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Betreutes Wohnen bei Glasinvest

Die Volkssolidarität Elbtalkreis-Meißen steigt dort ein. Sie hat das erfolgreichste Halbjahr ihres Bestehens hinter sich. Dabei drohte Mitte der 90er-Jahre sogar die Insolvenz.

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© Visualisierung: Büro AT2 Radebeul

Radebeul. Rund 3 000 Mitglieder, über 600 Beschäftigte, 20 Kindertageseinrichtungen mit mehr als 3 300 Kindern, zehn Seniorenwohnanlagen, eine Tagespflege, zwei große ambulante Pflegedienste. Das ist der Kreisverband Elbtalkreis-Meißen der Volkssolidarität (VS). Als größter ostdeutscher Sozial- und Wohlfahrtsverband mit 71 Jahren auch einer der Ältesten. Was für den Kreisverband Elbtalkreis-Meißen trotz manch negativer Erfahrung Bestätigung und Ansporn ist, sagt Frank Stritzke. Mit dem Geschäftsführer, seit 30 Jahren an der Vereinsspitze, hat die SZ über weitere Vorhaben gesprochen.

Große Pläne. Wenn das Glasinvest-Gelände neu bebaut wird, will auch die Volkssolidarität mit einziehen. Mit betreutem Wohnen und Pflege, sagt VS-Geschäftsführer Frank Stritzke.
Große Pläne. Wenn das Glasinvest-Gelände neu bebaut wird, will auch die Volkssolidarität mit einziehen. Mit betreutem Wohnen und Pflege, sagt VS-Geschäftsführer Frank Stritzke. © Arvid Müller

Herr Stritzke, die Volkssolidarität will nach dem Erfolg mit der Seniorenwohnanlage Sidonienhöfe in Radebeul-Ost den nächsten Schritt in dem Ortsteil gehen. Wieder an einem Platz, der das Stadtbild besonders prägt.

Sie sprechen vom Standort Glasinvest. Ja, das ist richtig, den wollen wir mitgestalten. Wir stehen jetzt kurz vor dem Abschluss der Vertragsverhandlungen mit den Investoren, wollen das Ganze Anfang Oktober der Öffentlichkeit vorstellen. Es geht um betreutes Wohnen und Pflege – auf hohem Niveau. Das wird an diesem Standort auch deshalb nicht ganz billig, weil schon die Grundstückskosten recht hoch liegen. Mehr kann ich im Moment dazu noch nicht sagen. Außer: Es soll kein reiner Seniorenstandort werden.

Das wird vermutlich für noch mehr Ältere Anreiz sein, sich in Radebeul niederzulassen. Wie erklären Sie sich diese Anziehungskraft?

Das haben sich die Stadt, freie Träger und Privatinvestoren auf diesem schönen Fleckchen Erde gemeinsam erarbeitet, dass es die Leute hierher zieht. Allerdings ist der gute Ruf kein Selbstläufer, sondern muss immer wieder neu erarbeitet werden. Wir alle müssen uns ständig am Markt behaupten, denn weder die Nachbarkommunen noch andere Unternehmen der Seniorenbetreuung schlafen. Ohne Leistung und Engagement geht gar nichts.

Hat die Volkssolidarität dabei etwas Besonderes zu bieten?

Ja, die Kombination von Alt und Jung. Von Kindereinrichtungen – wir sind inzwischen größter Träger in Sachsen – und Altenhilfe. Da gibt es viele Kontakte. Unser Motto „Miteinander – Füreinander“ funktioniert trotz knallharter Marktbedingungen. Unserer Erfahrung nach ist das der Schlüssel, um schwerwiegende Konflikte zwischen den Generationen zu vermeiden. Die sich auch ergeben, weil immer weniger Jüngere immer mehr Alte finanzieren müssen. Das braucht Verständnis und Toleranz auf beiden Seiten.

