Merken

Benedikt beschwört den Dialog

Vatikan. Der Papst empfängt die Botschafter der islamischen Länder.

Teilen
Folgen

Von Paul Kreiner,SZ-Korrespondent in Rom

Als „lebensnotwendig“ hat Benedikt XVI. den Dialog zwischen Kulturen und Religionen bezeichnet. „Von ihm hängt unsere Zukunft ab“, sagte der Papst bei einer Audienz für die Botschafter islamischer Staaten. Das vom Vatikan gewünschte Treffen war kirchengeschichtlich das erste seiner Art. Der Papst reagierte damit auf die muslimische Kritik an seiner Regensburger Rede.

22 Diplomaten folgten gestern der Einladung Benedikts XVI. in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo. Unter ihnen waren die beim Vatikan akkreditierten Botschafter oder Geschäftsträger aus dem Iran, aus Syrien, Libanon, Pakistan, aus Indonesien, Ägypten und der Türkei sowie ein Abgesandter der Arabischen Liga. Es fehlte nur der Sudan. Zu Saudi-Arabien unterhält der Vatikan keine diplomatischen Beziehungen.

Kein Kurswechsel

In seiner nur neunminütigen Ansprache war Benedikt XVI. sichtlich bemüht, neue „Fehlinterpretationen“ zu vermeiden. Er unterstrich, dass er seit Beginn seiner Amtszeit für „Brücken der Freundschaft“ zwischen den Religionen und speziell für ein „Wachstum des christlich-islamischen Dialogs“ eingetreten sei. Den Moslems bekundete er „alle Wertschätzung und tiefen Respekt“. Einen von Kritikern bereits unterstellten Kurswechsel des Vatikans dementierte er.

Christentum und Islam müssen nach Auffassung Benedikts XVI. die Zusammenarbeit lernen, um „alle Spannungen zu überwinden und jene Welt des Friedens und der Brüderlichkeit zu bauen, die von allen Menschen guten Willens sehnlichst erwartet wird“. Sie müssten zudem „jegliche Form der Intoleranz vermeiden und sich jeder Gewalt entgegenstellen“. Unglückselige Episoden der Geschichte sollten vergessen und im Interesse aller Menschen „soziale Gerechtigkeit, moralische Werte, Menschenwürde, Frieden und Freiheit gemeinsam vorangetrieben werden“.

Positive Reaktion

Obwohl die Hinrichtung von vier Christen in Indonesien, die Ermordung einer italienischen Ordensfrau in Somalia sowie Anschläge auf christliche Kirchen in islamischen Ländern den Vatikan stark beunruhigen, verzichtete Benedikt auf kritische Worte. Eindringlich aber wiederholte er, der geforderte Dialog verlange nach einer „Wechselseitigkeit in allen Bereichen, vor allem aber, was die Grundfreiheiten des Menschen und insbesondere die Religionsfreiheit angeht“.

In ersten Reaktionen stieß auch das Treffen des Papstes mit den islamischen Diplomaten auf positive Resonanz. Der irakische Botschafter Albert Ismail Yelda sagte, der Papst habe seinen Respekt gegenüber den Moslems unterstrichen: „Das ist das, was wir erwartet haben. Nun ist es Zeit, hinter uns zu lassen, was geschehen ist.“