieser noch größer, wenn es in seiner Wichtigkeit so hochgehoben wird“, sagt Heike Weise vom Altenberger Rathaus. Die Erzieher würden es begrüßen, wenn die ersten Jahre in der Kita aufgewertet werden würden. So sei besonders die Zeit um den zweiten Geburtstag entscheidend. Auch das dritte und vierte Lebensjahr sei wichtig, weil hier die Grundlagen fürs Leben gelegt werden. Klappt das, dann läuft auch das letzte Kita-Jahr wieder besser, so Frau Weise. Gelingt das nicht, ist es schwer, das im Vorschuljahr aufzuholen. Sollte es zum beitragsfreien Kita-Jahr kommen, sollte es von Bund, Land und Kommune gemeinsam finanziert werden.

Der Dippser Oberbürgermeister Jens Peter (Freie Wähler) sieht eher den finanziellen Aspekt des Angebotes. Seine Stadt sei außerstande, die Beiträge der Eltern zu übernehmen. Das müsste der Freistaat tun.

Auch in Klingenberg hat sich die Verwaltung mit dem Vorschlag beschäftigt. Dieses Angebot würde nur die Eltern entlasten, sagt Bürgermeister Torsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg). Bei einer Neun-Stunden-Betreuung wären das rund 1 650 Euro. Betreffen würde das pro Jahr knapp 60 Familien. Wenn die Entlastung kommen sollte, müsste der Freistaat dafür einspringen. Doch der müsste auch darauf achten, wofür er sein Geld verwendet. Damit könnten auch Kitas ausgebaut werden und die Bedingungen in den Einrichtungen verbessert werden. „Hier gibt es Nachholbedarf“, sagt Schreckenbach.

Ähnliche Argumente wurden in den letzten Jahren auch in Thüringen ausgetauscht. Dort hatten sich die Regierungsparteien bereits 2014 auf die Einführung eines kostenfreien Kita-Jahrs verständigt. 2018 wurde es eingeführt. Damit habe man die Kitas als Bildungseinrichtung anerkannt, sagt Frank Schenker vom thüringischen Bildungsministerium. Zudem habe man den Anspruch, dass Bildung generell kostenfrei sein sollte, erfüllt. Die finanzielle Entlastung der Eltern stehe an zweiter Stelle. Langfristig verfolge man das Ziel, Kitas komplett beitragsfrei zu stellen.

Auch in Thüringen habe man diskutiert, welches Kita-Jahr beitragsfrei sein soll. Ursprünglich sollte es das erste Jahr sein. Doch hier gab es zu viele Unwägbarkeiten, weil sich die Kosten nur schwer prognostizieren ließen, so Schäfer. Deshalb entschied man sich fürs Letzte. Die Elternbeiträge werden zu hundert Prozent vom Land Thüringen erstattet, sagt Schäfer.