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Bernstadt bekommt Birkenstock-Labor

Vier Millionen Euro investiert das Unternehmen in eine eigene zentrale Prüfeinheit. Die Wahl des Standorts hat Signalwirkung.

Von Anja Beutler

Der neue Arbeitsplatz von Stefan Kittlaus und Nicole Beitlich ist eine Baustelle. Dass hier einmal ein modernes Labor entstehen soll, ist derzeit kaum vorstellbar. Doch die Pläne stehen fest: Für vier Millionen Euro wird die Birkenstock-Gruppe auf ihrem Bernstädter Gelände ein chemisches Zentrallabor einrichten. Das bestätigte Unternehmenssprecher Jochen Gutzy gegenüber der SZ. Stefan Kittlaus wird es leiten, seine rechte Hand soll Nicole Beitlich sein. Für beide ist es eine Premiere – ebenso wie für Birkenstock selbst. Denn in der Schuhbranche ist es nicht üblich, eigene Labore zur Qualitätssicherung zu unterhalten.

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Insofern ist diese Entscheidung – so betont Jochen Gutzy – nicht nur ein deutliches Bekenntnis zum Standort Bernstadt, der aus Firmensicht in den vergangenen beiden Jahren generell „eine deutliche Aufwertung erfahren hat“. „Es ist in der Schuhindustrie auch ein ungewöhnlicher Schritt, ein eigenes Labor einzurichten“, erklärt er. Was Birkenstock zu diesem Schritt bewogen hat, ist rasch erklärt: Zum einen wolle man beim Verbraucherschutz ein sichtbares Zeichen setzen. Ohnehin habe sich die Unternehmensgruppe Standards gesetzt, die teilweise über die gesetzlich festgesetzten Grenzwerte hinausgehen, erklärt der Chef des Qualitätsmanagements der Birkenstock Gruppe, Andreas Ludwig, in diesem Zusammenhang. Zum anderen sei es aber auch wirtschaftlich sinnvoll, diese Tests ins eigene Haus zu holen, macht Birkenstock-Group-Sprecher Gutzy deutlich.

Rund 6 000 Analysen gibt der Schuhhersteller jedes Jahr bei externen Instituten in Auftrag. Rund 70 Prozent davon kommen allein aus dem Werk in Bernstadt, denn hier werden die Oberteile für die Schuhe samt Schnallen und Nieten hergestellt. Diese Obermaterialien – von Leder über Textil und Kunststoff bis zu Metall – werden zur Qualitätssicherung bei Anlieferung einer Kontrolle unterzogen. Getestet wird dabei nicht nur auf Schadstoffe, sondern auch die Strapazierfähigkeit.

Genau diese Schritte sollen ab Ende 2019 zu großen Teilen in Bernstadt möglich sein. „Sobald wir unser eigenes Labor in Betrieb genommen haben, sind wir flexibler, schneller und effizienter als bislang“, skizziert Andreas Ludwig den Effekt. Zudem sei es dann auch besser möglich, ein gewisses Material-Know-How aufzubauen, ergänzt er. Mit externen Laboren werde die Birkenstock Group dennoch weiterhin zusammenarbeiten. Dann allerdings vor allem bei speziellen Leistungen, beispielsweise, wenn es um die Ausstellung eines Prüfsiegels gehe.

Bis das eigene Labor in einem Jahr arbeiten kann, gibt es für die Baufirmen allerdings noch einiges zu tun: Ein Gebäudeteil auf dem Gelände des Schuhherstellers am Ortseingang von Bernstadt wird dafür nämlich grundlegend saniert und umgebaut. Während die Bauarbeiten im Gange sind, läuft parallel die Suche nach weiteren Mitarbeitern. Denn neben Stefan Kittlaus, der als staatlich geprüfter und promovierter Lebensmittelchemiker das Labor leiten wird, und seiner Stellvertreterin Nicole Beitlich, werden bis zu fünf weitere Laboranten gesucht. „Damit erweitert Birkenstock in Bernstadt seine Palette beruflicher Möglichkeiten gerade auch im hochqualifizierten Bereich. „Wir würden die Stellen natürlich gern mit Mitarbeitern aus der Region besetzen“, betont Unternehmenssprecher Jochen Gutzy. Man sehe sich als Unternehmen in der Verantwortung.

Bei den ersten beiden Labor-Mitarbeitern ist dieser Vorsatz immerhin gelungen: Stefan Kittlaus stammt aus Görlitz und wohnt inzwischen auch wieder dort. Er hat fünf Jahre lang in Hamburg gearbeitet, bis ihn das Angebot von Birkenstock in die alte Heimat lockte. Auch seine Stellvertreterin – ebenfalls promoviert – ist in Ostsachsen verwurzelt und hat zuvor bei der TU Dresden gearbeitet.