merken
Politik

Belarus: Festnahme bei Protesten

Tausende wollen heute wieder in Minsk gegen Staatschef Lukaschenko auf die Straße gehen - trotz Drohungen der Sicherheitskräfte.

Seit Wochen demonstrieren Bürger in Belarus gegen den Machthaber Lukaschenko.
Seit Wochen demonstrieren Bürger in Belarus gegen den Machthaber Lukaschenko. © AP

Minsk. Bei einer neuen großen Sonntagsdemonstration in Belarus (Weißrussland) hat es erneut viele Festnahmen gegeben. In der Hauptstadt Minsk gingen die Sicherheitskräfte am Sonntagnachmittag immer wieder gegen friedliche Demonstranten vor, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur von der Stelle berichtete. Auch auf Videos und Bildern war zu sehen, wie die Uniformierten hauptsächlich Männer abführten. Nur vereinzelt waren es Frauen. Zu hören waren Schreie. Demonstranten riefen den Polizisten "Schande" entgegen.

Uniformierte versuchten mit Geländewagen, die an der vorderen Stoßstange hohe Metallgitter hatten, die Menschen im Zentrum zurückzudrängen. Zu sehen war auf Bildern, wie sich Frauen davor auf die Straße legten. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Auch Wasserwerfer wurden in Stellung gebracht.

Anzeige
Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Die Proteste verteilten sich wegen der Sperrung des Unabhängigkeitsplatzes im Zentrum der Hauptstadt diesmal auf verschiedene Stellen im Stadtzentrum. Immer wieder kesselten Uniformierte die Bürger ein.

Zehntausende Menschen beteiligten sich an dem Protest in Minsk - am 66. Geburtstag des autoritären Staatschefs Alexander Lukaschenko. Wie viele Menschen festgenommen wurden, war zunächst unklar. Am frühen Nachmittag war in Berichten unabhängiger Medien zunächst von mehr als 30 die Rede. Einem Video zufolge kam es vor dem Gebäude des Geheimdienstes KGB zu einem Handgemenge zwischen Sicherheitskräften in Zivil und Demonstranten, als die Polizisten offenbar willkürlich Menschen festnehmen wollten.

Das Innenministerium warnte die Bürger davor, an der ungenehmigten Kundgebung teilzunehmen - und drohte mit Gewalt. Viele sagten, dass sie friedlich seien und keine Angst hätten. Die Demokratiebewegung hatte zum Protest aufgerufen. An seinem Geburtstag solle Lukaschenko sehen, dass das Volk gegen ihn und seine Zeit an der Macht nach 26 Jahren abgelaufen sei, hieß es. Aktionen gab es auch in anderen Städten des Landes, darunter Brest und Grodno.

Lukaschenko hat Putins Unterstützung

Nach den Festnahmen und aufgelösten Protesten der vergangenen Tage wurde erwartet, dass der Machtapparat eine neue Massendemonstration nicht zulässt. Außerdem hatte Kremlchef Wladimir Putin Lukaschenko ausdrücklich auch Unterstützung durch russische Sicherheitskräfte in Aussicht gestellt. Das soll die Protestbewegung einschüchtern.

Bereits am Samstag gab es landesweite Proteste. In Minsk zogen Tausende Frauen durch die Stadt. Das Innenministerium sprach am Sonntag von 4000 Teilnehmern. Aktionen habe es an 42 Orten im Land gegeben. Daran hätten sich 8500 Menschen beteiligt. Auch Anhänger des Präsidenten versammelten sich. Dem Ministerium zufolge gab es insgesamt 29 Festnahmen, weniger als in den Tagen zuvor.

Weiterführende Artikel

Belarus: Opposition gründet neue Partei

Belarus: Opposition gründet neue Partei

Die Proteste gegen Präsident Lukaschenko gehen weiter, die Opposition ruft zum Massenstreik auf und erhöht den Druck zur Erneuerung.

Unterdessen gab es in den sozialen Netzwerken schon am Morgen erste Gratulationen vom Militär zu Lukaschenkos Geburtstag. Der Staatschef hatte sich in der Krise zuletzt auch von Unterstützern bei öffentlichen Auftritten bejubeln lassen. In der Gesellschaft der Ex-Sowjetrepublik tritt seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August eine Spaltung zwischen Unterstützern und Gegnern des Präsidenten zutage. Die Proteste und Streiks in den Staatsbetrieben, die es seither gibt, sind die stärksten, seit Belarus vor knapp 30 Jahren nach Auflösung der Sowjetunion die Unabhängigkeit erhielt. (dpa)

Mehr zum Thema Politik