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Besserer Personalschlüssel nötig

Eine Dreijährige fällt beim Kita-Ausflug in den Stausee. Der Bautzener Markus Gießler setzt sich seit Langem für mehr Personal in Kindereinrichtungen ein.

© Steffen Unger

Herr Gießler, Sie kämpfen seit Jahren für mehr Erzieherstellen in Kitas. Nun ist ein Mädchen bei einem Ausflug in den Bautzener Vorstau gefallen. Ist das Unglück eine Folge des aktuellen Personalschlüssels in Sachsens Kitas?

Es ist, soweit die Polizei nichts anderes feststellt, ein tragischer Unfall. So ein Unfall ist der schlimmste Albtraum des Erziehers, der Einrichtung und der Träger. Kitas sind Orte der Entfaltung, der Erziehung und des Lernens. Erzieher schaffen mit den aktuellen personellen und materiellen Voraussetzungen Heldenhaftes in einem Land, das sich mehr um die Wirtschaft kümmert. Auch deshalb ist der Unfall so tragisch, weil er verdeutlicht, dass immer und überall etwas passieren kann.

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In den Foren wird teils heftig über die Erzieherinnen geschimpft, die den Ausflug gemacht haben - zu Recht?

Diese Kommentare habe ich aufmerksam gelesen und bin über die Uninformiertheit, Dreistigkeit und regelrechte Dummheit einiger Bürger zutiefst erschüttert. Über die Beschimpfungen und Vorverurteilungen habe ich mich am meisten aufgeregt. Ohne den Polizeibericht abzuwarten, ohne die Untersuchungen und Zeugenaussagen zu hören, wird den Erzieherinnen die Schuld zugeschoben. Das ist einfach schrecklich und menschlich absolut zum Kotzen. Es ist schade, dass durch einen so tragischen Unfall eine hervorragende Einrichtung mit einer kompetenten, aufrichtigen und menschlichen Leiterin, die ich durch die Vernetzungstreffen kenne und die in einem schwierigen Viertel mit Inklusion und Integration ausgezeichnete Arbeit leistet, herabgewürdigt wird. Ich rufe alle dazu auf, die Ermittlungen abzuwarten.

Wer ist jetzt aufgefordert zu handeln?

Ganz eindeutig und klar: Das Land Sachsen. Das Kultusministerium und die Regierung aus CDU und SPD rühmen sich der großartigen Verbesserung des Betreuungsschlüssels in Sachsen – statt bisher 13 Kinder kommen seit vergangenen September auf einen Betreuer 12 Kinder. Die Einrichtungen merken aber real von dieser Änderung nichts. Wir fordern nach wie vor eine echte Verbesserung des Schlüssels von mindestens 1 zu 4 in der Krippe, 1 zu 10 im Kindergarten und 1 zu 16 im Hort.

Sie sind ein scharfer Kritiker des Betreuungsschlüssels in Sachsen, der bundesweit einer der schlechtesten ist …

Ja, schließlich geht es um unsere Kinder, um unsere Zukunft. Wir müssen endlich was dafür tun, dass junge, gut ausgebildete Familien in der Region bleiben und hier eine hervorragende Betreuung finden. Bildung fängt nicht in der 1. Klasse an, sondern beginnt mit der Geburt und muss ständig vom Staat gefördert werden.

Es gibt keine Richtlinie für die Aufsicht bei Ausflügen - wie beurteilen Sie das?

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Die braucht es auch nicht zwingend. Wenn der Personalschlüssel verbessert wird, dann gibt es auch mehr Erzieher auf die einzelnen Kindergruppen. Auf keinen Fall dürfen jetzt Verbote für Ausflüge an Gewässer oder generelle Verbote von Wanderungen oder Ähnlichem erlassen werden. Denn wie sollen die Kinder sonst ihre Umwelt kennenlernen? Dies ist auch Forderung des Bildungsplanes. Sicherlich ist es auch hilfreich, wenn Eltern in Ausflüge einbezogen werden können, aber Grundvoraussetzung sollte ein um mehrere Stellen verbesserter Betreuungsschlüssel sein.

Gespräch: Madeleine Arndt