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Berührende Momente

Das zweite Friedensgebet in Heidenau fand gestern in der katholischen Kirche statt. Erstmals nahmen daran auch Flüchtlinge teil.

© Daniel Förster

Von Heike Sabel

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Heidenau. Machmut, Achmad, Jamail: Der Libyer, der Syrier und der Afghane haben gestern Abend in der katholischen Kirche Heidenau dafür gesorgt, dass mehrfach Beifall geklatscht wurde. Beim zweiten Heidenauer Friedensgebet sprachen die drei Flüchtlinge kurz ein paar deutsche Sätze. Vor allem bedankten sie sich, bei den netten Menschen, für die Hilfe der Stadt und des Landes. Machmut entschuldigt sich für sein noch nicht sehr gutes Deutsch. Jamail freut sich, dass seine Kinder in Schule und Kindergarten gehen können.

Die drei Männer gehören zu den 88 Flüchtlingen, die in Heidenau in Wohnungen oder in zwei Hotels leben. Gulnara Khassanova von der Caritas gehört zu denen, die sie betreuen. Sie hört ihre Geschichten. „Mir ist schon schwer beim Zuhören, aber sie haben das alles selbst erlebt, gefühlt.“

Die katholische Kirche ist voll, wie viele Menschen es sind, ist nicht wichtig, sagt Pfarrer Peter Opitz. „Wichtig ist, wie stark wir sind.“ Viele waren schon vorigen Montag beim ersten Friedensgebet in der Christuskirche dabei, andere gestern das erste Mal. Sie alle wollen nach den Ausschreitungen vor reichlich einer Woche dem friedlichen Heidenau eine Stimme und ein Gesicht geben.

Die Stunde des Gebets, des Beisammenseins, hat nicht nur Opitz als Geschenk empfunden. Es war die Zeit, in der aus Stille und Besinnung neue Kraft zu besonnenem Handeln wuchs, die sich am Ende auch in fröhlichem Beisammensein zeigte. In das Gebet wurden auch die politisch Verantwortlichen in Stadt und Land, die Polizisten und Helfer einbezogen. Auf einen guten Zusammenhalt in unserer Stadt, so hieß es.

Den braucht die Stadt nun mehr als zuvor, und sie muss ihn neu aufbauen. Er wird wachsen, wie die zwei Ölbäumchen in der Kirche. Wenn der Boden gut und locker ist, können ihre Wurzeln bis sieben Meter tief ins Erdreich reichen. Können wir dieser Boden sein?, fragte Opitz.

Wünsche werden zu Gebeten

Beim ersten Friedensgebet vorige Woche waren es die Klagen, die aufgeschrieben und vorgetragen wurden. Damals stand die Frage nach dem Woher des Hasses auf vielen Zetteln. Gestern wurden Wünsche aufgeschrieben. Der Wunsch, es möge Ruhe für die Flüchtlinge einziehen, wir mögen den Ängsten der Menschen gegen Überfremdung begegnen, der Wunsch, dass alle verstehen: Gewalt ist keine Lösung. Wir mögen stattdessen Wege finden, um nicht Zuschauer zu sein.

Der Wunsch, Fremde als Bereicherung zu sehen, wurde anschließend im Kirchgarten praktiziert. Mit Englisch, Russisch, etwas Deutsch und dem Dolmetscher erfuhren die Heidenauer etwas über die Schicksale der Männer. Des Geografielehrers aus Syrien, der seit drei Monaten verheiratet ist, des Chirurgen, des Familienvaters, der viele Jahre in der Ukraine lebte und arbeitete. Als er nach Syrien zurückkehrte, kam er in den Krieg.

Da berühren sich Himmel und Erde – das Lied wurde mehrfach gesungen. Es waren Herzen und Hände, die sich gestern berührten. Mit Worten, mit Gesten wie der Rose für die anwesenden Flüchtlinge, mit einem Prosit im Garten, einem Welcome oder Auf Wiedersehen.

Nächsten Montag findet das dritte Friedensgebet statt, dann in der Baptistengemeinde. Die Pfarrer der drei Heidenauer Kirchen haben sich zusammengetan. Peter Opitz schickte gestern noch eine Idee in die Welt der Heidenauer. Bald ist die Zeit der Erntedankfeste. Und da könnten Familien doch Flüchtlinge zu einem „richtig deutschen Mittagessen“ einladen. Es gibt ja auch etwas anderes als Schweinefleisch.

Nächstes Friedensgebet, 7. September, 18 Uhr, Baptistengemeinde Heidenau, Waldstraße

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