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Betreten verboten

Niesky sperrt erneut Unterrichtsräume wegen Schadstoffen. Eltern und Lehrer zeigen sich besorgt.

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© André Schulze

Von Alexander Kempf

Christian Stoppiera ist zutiefst besorgt. Der Elternsprecher aus Waldhufen fragt Nieskys Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann, ob Eltern ihre Kinder künftig überhaupt noch guten Gewissens an die Nieskyer Oberschule schicken können. Denn dort sind Anfang August erneut die zulässigen Grenzwerte für Formaldehyd in mehreren Fachkabinetten überschritten worden. Der Schadstoff gilt als krebserregend. „Wir haben uns zutiefst erschrocken. Wie soll das weitergehen?“, fragt Christian Stoppiera. Die Verunsicherung bei den Eltern sei groß.

Die Mütter und Väter sind auch deshalb so nervös, weil die Kabinette schon einmal wegen überschrittener Grenzwerte gesperrt worden sind. Doch nach der ersten Schrecksekunde im vergangenen Jahr hat die Stadt geglaubt, das Problem mit intensivem Wischen und regelmäßigem Lüften in den Griff zu bekommen. Bis zu den Sommerferien seien die Formaldehyd-Werte auch tatsächlich stetig gefallen. Doch als am 4. August in zwei Räumen Kontrollmessungen erfolgten, lagen die Werte einmal mehr über dem zulässigen Grenzwert.

Doch das ist lange nicht öffentlich bekannt geworden. „Es ist traurig, dass es nicht mehr Informationen gab“, kritisiert etwa CDU-Stadtrat Hartmut Schuster. Er ist genau wie SPD-Stadtrat Harald Prause-Kosubek im Vorfeld von besorgten Bürgern angesprochen worden, konnte aber keine Auskunft geben. Laut der Stadtverwaltung habe es zuletzt am 25. August eine Messung in den Räumen der Oberschule gegeben. Dabei sei der Grenzwert zwar nicht überschritten worden, doch die ermittelten Werte lagen auch nicht weit darunter.

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Auch weil Schüler und Lehrer weiter über unangenehme Gerüche klagten, hat die Stadt die Kabinette nun am Freitag in Absprache mit der Schulleitung und dem Gesundheitsamt geschlossen. „Wir werden die Sperrung bis zu den Herbstfesten aufrechterhalten“, versichert Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann den besorgten Eltern und Lehrern am Montagabend im Stadtrat.

Das weitere Vorgehen will die Stadt von neuen Ergebnissen abhängig machen. Laut Oberbürgermeisterin Beate Hoffmann sollen weitere Stoffe untersucht werden, auch sollen die Möbel aus den Kabinetten genommen werden. Betroffen sind die Computerräume und die Werkräume sowie das Nähkabinett. Die Stadtverwaltung hat sich bereits um Ausweichräume bemüht, damit die entsprechenden Unterrichtsfächer nicht ausfallen. Für den Werkunterricht sollen die Oberschüler ab sofort Räume des Gymnasiums nutzen. Um den Informatikunterricht abzusichern, prüft Niesky zudem den Kauf mehrerer Laptops. Auch soll im Anbau der Oberschule eine Trennwand eingezogen werden, damit die Schüler dort nähen können.

Denn überraschenderweise tritt das Problem mit den erhöhten Formaldehyd-Werten außerhalb der betroffenen Unterrichtsräume, also im Essensbereich und dem Mehrzweckraum, nicht auf. Die Stadt steht nach eigenen Aussagen selbst vor einem Rätsel. „Die Geruchsbelästigung ist für uns nicht zu erklären“, sagt Beate Hoffmann. Bei Untersuchungen 2015 konnte nicht herausgefunden werden, wodurch genau die Gase in den Fachkabinetten entstehen. „Uns wäre auch lieber gewesen, es hätte am Fußboden gelegen und wir hätten ihn rausgerissen, um das Problem zu lösen“, so die Oberbürgermeisterin.

Stadtrat Hartmut Schuster will sich damit aber noch nicht zufriedengeben. „Wenn alles für den Geruch verantwortlich ist, dann muss auch alles raus“, sagt er. Zumindest auf die Schließung der Fachkabinette können sich alle verständigen. „Danke, dass Sie reagiert haben, das ist eine heikle Sache“, sagt eine Frau aus Jänkendorf. Denn die Formaldehyd-Werte sind ja zuletzt erhöht gewesen, haben sich aber in den zulässigen Grenzen bewegt. Die Stadt hatte bei ihrer Entscheidung also einen Ermessensspielraum.

Stadtrat Harald Prause-Kosubek drängt darauf, dass die Verwaltung künftig schneller den Rat und die Bevölkerung über die Entwicklung informiert. Die Oberbürgermeisterin will den Fall nun zeitnah mit dem Landkreis Görlitz untersuchen.