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Betrieb in neuer Betreuungsstätte

Die Einrichtung der Diakonie arbeitet seit Anfang des Monats. Noch sind die Kapazitäten aber nicht ausgeschöpft.

© Dietmar Thomas

Von Frank Korn

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

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Hartha. Die Enttäuschung für Mitarbeiter und Betroffene war groß. Unmittelbar nach ihrer Eröffnung Ende August 2017 wurde der Förder- und Betreuungsbereich (FBB) der Diakonie in Hartha gleich wieder geschlossen.

Ausgelegt ist die Einrichtung für 18 Personen, zum damaligen Zeitpunkt gab es jedoch nur sechs Anmeldungen. „Eine Inbetriebnahme mit nur sechs Personen ist wirtschaftlich nicht zu vertreten“, hatte Thomas Richter, Geschäftsführer der Diakonie Döbeln damals gesagt. Gleichzeitig versprachen er und Werkstattleiter Georg Rudolph, alles dafür zu tun, um den Betrieb in der Einrichtung so schnell wie möglich aufnehmen zu können.

Im Dezember konnte Thomas Richter dann die frohe Botschaft verkünden, dass die Einrichtung ab Januar den Betrieb aufnimmt. Mit dem Kommunalen Sozialverband wurde ein Kompromiss gefunden, dessen Kostenzusage liegt vor. „Wir haben am 3. Januar mit der Arbeit hier begonnen“, bestätigt Werkstattleiter Georg Rudolph. Derzeit besuchen acht Menschen mit einer Schwerst- und Mehrfachbehinderung die Einrichtung in Hartha. Sie werden von drei Mitarbeitern betreut.

Tagesablauf wird strukturiert

Fünf Menschen, die zuvor in Roßwein betreut wurden, sind nun in Hartha. Zu ihnen gehört Monika aus Leisnig, die an diesem Tag das Tischgebet vor dem Frühstück spricht. Sie hatte sich schon seit Monaten gefreut und war erst einmal enttäuscht, dass es doch nicht klappte. Umso größer ist die Erleichterung, dass sie nun doch in Hartha betreut werden kann. Für den Weg nach Roßwein war sie morgens und abends jeweils eineinhalb Stunden unterwegs, diese Zeit verkürzt sich nun wesentlich.

„Die Menschen, die wir im Förder- und Betreuungsbereich aufnehmen, können aufgrund ihrer Behinderungen nicht am Arbeitsleben teilnehmen. Dennoch sollen sie aber einen strukturierten Tagesablauf erhalten und ihre Fähigkeiten gefördert werden“, erklärt Georg Rudolph. Auch sei es wichtig, dass es Abwechslung gibt, dass die Klienten mit anderen Menschen in Kontakt kommen. Der Werkstattleiter lobt die hervorragenden Bedingungen in der Betreuungsstätte. „Es ist alles fertig und alles neu“, so Rudolph. So gibt es zum Beispiel drei Gemeinschaftsräume, von denen aber derzeit nur einer genutzt wird.

Anke Kossack und Thomas Klemm sind zwei der Mitarbeiter, die die Klienten betreuen. An diesem Tag steht nach dem Frühstück kreatives Gestalten auf der Tagesordnung. „Wir werden Schneemänner töpfern. Bei schönem Wetter unternehmen wir noch einen Spaziergang“, sagt Anke Kossack. Bei vielen Tätigkeiten brauchen ihre Schützlinge Hilfe, sie sollen aber so viel wie möglich selbst machen.

Die Einrichtung ist für 18 Personen ausgelegt. So groß zu bauen, war eine Forderung der Behörden, um Fördergeld zu bekommen. Insgesamt hat das Vorhaben 1,3 Millionen Euro gekostet. Es seien beste Voraussetzungen für eine gute Betreuung gegeben. Von der Sächsischen Aufbaubank kam Fördergeld in Höhe von rund 900 000 Euro.

Der Landkreis gab 112 000 Euro dazu, und die Diakonie Döbeln als Träger des Vorhabens investierte 152 000 Euro. Das entspricht zehn Prozent des Vorhabens zuzüglich der Kosten für den Landkauf. Um nun loslegen zu können, haben viele Verantwortliche gut mitgespielt. „Dazu gehören unter anderem der Amtsarzt des Landkreises und das Landratsamt selbst. Es hat alles gut geklappt. Wir wurden unglaublich unbürokratisch unterstützt“, so Richter.

In Sachsen dürfen nur Klienten, die aus einem häuslichen Umfeld kommen, in einen Förder- und Betreuungsbereich aufgenommen werden, erklärt Georg Rudolph. Dennoch hofft er, dass die Einrichtung in Hartha möglichst bald ausgelastet ist, und nennt einen Zeitraum bis 2020. „Angehörige von Menschen mit Behinderung können sich gern beraten lassen und sich bei uns umschauen“, sagt Rudolph. (DA/mit je)