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Bestohlener fahndet auf eigene Faust

Aus Mirco Nitzsches Garage sind Fahrräder und Zubehör im Wert von 13 000 Euro geklaut worden. Nun setzt er auf das Internet.

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© privat

Von Eric Weser

Gröditz. Ein breites Grinsen, den Daumen nach oben. Auf einem Foto, das ihn vorigen Sonnabend bei der Fahrradmesse „Eurobike“ zeigt, hat Mirco Nitzsche noch gut Lachen. Was der Gröditzer bei seinem Aufenthalt in Friedrichshafen nicht ahnt: Daheim in Gröditz brechen Unbekannte in seiner Garage ein. Die Täter machen fette Beute: vier Fahrräder, darunter zwei hochwertige Carbon-Rennräder mit elektrischer Schaltung. Daneben zwei Motorradhelme, Motorrad-Handschuhe, Radfelgen und Fahrrad-Schuhe. Gehe man von Neupreisen aus, summiere sich der Schaden auf 13 000 Euro, sagt Mirco Nitzsche, dem gerade nicht nach Lachen zumute ist.

Nach der Rückkehr aus dem Süden bemerkt der Zimmermann den Einbruch und zeigt ihn an. Die Polizei hat inzwischen die Ermittlungen wegen besonders schweren Diebstahls aufgenommen, heißt es auf Anfrage. Auf die Kriminalbeamten allein will sich Mirco Nitzsche nicht verlassen. Der 33-Jährige hat Fotos der gestohlenen Gegenstände auf seine Facebook-Seite gestellt und bittet um Hilfe. „Wer irgendetwas mitbekommen hat oder die Gegenstände sichtet; bitte bei mir melden.“ Tippgeber würden „gut entlohnt“, verspricht er.

Bei der Polizei hat man gegen solche Privatfahndungen nichts einzuwenden. „Das kann hilfreich sein“, so eine Sprecherin. Zumal es der Polizei selbst nicht möglich sei, Fotos von den gestohlenen Sachen zu veröffentlichen. Was die Chancen angeht, dass Mirco Nitzsche die geklauten Dinge wiedersieht, ist die Polizeisprecherin zwiegespalten. Wenn sie nicht gerade zerschlachtet werden, könnten die Räder wieder auftauchen, da sie über ihre Rahmennummer identifizierbar sind. Deutlich schwieriger dürfte es bei den Helmen und Handschuhen werden, die nicht so eine individuelle Nummer haben.

Ein Einzelfall ist der Einbruch in die Garage von Mirco Nitzsche in Gröditz nicht. Es gebe hin und wieder solche Vorfälle im insgesamt 400 Garagen zählenden Komplex an der Wainsdorfer Straße, sagt der Chef der dortigen Garagengemeinschaft, Jürgen Wartner. „Das lässt sich auch nicht zu 100 Prozent vermeiden.“ Über den Einsatz von Kamera-Überwachungstechnik für das Garagengelände sei schon mal nachgedacht worden. Wegen rechtlicher Hürden wurde der Plan aber verworfen. Seinen Garagenbesitzern rate der Verein zu einer anderen Maßnahme gegen Diebstähle: ordentliche Torschlösser. Die seien vergleichsweise günstig – vor allem im Verhältnis zum möglichen Schaden bei einem Einbruch, so Jürgen Wartner. Trotzdem gebe es viele, die noch auf alte Schlösser setzen. „Solche aus DDR-Zeiten, die kann man mit der Haarnadel aufmachen.“

Auch Mirco Nitzsches Garagenschloss war nicht das Beste, gibt er zu. Seine teuren Räder habe er aber in der Garage noch mal extra gesichert gehabt, mit einem Stahlseil. Das hätten die Diebe mit einem Bolzenschneider zerknackt, so der 33-Jährige. Er gehe davon aus, dass die Täter zielgerichtet vorgegangen sind. Er könne sich auch vorstellen, dass die Unbekannten ihn sogar im Vorfeld beobachtet haben.

Der beiden Rennräder beraubt, muss Mirco Nitzsche beim nächsten Wettkampf auf ein Ersatzrad zurückgreifen, das ihm sein Cousin zur Verfügung stellt. Ein Eigenes habe er vorerst noch nicht. Jetzt müsse er sehen, was die Versicherung zahlt.

Ein bisschen Glück im Unglück hatte der leidenschaftliche Zweiradfahrer bei dem Einbruch trotz allem: Sein Motorrad, das ebenfalls in der Garage stand, haben die diebischen Einbrecher stehenlassen.