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Besserer Lärmschutz an der A 14

Eine Vorrichtung soll gleichzeitig als Stromerzeuger dienen. Das freut alle – außer die Kleingärtner im Baugebiet.

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© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Deutschenbora. Lange wurde abgewägt, diskutiert, wurden Pläne aufgestellt und wieder verworfen, Kosten gedrückt. Jetzt ist im Hinblick auf den Bau einer Lärmschutzwand im Nossener Stadtteil Deutschenbora zwischen dem Wohngebiet an der Wilsdruffer Straße und der Autobahn 14 ein wichtiger Schritt getan worden.

Denn der Nossener Stadtrat hat einem konkreten Bebauungsplan für eine etwa 700 Meter lange Lärmschutzwand mit integrierter Photovoltaikanlage zugestimmt. Damit kommt der Rat dem Wunsch der Deutschenboraer Bürgerinitiative Lärmschutz Autobahndreieck Nossen nach, die sich seit Jahren für eine Schutzmauer einsetzt. Dafür hatten sie bereits 2014 mehrere Messungen entlang der Autobahn durchgeführt und festgestellt, dass die zumutbaren 80 Dezibel permanent überschritten werden. Zusammen mit der Dresdner Firma Cygrus Energie GmbH ist es den Bürgern daraufhin gelungen, ein Projekt auf die Beine zu stellen, das Lärmschutz und Stromgewinnung vereint.

Strom für 500 Haushalte

Die Firma Cygrus errichtet für Investoren und den eigenen Bestand neben Blockheizkraftwerken auch Solaranlagen und verkauft den erzeugten Strom an private Endverbraucher und Gewerbetreibende.

„Das hat gleich mehrere Vorteile“, sagt Christian Wirth, Vorsitzender der Bürgerinitiative. „Die Anlage erzeugt über 1,5 Megawatt im Jahr. Dadurch können 500 Haushalte und Unternehmen versorgt werden.“ Hinzu kommt ein um etwa fünf Dezibel reduzierter Schallpegel. Für Deutschenbora sieht das Konzept vor, dass die neue Anlage an institutionelle Investoren und Kleinanleger verkauft wird. Die Kosten betragen rund 1,5 Millionen Euro.

Die an die Schutzwand angebaute Photovoltaikanlage soll laut stellvertretendem Bürgermeister Frank Beger (CDU) durch eine noch zu bildende Genossenschaft gepachtet werden, die den Strom dann an umliegende Haushalte verkauft. Der Preis pro Kilowattstunde soll bei 21,5 Cent liegen. „Mit dieser Variante könnten die Anlagenbetreiber ihre produzierten Strommengen über die sogenannte regionale Direktvermarktung absetzen“, erklärt Frank Beger. Das bedeutet, dass der eingespeiste Strom aus erneuerbaren Energien nicht an der Strombörse gehandelt, sondern an die jeweiligen Abnehmer direkt veräußert wird. „Das klingt ja alles gut und schön“, sagt ein Deutschenboraer Kleingärtner. „Aber wer hat eigentlich an uns gedacht?“ Einige Parzellen liegen auf einem Teilstück südlich der Auffahrt zur A 14 in Deutschenbora an der verlängerten Wilsdruffer Straße. Auch hier soll noch ein Stück der Schallschutzwand entlang verlaufen, würde also auf die Grundstücke ausgreifen.

„Es wird jetzt Verhandlungen der Investor-Firma mit den Kleingärtnern geben“, beruhigt Beger. Angeboten werden könnten entweder Entschädigungen für Flächenverluste durch die Bauarbeiten oder Ersatzflächen an anderer Stelle. Dass das Interesse der Gartenfreunde in jedem Fall gewahrt bleiben soll, darauf konnten sich die Stadträte einigen. Den Beschluss zum Bau der Lärmschutzwand haben sie mit dem Zusatz ergänzt: „Die Interessen der Kleingärtner sind zu berücksichtigen.“

Zunächst auf 350 Metern

Weil vonseiten der Stadt noch nicht alle Fragen hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse auf der zu bebauenden Fläche geklärt sind, soll zunächst nur ein Bauabschnitt auf einem etwa 350 Meter langen Teilstück erfolgen.

Dieses befindet sich in unmittelbarer Nähe der Anschlussstelle Nossen-Ost und verläuft parallel zur Autobahn. „Im zweiten Abschnitt wird dann die Lärmschutzwand in Richtung Osten bis zur Bahnstrecke weitergebaut“, sagt Frank Beger. Wann es mit dem Bau richtig los geht, sei indes noch nicht sicher. „Wir haben mit unserem Beschluss jetzt erst einmal die Planung zum Bauvorhaben konkretisiert und die rechtlichen Voraussetzungen für die Schutzwand geschaffen“, so der stellvertretende Bürgermeister weiter.

In der Bürgerinitiative ist man über die Unterstützung der Stadt froh. „Der Aufstellungsbeschluss eines Bebauungsplans war Grundvoraussetzung für das Projekt. Damit hat die Stadt ein wichtiges Zeichen in unserem Sinn gesetzt“, sagt Christian Wirth erfreut.

Jetzt gelte es schnell Einigung mit Grundstücksbesitzern und den betreffenden Kleingärtnern zu erlangen, damit der Bau der Lärmschutzwand möglichst zeitnah realisiert werden könne.