merken

Beste Chancen für Lehrlinge in Sachsen

Drei von vier Auszubildenden werden sofort übernommen. Dennoch bleiben Zehntausende Stellen für Fachkräfte frei.

© dpa

Von Georg Moeritz

Dresden. Wer seine Ausbildung in Sachsen absolviert, hat von Jahr zu Jahr höhere Chancen auf Übernahme in seinem Lehrbetrieb. 73 Prozent aller Absolventen bekamen voriges Jahr gleich eine Stelle im Ausbildungsbetrieb, im Jahr davor waren es 71 Prozent. Die Übernahmequote in Sachsen ist nun auf Rekordniveau. Sie ist höher als die in Ostdeutschland insgesamt und auch höher als die westdeutsche.

Anzeige
Heute Abend: Der Palais Sommer LIVE
Heute Abend: Der Palais Sommer LIVE

Die Mediathek von sächsische.de präsentiert heute Abend das Wohnzimmerkonzert unterm Sternenhimmel im Livestream.

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) berichtete am Donnerstag, viele sächsische Betriebe hätten mit Beschäftigungszuwachs und Fachkräfteengpass zu tun. In den Jahren um 2004 wurde nicht einmal die Hälfte der ausgebildeten Lehrlinge in Sachsen übernommen. Damals bildeten allerdings viele Betriebe über den eigenen Bedarf aus. Inzwischen orientieren sie sich stärker an den freien Stellen, sagte Klaus-Peter Hansen, Chef der Landesarbeitsagentur Sachsen.

Vor allem in der Pflege und in Teilen der Industrie ist der Bedarf an Fachkräften hoch – und damit die Übernahmequote nach der Ausbildung. Maschinenbau, Metallbearbeitung und auch öffentliche Verwaltung bilden kaum über ihren Bedarf aus, übernehmen aber möglichst ihre Lehrlinge nach bestandener Prüfung. Höher ist das Risiko, nicht übernommen zu werden, laut Arbeitsagentur-Statistik etwa bei Malern und Lackierern, in Gastronomie und Handel, bei Friseuren und in der Logistik. Doch „meist gelingt ein nahtloser Übergang“, schreibt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB).

Wer nicht gleich übernommen wird, hat laut Agenturchef Hansen in Sachsen dennoch „recht gute Chancen“ auf eine Stelle. „Händeringend“ würden Fachkräfte gesucht. Den Beleg liefert das IAB-Betriebspanel für 2016, eine Umfrage bei jedem hundertsten sächsischen Betrieb. Demnach wurden in der ersten Hälfte des vorigen Jahres zwar 75 000 Fachkräfte in Sachsen eingestellt. Aber 45 000 Fachkräftestellen blieben unbesetzt – 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die „Besetzungsprobleme“ haben laut IAB in ganz Deutschland zugenommen, wobei Sachsens Betriebe wesentlich größere Schwierigkeiten als ihre westdeutschen Konkurrenten haben.

Ein Teil der Betriebe zieht daraus Lehren, die auch Minister Dulig empfiehlt: Der Anteil tarifgebundener Betriebe in Sachsen ist erstmals seit Jahren leicht gestiegen, auf 18 Prozent. Nun arbeiten 43 Prozent der Beschäftigten in Betrieben mit Tarif, im Westen 58 Prozent. Jeder zehnte Betrieb in Sachsen beschäftigt ausländische Arbeitskräfte, im Westen sind es 27 Prozent. Dulig riet, Vorurteile abzubauen – sowohl gegen Langzeitarbeitslose als auch gegen Ausländer. „Vielfalt bereichert“, sagte er.