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Besonders wertvoll

Als Lucas Röser aus der 3. Liga zu Dynamo kam, waren die Zweifel groß. Doch jetzt ist er der beste Torschütze.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

Ob dieses Wiedersehen Freude macht, hängt maßgeblich vom Ausgang des Spieles ab. Die Aufregung um den Wechsel von Stefan Kutschke von Dynamo nach Ingolstadt im vorigen Sommer hat sich längst gelegt, weil die Zeit nun mal alle Wunden heilt. Wobei das nur die halbe Wahrheit ist, denn viel schwerer wiegt, dass die Dresdner den besten Torjäger der Vorsaison mittlerweile sehr gut ersetzen können: mit einer Doppelspitze.

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So sehr allerdings Moussa Koné wegen seiner fünf Treffer in sechs Spielen gefeiert wird, so wichtig ist Lucas Röser – und das vielleicht die größte Überraschung der Saison. Als der blonde, schmale Jüngling von der befreundeten Sportgemeinschaft in Großaspach nach Dresden kam, traute ihm kaum jemand zu, dass er sich gegen die meist kantigen Verteidiger in der 2. Bundesliga behaupten wird. Der typische bullige Mittelstürmer sei er nicht und werde es vermutlich nicht mehr, meinte er dazu scherzhaft. Sicher, er hatte Respekt vor der Aufgabe, traute die sich aber zu. „Ich bin überzeugt, dass ich es fußballerisch drauf habe, auch wenn die Gegenspieler stärker sind“, meinte Röser bereits während der Vorbereitung im Sommer.

Jetzt ist der Stürmer mit neun Toren Dynamos bester Schütze, hat zudem vier Treffer vorbereitet wie den zweiten gegen Heidenheim. Allein diese Szene reicht, um jeden Zweifel an seinem Durchsetzungsvermögen zu zerstreuen. „Meine Sprungkraft ist sehr gut“, nannte der 1,84 Meter große Röser eine seiner Stärken – und die kommt jetzt zum Tragen, wenn Dynamo den Ball auch mal lang nach vorn schlägt. Das Kopfballduell gegen John Verhoek hat er jedenfalls gewonnen und so Koné in Szene gesetzt. Zum zweiten Mal führte das Zusammenspiel direkt zu einem Treffer, an den anderen sieben Toren in diesem Jahr war immer einer von beiden beteiligt.

Was Röser so wertvoll macht, und das auch in Phasen, in denen er selber seltener zum Abschluss kommt: Er geht keinem Zweikampf aus dem Weg, im Gegenteil, er läuft viel, um präsent zu sein. Dadurch ist er so gut wie immer anspielbar. Er beschreibt sich selbst als einen Stürmer, der mitspielen will, dem Ball öfter entgegengeht und dann den Lauf in die Tiefe macht. Auch deshalb hat er den internen Konkurrenzkampf mit Peniel Mlapa für sich entschieden. Wenn nun Pascal Testroet nach Kreuzbandriss neu angreift, muss er Röser erst verdrängen.

Der 24-Jährige wurde in Ludwigshafen geboren und spielt Fußball, seit er sich auf den Beinen halten kann, wie er erzählte. Wenn der Vater und die beiden älteren Brüder im großen Garten am Haus gekickt haben, wuselte er mit rum. Martin (27) spielt inzwischen beim Halleschen FC, Peter (29) arbeitet bei Microsoft. Von klein auf hat Dynamo Lucas Röser zwar nicht schon im Blick, aber doch sehr lange. Bereits als er im Nachwuchs von Mainz 05 spielte, wo er in der zweiten Mannschaft mit 17 seinen ersten Regionalliga-Einsatz hatte, stand er unter Dresdner Beobachtung. Auch, als er nach Hoffenheim wechselte, verfolgte Kristian Walter seine Entwicklung. „Ich habe ihn zehn-, fünfzehn Mal live gesehen“, sagte Dynamos Chefscout.

Bevor andere zuschlagen können

Wenn er einen Spieler als interessant einstuft, schaut ihn sich Sportdirektor Ralf Minge an. „Bei Lucas waren wir überzeugt: Er bringt so viel technische Qualität und Spielintelligenz mit, dass er uns helfen kann“, meinte Walter. „Im Sommer waren wir uns sicher, dass er jetzt den nächsten Schritt gehen kann.“ Röser hatte mit 14 Toren und fünf Vorlagen in der 3. Liga auch andere Vereine auf sich aufmerksam gemacht, sodass der Handlungsdruck für Dynamo gestiegen war. Für etwa 80 000 Euro Ablöse war der Angreifer geradezu als Schnäppchen zu haben.

Dass er anfangs an Kutschke gemessen wurde, hat Röser nicht als Druck empfunden. „Grundsätzlich kann ich mich mit ihm nicht vergleichen, kein Spieler ist gleich, jeder hat seine eigenen Fähigkeiten.“ Er ist nicht die erste Offensivkraft, die aus einer unteren Liga kommt und bei Dynamo einschlägt. Wer kannte in Dresden Joshua Kennedy, als der Australier nach dem Aufstieg 2004 von der zweiten Mannschaft des 1. FC Köln kam? In zwei Jahren traf er insgesamt 14-mal für Schwarz-Gelb.

Oder Alexander Esswein. Der gehörte zwar – wie später Justin Eilers – zwar zum Bundesliga-Kader des VfL Wolfsburg. Beide schossen ihre Tore jedoch für die Amateure in Liga vier. Für die SGD war Esswein in der 3. Liga in 31 Spielen 17-mal erfolgreich, Eilers in 74 Partien 42-mal und ein Aufstiegsgarant. Oder Kutschke. Der hatte vor seiner Leihe zu Dynamo in Nürnberg auch nur in der Zweiten getroffen und seine beste Trefferquote 2011/12 mit 13 Toren für RB Leipzig gehabt – in der Regionalliga.

Wenn es am Sonntag in Ingolstadt also zum Wiedersehen mit dem Ex-Torjäger kommt, braucht sich Röser keinesfalls zu verstecken, zumal Kutschke für seinen neuen Verein erst fünfmal getroffen hat. Für die Dynamo-Fans dürfte es gut zu wissen sein, dass Röser einen Vertrag für drei Jahre bis 2020 unterschrieben hat. Zum ersten Mal ist er weiter als eine Autostunde weg von zu Hause. „Ich musste einfach mal das richtige Leben kennenlernen“, erklärte er im Interview mit dem Stadionmagazin Kreisel. Seine Freundin Julia, die Wirtschaftspädagogik studiert, ist zu ihm nach Dresden gezogen. Sein Bekenntnis im Kreisel: „Es ist eine Freude, bei einem Verein wie Dynamo spielen zu dürfen.“

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