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Beliebtes Modegeschäft schließt

„Mode am Markt“ stand knapp 25 Jahre für ansprechende Damenkleidung. Was wird aus dem Laden?

© Kristin Richter

Von Jörg Richter

Großenhain. Seit dieser Woche ist es das Stadtgespräch: Das Damenbekleidungsgeschäft „Mode am Markt“ macht zu. „Wir gehen in Rente“ steht mit großen Buchstaben auf dem Schaufenster. Eines der ältesten und beliebtesten Modegeschäfte der Stadt kündigt seine Schließung an.

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Seit 17 Jahren sind Annemarie Hänel und ihre Verkäuferin Karin Dronigke ein Team und immer für ihre Kunden da. © Kristin Richter

„Das ist wirklich schade“, sagt Susann Eckardt, die gerade zwischen Kleiderständern auf der Suche nach einem schicken Oberteil ist. „Ich komme wirklich gern hierher“, sagt die Stammkundin. Und das nicht, weil jetzt alles für den halben Preis zu haben ist. Sie schätzt die hochwertigen Waren und vor allem die freundliche Bedienung. Das treffe sowohl für Ladeninhaberin Annemarie Hänel als auch für Verkäuferin Karin Dronigke zu. Beide siezen sich. „Aber wir haben eher ein freundschaftliches Verhältnis zueinander“, verrät Annemarie Hänel. Karin Dronigke, die seit 17 Jahren hier arbeitet, bestätigt es und sagt: „Wir werden sicherlich beide weinen, wenn wir den Laden zum letzten Mal zuschließen.“ Das wird im Sommer sein. Bis Ende August läuft der Mietvertrag. „Aber wir brauchen bestimmt 14 Tage zum Ausräumen“, sagt die Ladenchefin.

Am 31. August schließt sich der Kreis. Denn an diesem Tag vor 25 Jahren hatte Annemarie Hänel ihr Modegeschäft am Großenhainer Hauptmarkt eröffnet. Die Diplomingenieurin für Bekleidungstechnik erinnert sich noch gut daran. „Die Leute hatten einen enormen Nachholbedarf“, erzählt die 67-Jährige. „Egal, ob alt oder jung, jeder wollte sich was Schönes zum Anziehen kaufen.“

Bei der Ladeneröffnung 1993 lagen gerade zwei schwierige und unerfüllte Jahre als Vertreterin hinter ihr. Bis 1991 arbeitete Annemarie Hänel 14 Jahre lang im Großhandelsbetrieb (GHB) für Textil- und Kurzwaren in Großenhain. Sie hatte dort wohl eine der spannendsten Tätigkeiten, die man im Bereich Mode in der DDR überhaupt haben konnte. Die gebürtige Thiendorferin begutachtete Kleidung, wie z.B. Jeans, die der Arbeiter- und Bauernstaat aus dem Westen importierte, um sie von Großenhain aus in alle Exquisit-Geschäfte der DDR zu verteilen. Sie erlebte so auch die Zeit, in der die großen Modemarken aus dem nichtsozialistischen Ausland begannen, ihre Sachen in China schneidern zu lassen. „Da war auch nicht alles toll, was aus dem Westen kam“, sagt sie.

Kunden kommen sogar aus Dresden

Als Annemarie Hänel sich entschied, das Vertreterleben hinter sich zu lassen, um mit ihrer reichlichen Berufserfahrung ein eigenes Modegeschäft zu eröffnen, suchte sie ein halbes Jahr lang einen passenden Laden. Auch in Dresden sah sie sich um. Doch sie blieb Großenhain treu, weil sie hier viele Leute kennt. Heute kommen ihre Kunden auch aus Bad Liebenwerda, Senftenberg, Riesa, Meißen und sogar Dresden. „Vor allem die Dresdnerinnen sind total begeistert, weil sie hier noch individuell beraten werden“, sagt die Ladenbesitzerin. Das seien sie in der Großstadt fast gar nicht mehr gewöhnt.

Nun steht der Abschied bevor. „Ich hatte ein erfülltes Berufsleben und eine schöne Zeit hier in meinem Geschäft“, resümiert Annemarie Hänel. Sie verrät, dass sie aber auch daran gedacht habe, schon eher in die wohlverdiente Rente zu gehen. „Aber ich fühlte mich auch meiner Verkäuferin verpflichtet, ein paar Jahre dranzuhängen, denn sie hat mir immer zur Stange gehalten, ist zuverlässig und freundlich“, würdigt sie ihre Mitarbeiterin Karin Dronigke. Beide wissen schon jetzt, dass sie einander stets verbunden bleiben. Nicht nur, wenn mit einem Anruf, wenn die andere Geburtstag hat. Karin Dronigke sagt: „Wir gehen sicherlich ab und zu einen Kaffee trinken und schwelgen in Erinnerungen.“

Wie Ladenvermieter Heiko Schmidt aus dem benachbarten Sportgeschäft der SZ bestätigt, sei bereits ein potenzieller Nachmieter in Sicht. Dabei handele es sich auch um ein Bekleidungsgeschäft mit hochwertiger Mode.