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„Beschämend, wie sich ein großer Teil des Publikums verhielt“

Welches Bild hat Bautzen mit der Debatte „Zurück zur Sachlichkeit“ ausgesendet? Dazu äußert sich in einem Gastbeitrag Tobias Schilling, Chef des CDU-Stadtverbandes.

Tobias Schilling ist Chef der CDU Bautzen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Das für viele verstörende Bild, das die Bautzenerinnen und Bautzener am vergangenen Freitag aus der Maria-und-Martha-Kirche sendeten, verdient einige Worte der Einordnung. Der aus meiner Sicht wichtigste Satz des Abends fiel am Ende der Veranstaltung. „Sie haben gezeigt, dass Sie sehr stolz auf Ihre Stadt sind“, so Roland Löffler von der Landeszentrale für politische Bildung.

Dieser Stolz ist in den letzten zwei Jahren massiv verletzt worden. Die pauschalen und teilweise diffamierenden Meldungen der Bloggerin Dr. Annalena Schmidt waren dafür der Grund. Dem Zorn über diese Fehlleistung in den digitalen Netzwerken wurde mit der Veranstaltung am Freitag ein analoges Ventil geboten. Dieses nutzten mehrere Hundert Bautzener und Menschen aus der Region. Aber: Eine kollektive Kränkung lässt sich nicht durch eine neue Kränkung heilen. Ich empfinde es beschämend, wie sich ein großer Teil des Publikums verhielt: mit Ausbuhen, Schmährufen und höhnischem Gelächter. Da fehlt die gute Kinderstube! Es zeigte sich, dass es keine Frau Schmidt braucht, um sich vor der versammelten lokalen und überregionalen Presse bis auf die Knochen zu blamieren. Diese Bautzener haben klar gezeigt, dass sie für einen konstruktiven Dialog nicht zur Verfügung stehen wollen – oder können.

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Die im Raum stehende These, dass sich nur Bautzener, die hier aufgewachsen sind und etwas geleistet haben, zum Beispiel Kinder bekommen haben, zu den Themen der Stadt äußern dürften, wurde von mehreren Bürgern sinngemäß vertreten. Ich lehne dies deutlich ab! Bautzen gestalten dürfen Menschen unabhängig davon, wann sie nach Bautzen gekommen sind und ob sie Kinder haben oder nicht! Für eine gute Zukunft der Stadt brauchen wir Zuzug, und vor diesem Hintergrund ist diese Einstellung ein unverzeihlicher Fehler.

Sollte ein Dialog sein

Zu den gravierendsten Fehlern des Abends gehören zudem das Format und die Rolle des Oberbürgermeisters. Das Format war auf Dialog ausgelegt. Doch es bestand – und das wusste man im Vorfeld – das Interesse der Stadtgesellschaft an einem Tribunal über Frau Schmidt, wenigstens einem Duell zwischen ihr und Hentschke-Bau-Chef Jörg Drews. Dabei war der Anlass für die Veranstaltung eigentlich ein anderer: Im Oktober 2018, nach einem Bericht des NDR über die Medienarbeit von Jörg Drews, äußerte OB Alexander Ahrens in der Sächsischen Zeitung, dass er eine öffentliche Debatte mit dem Hentschke-Bau-Chef wolle. Zitat: „Dem Medienmagazin Zapp sagte Ahrens, er wolle mit Drews über dessen Positionen diskutieren.“ Dazu sei er mit der Landeszentrale für politische Bildung im Gespräch. Es sei wichtig, „gerade auch diese Positionen, die ich mal als krude bezeichnen würde, zu widerlegen“.

Sollte OB Ahrens diesen Ansatz jemals verfolgt haben, so war in der Kirche nichts mehr davon zu spüren. Es wurde keine einzige Position von Drews diskutiert beziehungsweise durch den OB angesprochen. Der Reichsbürger-Verdacht wurde mit dem Hinweis, dass Jörg Drews Steuern zahle, durch den OB erledigt. Es scheint: Wenn Herr Drews nicht im Raum ist, dann lässt sich Kritik gut üben. Es gelingt jedoch Herrn Ahrens nicht, dies auch in Anwesenheit von Herrn Drews und unter dem Eindruck des großen Beifalls für Herrn Drews zu betreiben. Dann sind es nur noch politische Positionen, die man nicht teile.

Positiv in Erinnerung bleiben mir einige – nicht alle – Wortmeldungen von Mitgliedern des „umstrittenen“ Bündnisses „Bautzener Frieden“. Der Dialog, der zwischen dem Bündnis und dem Steinhaus Bautzen versucht werden soll, könnte eine gute Plattform für weitere Beratungen zu den durch Dr. Annalena Schmidt und Jörg Drews geäußerten Positionen sein. Diese sollten zunächst in einem kleineren Rahmen stattfinden – ohne Öffentlichkeit, und dann ausgebaut werden.

Denn eines hat der Abend am Freitag gezeigt: Großveranstaltungen mit mehreren Hundert Personen und Dutzenden Reportern tragen eher zur weiteren Spaltung der Bautzener Stadtgesellschaft bei.

Diskutieren Sie mit! Mit diesem Gastbeitrag lädt die SZ-Redaktion Bautzen zur Diskussion ein. Senden Sie uns Ihre Meinung an [email protected]

"Bautzen, wir müssen reden"  Verständigung trotz gegensätzlicher Positionen - das war das Ziel beim Bürgerforum in der Maria-Martha-Kirche. Ein Protokoll des Abends. (SZ-PLUS)

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