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Beschädigte Kunst

© Flugsportklub

Der Vandalismus an der „Görlitzer Art“ hat abgenommen. Trotzdem werden Kunstwerke immer noch beschädigt.

Von Sabrina Winter

Den richtigen Überblick hat man nur aus der Luft. Aber wer kann schon wegen der blauen und gelben Wellen am Lutherplatz in die Luft gehen? Der Görlitzer Flugsportclub hat dankenswerterweise bei einem Überflug auch eine Kamera mitgehabt und im richtigen Moment den Auslöser gedrückt. Jetzt kann man sich ein ganzes Bild von der Malerei „Spindel“ von Marianne Wesolowska-Eggimann, Karolina Kielpinska und Anna Rottau machen. Das Kunstwerk ist wahrscheinlich der unverwüstlichste Teil der Ausstellung „Görlitzer Art“, deren zehn Objekte seit Anfang April im öffentlichen Raum der Stadt gezeigt werden. Denn nur Autos können die Farbe abfahren. Andere Objekte sind leichter zu zerstören. Seit die Kunstwerke als Partnerprojekt der europäischen Kulturhauptstadt Wroclaw hier gezeigt werden, sind bereits sechs der Zerstörungswut oder der falschen Nutzung zum Opfer gefallen.

Drei Problemfälle

Besonders im Frühjahr wurden sie immer wieder stark beschädigt. Jetzt im Sommer hat der Vandalismus an den Objekten abgenommen. Das bestätigt Bettina Thiemig von der Görlitzer Stadtverwaltung. Drei Kunstobjekte bereiten der Stadt aber nach wie vor Sorgen: Zum einen ist das die „Wolkenschaukel“ auf dem Otto-Buchwitz-Platz. Sie wird regelmäßig kaputt gemacht – sei es mit Absicht oder ohne. Immer wieder reißen Leute die Schlaufen des Kunstwerks ab. Der Grund: Die Wolkenschaukel ist so konzipiert, dass man nur auf der längsten Schlaufe schaukeln kann. Einige versuchen, auch mit den oberen Schlaufen zu schaukeln und lösen dabei die Befestigung. Andererseits lud die Stadt ausdrücklich zum Gebrauch der Schaukeln ein.

Das zweite Sorgenkind steht auf dem Lutherplatz. Es heißt „Grenze“ und setzt sich aus 14 Prismen zusammen. An vier davon sind Spiegel angebracht. Unbekannte haben diese Spiegel schon im April zerschlagen. Als sie repariert wurden, klebte man eine Sicherheitsfolie auf die Oberfläche, um die Spiegel vor weiteren Übergriffen zu schützen. Das gelang nicht so recht: Im Juli mussten noch einmal zwei Spiegel ersetzt werden. Auch die kleineren Prismen haben Gebrauchsspuren – vom Wetter und von Skatern. Außerdem tragen sie Liebesnachrichten und Kritzeleien auf ihrer Oberfläche. Wegen seines abgenutzten Zustandes soll das Kunstobjekt „Grenze“ aufgearbeitet werden. Die Vorbereitungen dazu laufen.

Das letzte Objekt, das zurzeit Ärger bereitet, ist der „Puls der Stadt“ auf der Berliner Straße. Das Wetter greift das Kunstwerk an: Durch die Sonneneinstrahlung haben sich immer wieder die Tartanplatten gelöst und mussten neu befestigt werden. Im Juni verging sich das letzte Mal eine Person an dem Objekt. Sie wurde von der Polizei gestellt. Schon zuvor hatten Unbekannte die aufgestellten Stangen so bearbeitet, dass Schweißnähte aufrissen.

Momentan sind alle Objekte der Ausstellung repariert und intakt. Bisher haben die Reparaturen 380 Euro gekostet. Das war bei der Finanzierung schon eingerechnet. „Bei einer Ausstellung im öffentlichen Raum sind auch Ausgaben für Sicherheit und Reparaturen zu planen. Diese Position ist ein fester Bestandteil des Kosten- und Finanzierungsplanes“, sagt Bettina Thiemig, Projektkoordinatorin Kultur der Stadt Görlitz. Finanziert werden die Reparaturen aus Förder- und Sponsorengeldern sowie Eigenmittel der Stadt.

Bald kommt nun noch einmal Bewegung in die Ausstellung: Am 31. August zieht die „Herde“ vom unteren Elisabethplatz auf den Marienplatz. Offizielles Ende von „Görlitzer Art“ ist am 9. April 2017. Das Projekt wegen des Vandalismus an den Objekten früher zu beenden, kommt für die Stadt nicht infrage. Bettina Thiemig sagt: „Die positiven Effekte für die Stadt Görlitz überwiegen und damit hat die Ausstellung ihre Berechtigung.“

www.goerlitzer-art.eu