Auf diese Schwerpunkte hat sich die Volkssolidarität früh konzentriert, hat vor 20 Jahren die erste Kita gebaut. Den Kleinen Moritz in Moritzburg. War da die heutige Entwicklung abzusehen?

Nein. Die Gemeinde hatte uns damals mit ins Boot geholt, weil es so Fördermittel gab. Doch das Gemeindeprojekt war völlig überdimensioniert. Mit dem Resultat, dass die Volkssolidarität plötzlich kurz vor der Insolvenz stand.

Wie hat sie es dann trotzdem geschafft?

Mit Partnern und Unterstützern. Und mit etwas Glück. Zusammen mit dem richtigen Bauchgefühl hat uns das auch bei anderen Vorhaben vor Schaden bewahrt. Drei mögliche Projekte an der Elbe – vom Verein schließlich abgelehnt hat und von anderen Trägern übernommen – haben das Jahrhunderthochwasser 2002 nicht überlebt. Darunter ein Objekt in Pillnitz, ein Pflegeheimprojekt in Meißen. Wir haben uns vom Pflegeheim-Gedanken getrennt, uns stattdessen aufs betreute Wohnen konzentriert. Bisher ein Erfolgskonzept. So werden wir kein Gemischtwarenladen.

Trotzdem nehmen Sie immer mal gern etwas ganz Neues, Ungewöhnliches in Angriff. Wie verträgt sich das mit dem Grundsatz der Sicherheit?

Finde einen Weg oder mache ihn, heißt mein Leitspruch. Mit dem Zusatz: Wenn du es verantworten kannst. Außerdem entscheide ich ja nicht allein. Ich weiß einen mutigen Vorstand und tolle Mitarbeiter an meiner Seite. Sonst hätten wir auch das Diagnose- und Beratungszentrum in Serkowitz nicht aufbauen können, wo seit 2015 verschiedene Fachkräfte von Physiotherapeuten bis Logopäden zusammenarbeiten. Sachsenweit einmalig. Es schreibt schwarze Zahlen, drei Monate vor der Zielstellung. Das Projekt Kurzzeitpflege in Meißen dagegen haben wir 2007 wieder verkauft, das muss besser an ein Pflegeheim angebunden sein.

Das klingt ja wie eine echte Erfolgsgeschichte.

Ja, wirtschaftlich stehen wir auf sicheren Füßen, haben dieses Jahr ein Haushaltvolumen von 26 Millionen Euro. Und im 1. Halbjahr 2016 wirtschaftlich den besten Halbjahresabschluss überhaupt.

Und was ist dem Chef der Volkssolidarität im Moment außerhalb seines Verbandes wichtig?

Dass wir für das DDR-Museum eine gute Lösung finden. Eigentlich hatte ich auf eine Beteiligung der Volkssolidarität an einer gemeinnützigen Betreibergesellschaft fürs Museum gesetzt. Weil ich es für sehr wichtig halte, dass das Museum erhalten bleibt. Damit DDR-Geschichte weiter so objektiv vermittelt wird, wie es Museumschef Hans Joachim Stephan anbietet, den ich sehr schätze. Auch wir sind als Organisation ein Stück DDR-Geschichte. Aber die Kreisdelegiertenversammlung sah das anders. Zwei Drittel haben gegen eine Beteiligung gestimmt. Das hatte ich so nicht erwartet.

Heißt das, es gibt keine Unterstützung mehr fürs Museum?

Das heißt es nicht. Natürlich geht die Kooperation zwischen VS und Museum weiter. Auch über Kinder- und Seniorengruppen, die das Museum besuchen. Und vor allem: Ein Museumsverein ist jetzt gegründet worden, ich wurde zum zweiten Vorsitzenden gewählt. So kann ich auch privat weiter zu einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der DDR-Geschichte beitragen. Und natürlich erst einmal dazu, um die Existenz des Museums zu sichern.

Gespräch: Ines Scholze-Luft