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Bergmann schwer verletzt

© Niko Mutschmann

Unfälle in Bergwerken passieren in Deutschland selten. Wenn, dann ist es für die Retter oft schwierig – wie jetzt im Erzgebirge.

Von Gabi Thieme, Pöhla/Freiberg

Die künftige Wolfram-Mine in Pöhla bei Schwarzenberg soll erst im Herbst nächsten Jahres fördern. Doch die Männer der Grubenwehr der Wismut und der Bergbau- und Höhenrettung Annaberg-Buchholz mussten schon in der Nacht zum Freitag zum ersten Mal dorthin ausrücken.

Die Rettungsleitstelle meldete einen verunglückten Bergmann in knapp 100 Metern Tiefe. Er gehörte zu dem kleinen Trupp von nicht einmal 20 Bergleuten, die derzeit für das Unternehmen SME (Saxony Minerals and Exploration AG) Halsbrücke im Drei-Schicht-Betrieb und rollender Woche mit Hochdruck die Erschließung eines Erkundungsschachtes bis in 170 Meter Tiefe vorantreiben. Nach der Winterpause war dazu neue Spezialtechnik in Betrieb gegangen, um schneller und effektiver voranzukommen.

Den 33-jährigen Bergmann traf es in der Nachtschicht kurz vor 23 Uhr. Er stand nach ersten Erkenntnissen auf einer Zwischenbühne im Erkundungsschacht, acht bis zehn Meter über der bislang tiefsten Sohle, und kommunizierte mit den beiden dort unten tätigen Bergleuten, als der von oben kommende Förderkorb auf ihn knallte und vor allem am Kopf schwer verletzte. In dem engen Förderkorb werden nicht nur bis zu drei Bergleute in die Tiefe oder wieder nach oben gebracht, sondern auch diverse Materialien. Vor allem wird damit jenes Gestein nach über Tage gefördert, das derzeit bei den Sprengarbeiten im Vortrieb anfällt.

Michael Vater, Chef der Grubenwehr der Wismut, kann sich nicht erklären, warum die Förderanlage nicht so arbeitet, wie alle bei der Wismut. „Wenn bei uns ein Maschinist einen Kübel nach unten fährt, dann stoppt der vor der Zwischenbühne automatisch. Der dort tätige Bergmann muss dann erst ein neuerliches Signal geben, dass die Durchfahrt frei ist.“

Die Grubenwehr der Wismut, die derzeit mit 50 Bergleuten ehrenamtlich arbeitet, hat mit 52 unter Tage tätigen Unternehmen in Deutschland Vereinbarungen, wonach sie im Havariefall angerufen werden kann. „Seit vielen Jahren beschränkten sich unsere Einsätze zum Glück nur auf Übungen“, berichtet Vater. Den letzten Toten hätten seine Männer 1997 in Brand-Erbisdorf aus einer Höhle bergen müssen.

Was jetzt in Pöhla Realität wurde, sei erst im Mai bei einer Übung zusammen mit der Bergbau- und Höhenrettung Annaberg geprobt worden. „Da dachte keiner daran, dass das so schnell Realität würde“, sagte René Meiner, Zugführer der Annaberger Spezialistengruppe. Zum Glück sei aber im Unterschied zur Übung die Stromversorgung intakt gewesen. „Dadurch konnte eine Kameradin mittels Winde und der Trage an Schleifengurten zügig abgeseilt werden.“ Bei ihrem Eintreffen war der Notarzt schon am Unglücksort. Die Rettungskräfte benötigten etwa eine Stunde, um den Mann zu stabilisieren und über den einzig möglichen und engen Schacht nach oben zu bringen. Aufgrund seiner schweren Kopfverletzungen forderte der Notarzt einen nachtflugtauglichen Hubschrauber an, der in Erfurt stationiert ist. Der brachte den Verletzten in eine Spezialklinik.

Erste Ermittlungen der Polizei haben ergeben, dass ein Fremdverschulden wohl ausgeschlossen werden kann. Die Polizei hat den Fall an das sächsische Oberbergamt in Freiberg übergeben. Mitarbeiter der Behörde haben sich am Freitag ein Bild vor Ort gemacht und begonnen, den Unfallhergang zu rekonstruieren. „Konkrete Informationen zu den Ursachen sind noch nicht möglich“, teilte die Behörde am Nachmittag mit. Die Untersuchungen würden sich bis nächste Woche hinziehen.

Hart getroffen hat der Unfall auch das Unternehmen SME, das das Bergwerk im Luchsbachtal in Pöhla unweit alter Zinnstollen erschließt. „Unsere Gedanken sind bei dem verunglückten Kollegen. Jetzt geht es darum, dass sich sein Zustand stabilisiert und er gesund wird. Das ist unser Hauptinteresse. Alles andere ist momentan unwichtig“, teilte ein Sprecher mit. Zum Unfallhergang selbst könne er noch nichts sagen. Man wisse noch nicht, wie es dazu kommen konnte. In jedem Fall sei es gut gewesen, dass erst vor Kurzem in diesem Schacht eine Grubenunfallübung durchgeführt worden war.