Merken

Benedikt XVI. erntet Lob und Sympathie

Religion. Mit der Botschaft der Versöhnung macht das Oberhaupt der katholischen Kirche seine Reise zu einem Erfolg.

Teilen
Folgen

Von Peer Meinert und Ingo Bierschwale, Istanbul

Der Papst lächelt entspannt, er ist zufrieden, er genießt den Augenblick. Sogar der orthodoxe Patriarch Bartholomäus I. ist am Freitag zur Papstmesse in die katholische Heiliggeist-Kathedrale von Istanbul gekommen. Am vierten Tag seines Türkei-Besuches weiß Benedikt: Die Reise ist zum Erfolg geworden. „Sympathischer Papst“, schreibt die größte türkische Zeitung „Hürriyet“. Wer hätte das nach seinen umstrittenen Äußerungen zum Islam in Regensburg für möglich gehalten?

Es gibt kaum eine türkische Zeitung am letzten Besuchstag, die nicht auf der Titelseite das Bild aus der Blauen Moschee zeigt – vom Papst und dem Mufti Mustafa Cagrici von Istanbul, beide im Gebet versunken. „Benedikt hat die Welt einmal mehr überrascht“, heißt es in „Hürriyet“.

„Seite an Seite dasselbe Gebet“, meint selbst die islamische Zeitung „Yeni Safak“ überschwänglich. Sein Gespräch mit Gott in einem islamischen Gotteshaus sei eine Botschaft an die Welt gewesen. Und die linksliberale „Milliyet“ spricht gar vom „Frieden von Istanbul“: In einer Zeit der Spannungen zwischen Religionen und Kulturen „ist er mit Muslimen, Orthodoxen und Juden zusammengekommen“.

Unverkennbares Profil

Eineinhalb Jahre ist der Papst jetzt im Amt. Er war beim Weltjugendtag in Köln und in der bayerischen Heimat. Er hat eine poetische Enzyklika über die Liebe geschrieben. Seine Audienzen auf dem Petersplatz sind gut besucht. Nur: Ein echtes, unverkennbares Profil, ein großes, alles beherrschendes Thema – das hatte er vor seiner Türkei-Reise noch nicht gefunden. Noch war er „der neue Papst“, der „Nachfolger des großen Johannes Paul“.

„Jetzt ist Benedikt wirklich Papst geworden“, meint ein römischer Theologe am Freitag in Istanbul: „Er hat seine Feuertaufe bestanden“, er habe sein Thema gefunden. Es heißt Dialog der Religionen, Dialog der Kulturen – politisch brisanter und aktueller könnte es kaum sein. „Er ist aus dem Schatten seines Vorgängers getreten.“

Kurz vor dem Aufbruch in die Türkei hatte der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper befürchtet, es werde ein Gang über ein „Minenfeld“. Die missverständliche Regensburger Papstrede über das Thema Islam und Gewalt und die Welle der Empörung, die durch die muslimische Welt ging, schienen das Klima vergiftet zu haben.

Doch es kam ein freundlicher, ein sanfter und ein verständnisvoller Ratzinger in die Türkei. Immer wieder beschwor er den „einen gemeinsamen Gott“ von Christen, Juden und Muslimen, betonte die Gemeinsamkeiten, forderte den Gewaltverzicht aller Religionen. „Ein sanfter Papst, aber dennoch ein klarer Papst, der mit seinen Grundsätzen nicht hinterm Berg hält“, meint ein Vatikan-Kenner. Andere sprechen von der „Methode Ratzinger“. „In Istanbul ist Geschichte geschrieben worden“, titelt die türkische Zeitung „Vatan“. (dpa)