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Besuch vom Lebensretter

Der Waldheimer Thomas Gückel hatte eine Vorstufe der Leukämie. Sein Leben verdankt er einer Stammzellenspende.

© Frank Korn

Von Frank Korn

Waldheim. Die beiden Männer, die da Arm in Arm auf dem Waldheimer Rathausturm stehen, kennen sich erst seit einem reichlichen Jahr. Und doch haben beide eine besondere Verbindung. Der eine, Thomas Gückel aus Waldheim, schwebte aufgrund einer Erkrankung des Knochenmarks in Lebensgefahr. Der andere, Christian Geschwentner aus Bayern, half ihm mit einer Stammzellenspende.

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Es war im Jahr 2014, als Thomas Gückel feststellte, dass er immer wieder blaue Flecken am Körper hatte. Zudem fühlte er sich nicht wohl. Seine Frau Petra, die als Krankenschwester arbeitet, nahm eine Blutprobe mit. Als das Ergebnis der Analyse bekannt wurde, musste Thomas Gückel nach Leipzig, wo der Verdacht auf das myelodysplastische Syndrom, eine Erkrankung des Knochenmarks, bestätigt wurde. „Es handelt sich um eine Vorstufe der Leukämie. Die Thrombozyten, die roten Blutkörperchen, wurden in meinem Körper nicht mehr produziert. Der Wert beträgt im Normalfall 300, bei mir waren es nur noch zwölf“, erklärt Thomas Gückel.

In Leipzig wurde Gückel auf die Hämatologie-Station eingewiesen. Er konnte an einer Studie für eine neue Tablette teilnehmen. Zudem bekam er Bluttransfusionen. In der Studie war Thomas Gückel jedoch in der Gruppe, die nicht das Medikament, sondern nur ein Placebo bekommen hatte. Die Ärzte entschieden, dass nun doch eine Knochenmarkspende erforderlich war. Die Suche nach einem Spender war schon angelaufen. Zunächst kam jemand aus Leipzig in die engere Wahl, doch die Werte von Christian Geschwentner aus Bayern waren noch besser geeignet.

Zunächst war es aber gar nicht so einfach, den potenziellen Spender zu erreichen. Christian Geschwentner war mit seiner Frau Daniela auf Hochzeitsreise auf den Malediven. „Ich hatte auf dem Handy gesehen, dass mich eine Münchener Nummer angerufen hat. Per E-Mail habe ich dann erfahren, dass ich dringend gebraucht werde“, erinnert sich der 34-Jährige. Sofort nach seinem Urlaub habe er sich gemeldet. Eine Woche nach der Rückkehr war die Vorkontrolle. Mitte Februar 2015 spendete Christian Geschwentner die Stammzellen, wobei die Methode der peripheren Entnahme angewendet wurde. Dabei wird das Blut des Spenders in einem ständigen Kreislauf aus einer Armvene durch einen Zellseparator geleitet und wieder zurückgeführt. Passiert ist das in einer Klinik in Gauting bei München, danach wurde der wertvolle Stoff nach Leipzig transportiert, um bei Thomas Gückel eingesetzt zu werden.

Gückel wollte wissen, wer ihm geholfen hat. Doch erst nach einer Frist von zwei Jahren durfte er die Anfrage stellen. Da auch sein Lebensretter den Kontakt suchte, bekam Thomas Gückel Adresse und Telefonnummer von Christian Geschwentner. Obwohl ein Anruf nach Ansicht der Fachleute nicht die beste Variante ist, nahm Gückel den Hörer in die Hand und meldete sich bei seinem Spender. „Es hat gleich gepasst, wir haben uns sofort gut verstanden“, sagt Gückel. Im Frühjahr 2017 fuhr Thomas Gückel mit seiner Frau ins Allgäu, um Christian Geschwentner zu besuchen. Im Dezember waren Gückels ein weiteres Mal in Bayern, nun statteten Christian Geschwentner, seine Frau Daniela und Söhnchen Manuel einen Gegenbesuch in Waldheim ab. Auf dem Programm stand auch eine Besichtigung des Rathauses. „Unser ehemaliger Bürgermeister Steffen Blech, hat mir angeboten, die Führung zu machen. Das kam bei unseren Gästen natürlich gut an“, freute sich Gückel.

Es geht den Umständen entsprechend, sagt Thomas Gückel über seinen derzeitigen Gesundheitszustand. Bäume könne er keine ausreißen, aber er versuche alles, um wieder völlig gesund zu werden. Allerdings wurden bei der Chemotherapie, die vor der Stammzellentransplantation durchgeführt wurde, Nerven beschädigt, sodass er jetzt Probleme mit den Füßen hat. „Deshalb kann ich relativ schlecht laufen. Aber das sind halt Folgen, die ich in Kauf nehme. Ich bin trotzdem zufrieden“, so Gückel.

Bevor es zu einer Stammzellenspende kommt, ist eine Registrierung in einer Knochenmarkspenderdatei erforderlich. „Wir haben uns 2009 typisieren lassen. Damals wurde in Kempten nach einem Spender für einen anderthalbjährigen Jungen gesucht“, erinnert sich Geschwentner. „Dass ich nun einem Menschen helfen konnte, freut mich natürlich. Es ist wichtig, dass es solche Aktionen gibt“, so Christian Geschwentner. Thomas Gückel kann ihm nur beipflichten. „Ich bin unheimlich dankbar. Einmal natürlich für die Spende, aber auch dafür, dass wir neue Freunde gefunden haben.“