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Berufliche Talente gesucht

Der Martinshof Rothenburg will Jugendlichen eine Zukunft geben und investiert in die Erweiterung des Mehrgenerationenhauses.

© André Schulze

Von Frank-Uwe Michel

Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

Mit einem Projekt der individuellen Berufsorientierung beschreitet der Martinshof jetzt neue Wege. Gestern wurde das Vorhaben zusammen mit den tschechischen Partnern vom Ökozentrum Brniste nahe Liberec und dessen Trägerbetrieb Zod Brniste, einem der größten Agrarunternehmen des Nachbarlandes, der Öffentlichkeit vorgestellt. Dabei geht es nach Informationen von Diakon Andreas Drese darum, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung Lust auf Beschäftigung und Arbeit zu machen. „Jeder hat irgendwelche Fähigkeiten. Welche das sind, wollen wir zusammen mit den Beteiligten herausfinden und ihnen dann die Vielfalt der Möglichkeiten aufzeigen, die es im Berufsleben gibt.“

Angeboten werden beim Projekt „Bildung aktiv!“ in den ersten vier Schritten ein Grundorientierungskurs unter dem Motto „Ich suche meinen Traumberuf“, dazu Berufsberatung, ein Berufsfindungstag und die Vermittlung von Praktikumswochen. In 25 Bildungsmodulen, die in fünf Themenbereiche gegliedert sind, können die Teilnehmer danach austesten, was ihnen am besten liegt. So werden im Handwerk zum Beispiel Bäckerei, Korbflechterei und Tischlerei angeboten, bei den sozialen und praktischen Diensten unter anderem Nachbarschaftshilfe, Gastronomie und Dekoration. Neben der Landwirtschaft, bei der es ganz wesentlich um die Imkerei geht, stehen auch Angebote im Bereich Technik mit Reparatur- und Montagearbeiten sowie in der Kunst mit Theater, Musik und Mediengestaltung zur Wahl.

Angesprochen werden sollen mit dem Projekt die vermeintlich Schwachen und Ziellosen unter den Jugendlichen. Mädchen und Jungen, vor denen die zuständigen Mitarbeiter des Martinshofes einen Katalog an Ideen ausbreiten wollen, um sie in einem ihren Talenten entsprechenden Beruf unterzubringen.

Ziel des bis 2020 laufenden und vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung mit 1,9 Millionen Euro unterstützten Projektes, das inklusive der Eigenanteile der deutschen und tschechischen Partner ein finanzielles Gesamtvolumen von 2,3 Millionen Euro besitzt, ist auch die Sanierung beziehungsweise der Wiederaufbau zweier Gebäude. Das Ökozentrum Brniste möchte ein historisches Umgebindehaus sanieren und zur „Schule des Landlebens“ machen. Darin soll es vor allem für die landwirtschaftlichen Angebote des Projektes mehrere Schulungsräume, Werkstätten und einen Garten zum praktischen Üben geben. Auf Seiten des Martinshofes ist ein Erweiterungsbau für das Mehrgenerationenhaus vorgesehen, in dem nach der Fertigstellung die meisten der genannten Angebote stattfinden sollen. Dazu wird für knapp 400 000 Euro ein früher an dieser Stelle befindliches Stall- und Wohngebäude neu errichtet. In dem eingeschossigen Funktionsbau werden sich dann fünf Schulungsräume, ein Büro- und Konferenzraum, eine Lehrküche, Computerkabinett und Werkstatt befinden.

Für Rothenburgs Bürgermeisterin Heike Böhm ist diese Aktivität ein Glücksfall, gerade im 750. Jahr des Bestehens der Neißestadt. „Wir werden 2018 damit beginnen, den Schlossplatz umzugestalten und auch die Görlitzer Straße als Zufahrtsstraße zu sanieren. Das passt natürlich mit dem Erweiterungsbau des Mehrgenerationenhauses und den beruflichen Angeboten, die dort stattfinden sollen, perfekt zusammen.“