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Besorgnis flaut ab

Das wäre vor wenigen Monaten noch undenkbar gewesen. Kommt ein Flüchtlingsboot, und kaum jemand protestiert.

© André Wirsig

Von Andreas Weller

Falsche Zeit, falscher Ort, falsches Thema? Diese Woche lag ein Flüchtlingsboot im Neustädter Hafen. Eigentlich ein Garant für wilden Protest – Schreihälse, die das Boot anbrüllen. Sollte man denken, gerade so kurz vor der Bundestagswahl.

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Aber Dresden ist auch nicht mehr das, was es mal war. Statt Massenprotest kamen ein paar wenige, die sich darüber aufregten. Dabei hatten die Verantwortlichen eigentlich fast alle notwendigen Zutaten beisammen, um den Reflex der besorgten Bürger auszulösen: Es ging an einem Dienstag los, wie im Februar mit den hochkant gestellten Bussen „Monument“ und im April mit der Kugel „Denkmal für den permanenten Neuanfang“ auf dem Neumarkt. Es ging ums Thema Flucht – wie bei den Bussen. Gut, es war nicht der Neumarkt, aber trotzdem gibt diese Pöbel-Flaute zu denken.

Gibt es keine Menschen mehr in Dresden, die ihre Ängste und Sorgen nicht ernst genommen fühlen? Gehen sie aus Besorgnis gar nicht mehr raus? Haben sie möglicherweise den Neustädter Hafen einfach nicht gefunden? Sind sie zu beschäftigt damit, Wahlplakate zu bemalen? Ist plötzlich das Niveau gestiegen, und es wird nicht mehr in der Öffentlichkeit gepöbelt? Fragen über Fragen. Die meisten davon können schlicht mit Nein beantwortet werden. Aber gerade deshalb sorgt man sich ja besonders.