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Eine Uhr für besondere Neukircher

Die Gemeinde ehrt in diesem Jahr die Zwiebackfabrik und den Kulturförderverein. Die Geste kommt an.

© Uwe Eckardt

Ingolf Reinsch

Neukirch. Eine fast 20 Zentimeter hohe Tischuhr mit Neukircher Motiven steht jetzt im Büro von Olaf Jahn, Betriebsleiter der Neukircher Zwieback GmbH. Auch der Kulturförderverein „Neukircher Heimat“ konnte sich über dieses Präsent freuen, als Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde ein Unternehmen und einen Verein – stellvertretend für viele im Ort – auszeichnete. Die Gemeinde hatte die Uhren bereits vor einigen Jahren bei einem Versandhändler bestellt. Sie sind trotzdem kein Auslaufmodell, und schon gar keine Massenware. Das Ziffernblatt wurde mit ortsbildprägenden Gebäuden gestaltet. Kirche, Valtenbergturm, Rathaus und die inzwischen geschlossene Pestalozzischule sind darauf abgebildet. Sieht gut aus, sagen die Ausgezeichneten. Vor allem aber freuen sie sich, dass Engagement in und für die Gemeinde anerkannt und gewürdigt wird. Es ist das erste Mal, dass die Gemeinde Neukirch auf diese Weise wirtschaftliche und gemeinnützige Leistungen honoriert.

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Olaf Jahn, Betriebsleiter der Neukircher Zwieback GmbH, nahm eine der Auszeichnungen entgegen.
Olaf Jahn, Betriebsleiter der Neukircher Zwieback GmbH, nahm eine der Auszeichnungen entgegen. © Steffen Unger
Jens Riedel ist Vorsitzender des Kulturfördervereins.
Jens Riedel ist Vorsitzender des Kulturfördervereins. © Wolfgang Schmidt.

Gemeinderat hat entschieden

Die Entscheidung, wen sie ehrt, sei der Gemeinde nicht leicht gefallen, sagte Jens Zeiler bei der Preisverleihung. Am Ende entschied der Gemeinderat. Mit der Zwieback GmbH würdigt er ein über 100 Jahre altes Traditionsunternehmen, welches Max Hultsch im Jahr 1900 gründete. Ein Unternehmen, das Neukirch in seinem Firmennamen führt und mit seinen Produkten beiträgt, den Ort in weiten Teilen Deutschlands bekannt zu machen. Wenige Monate nach dem verheerenden Brand in der Zwiebackfabrik wurde mit der Auszeichnung aber auch der unternehmerische Mut belohnt, am Standort festzuhalten, den Schaden zu reparieren und schnellstmöglich die Produktion wieder aufzunehmen. Inzwischen sei alles wieder „im grünen Bereich, so, als hätte des den Brand nie gegeben“, sagte Olaf Jahn gegenüber der SZ. Um Produktionsrückstände infolge des Feuers aufzuholen, wurde im Dezember mehrere Wochen in drei Schichten gearbeitet. Jetzt läuft’s wieder in zwei Schichten – so, wie vor dem Brand. Kunden des Unternehmens hielten zur Stange. Die Neukircher Zwieback GmbH beschäftigt aktuell 44 Mitarbeiter.

Mit der Auszeichnung des Kulturfördervereins würdigt die Gemeinde vor allem die Leistungen der 26 Vereinsmitglieder als Organisatoren des Neukircher Weihnachtsmarktes. Hinter der eintägigen Veranstaltung steht sehr viel Arbeit – von der Planung, die im Juni beginnt, über die Auswahl von Händlern, die Arbeit am Kulturprogramm bis zum Auf- und Abbauen des Marktes auf dem Hof und in der Festscheune des Rittergutes. Ein Fest für Neukircher und Gäste, das der Kulturverein nur mit vielen Partnern – anderen Vereinen, den Kindertagesstätten und Schulen sowie der Gemeinde – auf die Beine stellen kann. Sie nehme deshalb das Geschenk stellvertretend für alle anderen Mitwirkenden am Weihnachtsmarkt entgegen, sagte die stellvertretende Vereinsvorsitzende Ute Eckhardt, als ihr die Uhr überreicht wurde.

Uhr wird die Runde machen

Jetzt tickt sie beim Vereinsvorsitzenden Jens Riedel zu Hause. Da der Verein keine eigenen Räume hat, wird sie wahrscheinlich unter den Mitgliedern die Runde machen, sagte Jens Riedel. Eine Würdigung wie diese sei ein Ansporn. Der Wert des Weihnachtsmarktes lässt sich nicht nur an der Veranstaltung festmachen. „Die Neukircher Vereine sind seitdem zusammengerückt, arbeiten jetzt besser als früher zusammen“, beobachtete Jens Riedel. Neben dem Weihnachtsmarkt organisiert der Kulturförderverein Sagenabende und Busfahrten ins Thermalbad Wiesenbad, und er gibt den Neukircher Kalender heraus.

30 Vereine gibt es in der Gemeinde. Viele hätten sich eine öffentliche Würdigung verdient, sagte Jens Zeiler. Vorgeschlagen waren unter anderem auch die Neukircher Motorsportfreunde. Ihr jährliches Motorradtreffen ist eine der größten – für die Gemeinde kostenfreien – Werbeaktionen in und für Neukirch.

Trotzdem habe er den Vorschlag, die Motorsportfreunde beim ersten Neukircher Neujahrsempfang auszuzeichnen, abgelehnt, sagte der Bürgermeister unumwunden. Schließlich war er selbst viele Jahre lang dort Vereinsvorsitzender. Nähe kann in diesem Fall auch ein Nachteil sein. Das schließt nicht aus, dass die Motorsportfreunde in einem der nächsten Jahre beim Neujahrsempfang nach vorn gebeten werden. Man darf gespannt sein, ob es dann wieder eine Uhr oder ein anderes Geschenk geben wird.