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Feuilleton

Betreutes Denken in der Keule

Mit ihrem neuen Best-of-Stück beweist die Herkuleskeule erneut, dass sie eine erste Adresse für bestes politisches Kabarett ist.

Nancy Spiller und Alexander Pluquett sind die ideale Besetzung für die bösen Nummern. © Herkuleskeule
Nancy Spiller und Alexander Pluquett sind die ideale Besetzung für die bösen Nummern. © Herkuleskeule © Herkuleskeule

Zwei verlorene Figuren auf der Bühne. Sie wirken wie aus der Zeit gefallen. Zwei Heimatlose in zerschlissenen schwarzen Fräcken. Sie leben auf einem Boot, schauen vom Bug herab, gehen öfter an Land. Singen sehnsuchtsvoll das Georg-Kreisler-Lied vom Dörflein Samoa, wo Heiterkeit und Freude herrschen. Die beiden sind auf der Suche nach Schönheit, Freundlichkeit und Frieden. Doch es geht ihnen wie den Clowns in Becketts "Warten auf Godot". Sie suchen und warten umsonst, kein Samoa, nirgends.

Auf Schenkelklopfer, schnelle Lacher oder populistische Pointen verzichtet Philipp Schaller im Best-of-Stück "Betreutes Denken". Er setzt auf ein Publikum, das den Kopf einschaltet. Die Themen sind weit gespannt, sparen weder Trump noch Terror, nicht Flüchtlinge noch Söder aus. Schaller will verstören, aufklären, befreit graue Zellen vom braunen Müll. Seine dialektischen Texte rühren an den Schlaf des deutschen Michel, fordern das Publikum heraus. Der Funke springt nicht so schnell über, wie bei den zwei Premieren der Dresdner Herkuleskeule am Wochenende zu beobachten war. Wer sich aber auf dieses hochpolitische Programm einlässt, steigt nach zwei Stunden angeregt und nachdenklich aus dem Kabarettkeller im Kulturpalast. Auch das Lachen kommt nicht zu kurz, selbst wenn einem dabei der Atem stockt.

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Manchmal war schwer zwischen Vater Schaller und Sohn

Es ist der Abend für zwei tolle Komödianten und Kabarettisten. Nancy Spiller und Alexander Pluqett bewiesen bereits in "Ballastrevue" und "Lachkoma", dass sie für die Herkuleskeule ein Gewinn sind. In "Betreutes Denken" legen sie unter der Regie von Mario Grünewald noch zu. Beide harmonieren miteinander, es ist eine Freude, ihrem wandelbaren Spiel zu folgen und ihren punktgenau interpretierten Liedern zu lauschen. Die gelernten Schauspieler schlüpfen in verschiedene Figuren. Als Volksmusikpaar Marianne und Michael parodieren sie die Seichtheit der Schlagertexte und die Mitklatschgewohnheit der Stadl-Zuschauer. Als verzweifelte Lehrer kommentieren sie gallig den Wahn der Helikopter-Eltern, die aus ihren Sprösslingen neue Einsteins oder Picassos machen möchten. Hinreißend der pantomimische Auftritt als sächsische Bereitschaftspolizisten, die aus ihrer Sympathie für die rechten Kameraden kein Hehl machen. Ob als schmieriges Charitypärchen oder als Eheleute, die ihr Kind erst mit 70 wollen: Nancy Spiller und Alexander Pluquett sind die ideale Besetzung für Schallers bitterböse Nummern. Am Klavier werden sie kreativ begleitet von Uwe Wand, der in seinem frühlingsbunten Anzug einen ironischen Kontrast zum Schwarz der Clowns bildet.

Mit diesem Abend kehrt Philipp Schaller an die Herkuleskeule zurück. Wenn es auch "manchmal schwer war zwischen Vater und Sohn", sagte Wolfgang Schaller nach der Premiere, "so waren sie auch in diesen Zeiten in ihren Texten Brüder im Geiste". Das neue Stück zeigt beeindruckend: Die Herkuleskeule bleibt eine erste Adresse für bestes politisches Kabarett.

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