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Berliner Investoren legen wieder los

Die Firma Thamm & Partner saniert zwei Häuser in der Görlitzer Breite Straße. Um sie war es zuletzt sehr ruhig geworden.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Görlitz. Das hinter blauen Netzen verborgene Gerüst in der Breite Straße 20/21 ist ein klares Indiz: Die Sanierung der beiden Altstadthäuser beginnt. „Die Baugenehmigung haben wir schon seit Langem vorliegen“, bestätigt Alexander Althammer, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Berliner Firma Thamm & Partner. In den kühlen Monaten seien neben dem Gerüstbau auch sämtliche Abrissarbeiten erledigt worden. „Und in circa zwei Wochen beginnen wir mit der Sanierung“, bestätigt er.

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Die Berliner haben die Häuser vor fünf bis sechs Jahren gekauft und das marodere von beiden, die um 1717 erbaute Nummer 20, vor drei Jahren mit Fördermitteln gesichert. Ein Notdach sorgt seither dafür, dass das Haus nicht weiter zusammenstürzt. Allerdings macht das Haus, zumindest von der Hofseite, nach wie vor einen erbärmlichen Eindruck. Nicht nur die Zwischendecken sind eingestürzt, auch von der Hoffassade ist nicht viel übrig. Doch immerhin ist der Schutt beräumt und die um 1862 errichtete Nummer 21 in einem deutlich besseren Zustand. „Alles, was jetzt noch steht, bleibt erhalten“, erklärt Althammer.

Bis Ende des Jahres, spätestens aber im kommenden Frühling, sollen beide Häuser – ohne neue Fördermittel – komplett saniert und bezugsfertig sein. In jedem Haus entsteht eine Wohnung pro Etage, vom Parterre bis zum dritten Stock, also acht Wohnungen insgesamt. Die jeweils obere Wohnung wird als Maisonette ausgebaut. Läden im Parterre wird es nicht mehr geben: „Dafür finden sich keine Mieter.“

Thamm & Partner planen Wohnungen für jedermann: keinen Luxus, keine Aufzüge, keine energetischen Raffinessen, wohl aber einen vernünftigen Standard mit Parkett- oder Laminatböden und einem Balkon für jede Wohnung. Nur die Parterre-Wohnungen erhalten eine Terrasse statt des Balkons. Von der Zwei-Raum- bis zur Fünf-Raum-Wohnung soll alles dabei sein. Die neuen Wohnungsgrößen liegen zwischen 40 und 140 Quadratmetern. Die Preise stehen noch nicht fest, sollen sich aber am Görlitzer Standard orientieren. „Wir wollen ganz normale Menschen jeden Alters ansprechen, nicht nur bestimmte Zielgruppen“, sagt Althammer.

Seine Firma baut in vielen Städten, vor allem in Berlin, Potsdam und Leipzig. Auch in Görlitz hat sie sich längst einen guten Ruf erarbeitet. Zwischen 2009 und 2014 hatte sie in Görlitz einige Häuser in einem sehr guten Standard saniert, beispielsweise in der Hugo-Keller-, Löbauer- und Jauernicker Straße sowie am Otto-Buchwitz-Platz. Auch die wieder hergestellte orientalische Fassade in der Konsulstraße 6 ist Thamm & Partner zu verdanken. „All diese Häuser sind noch immer in unserem Bestand und bis heute zu nahezu 100 Prozent vermietet“, bestätigt Althammer.

Dennoch war es ab 2014 um Thamm & Partner auffällig ruhig geworden. Bereits damals angekündigte Sanierungsprojekte, darunter auch die Breite Straße 20/21, die Dresdener Straße 18 und 18a, die Theodor-Körner-Straße 10, die Konsulstraße 32 und die Löbauer Straße 21, wurden nicht begonnen. Althammer bestätigt diesen Eindruck: „Das lag daran, dass wir unsere Firma intern umstrukturiert haben.“ Die Pause habe also weder etwas mit Görlitz zu tun noch mit finanziellen Problemen: „Wir sind ein finanzstarker Investor, haben aber keinen Zeitdruck, einmal gekaufte Häuser zu sanieren.“ In Görlitz sehen Thamm & Partner nach wie vor einen guten Markt. Die Stadt sei auf einigen Gebieten viel besser aufgestellt als andere Orte, etwa beim Kulturangebot oder der Gastronomie. Wenn auch noch das Kaufhaus saniert wird, sieht Althammer die Zukunft von Görlitz durchaus positiv. Auch mit der Stadtverwaltung oder dem Denkmalschutz habe es keinerlei Probleme gegeben, ganz im Gegenteil: „Die Verwaltung ist sehr daran interessiert, das Stadtbild zu verbessern, sie will wirklich etwas bewegen.“

Da die interne Umstrukturierung bei Thamm & Partner inzwischen abgeschlossen ist, will die Firma jetzt nach und nach – ohne Zeitdruck – weitere Sanierungen in Görlitz angehen. Das nächste Projekt ist die Dresdener Straße 18 und 18a. Dort hatten die Berliner im Winter 2012/13 die frühere Seifenfabrik im Hinterhaus abgerissen. „Für die Sanierung der Vorderhäuser liegt die Baugenehmigung ebenfalls längst vor“, sagt Althammer. Er will jetzt aber noch einmal wegen einer kleinen Veränderung mit der Stadt reden: „Wir wollen den Aufzug an eine andere Stelle setzen.“ Je nachdem, wie schnell sich das klären lässt, könnte die Sanierung noch dieses Jahr oder erst 2018 beginnen. Danach geht es sukzessive weiter. Insgesamt gehören Thamm & Partner in Görlitz 31 Häuser, darunter zum Großteil unsanierte Objekte. Viele Pläne sind aber noch Zukunftsmusik. Jetzt fließt erst einmal alle Kraft in die Breite Straße. „Das ist eine gute Altstadtlage, hier finden wir sicher schnell Mieter“, sagt Althammer.